Reichart

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Elke Reichart: Deutschland, gefühlte Heimat. Hier zu Hause und trotzdem fremd?!, München: dtv (Reihe Hanser) 2008, 176 Seiten, ISBN 978-3-423-62347-6, EUR 8,95. 

 

gelesen von Jens Mannanal, 13. Klasse
Liebfrauenschule Köln

 

lesepunkte: ●●●●○ 

 


Das Buch hat bei mir einen Nerv getroffen. Es erzählt detailliert Schicksale von zwölf jungen Immigranten, deren Geschichten mich, jede auf eine andere Art und Weise, berührt haben. Bei ihren Recherchen ist Elke Reichart durch das ganze Land gereist und hat dabei sehr mitreißende Erfahrungsberichte zusammenstellen können, die jeden Leser zum Nachdenken bringen sollten. Mir, als einer unter den fünfundzwanzig Prozent Jugendlichen mit Migrationshintergrund in Deutschland, hat das Buch den Atem geraubt und hat mir gezeigt, dass ich nicht der einzige bin, der Tag für Tag um Anerkennung in der Gesellschaft kämpfen muss.

Die Spanne an Gesprächspartnern reicht vom völlig integrierten Gerald Asamoah, einem deutschen Fußballnationalspieler mit ghanaischen Wurzeln, bis hin zu der sich in Deutschland illegal befindenden Immigrantin „Isabel“, die ursprünglich aus Bolivien kommt. So ist fast jeder Kontinent der Erde vertreten in dem Buch. Elke Reichart hat sich bei ihrer Arbeit hauptsächlich im Hintergrund gehalten und überwiegend ihre Gesprächspartner erzählen lassen. 

Die Texte haben das Potenzial, die Augen jedes Lesers ein Stück weiter zu öffnen. Sie setzen sich kritisch mit den Lebensumständen auseinander, in denen Immigranten teilweise leben müssen, und machen Probleme sichtbar, die einer desinteressierten und zum Teil blinden Gesellschaft nicht ohne Weiteres auffallen. 

Trotz einer relativ großen Vielfalt an Persönlichkeiten, die hier in diesem Buch ihre Lebensgeschichten dem Leser offenbart, bin ich der Meinung, dass es nicht geschadet hätte, wenn Elke Reichart sich noch intensiver mit jugendlichen Immigranten im Alter von zwölf bis achtzehn Jahren beschäftigt hätte. 

Das Buch ist in meinen Augen als kurze Lektüre in Schulen sehr gut geeignet, da es dem einen oder anderen Immigranten helfen könnte, Mut zu fassen, Gefühle und Emotionen mit den Mitmenschen zu teilen. 

Denn ich persönlich sehe aus eigener Erfahrung Nachholbedarf bei der Integration ausländischer Schüler in deutschen Schulen - dabei ist diese Integration die essentielle Basis eines zukünftigen Zusammenlebens hier in Deutschland. 

(Betreut von Karin Kasprowicz) 

 

 

Empfohlene Zitierweise

Reichart Elke Deutschland gefühlte Heimat neu, in: historicum.net, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/8237/

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Erstellt: 01.11.2009

Zuletzt geändert: 01.11.2009