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Joachim Nagel: Carl Spitzweg. Besuche im glücklichen Winkel, Stuttgart: Belser Verlag 2008, 128 Seiten, ISBN 978-3-7630-2495-7, EUR 19,95.
gelesen von Alissa Münch, 7. Klasse
Maria-Ward-Gymnasium, München-Nymphenburg
lesepunkte: ●●●●○

In dem Sachbuch „Carl Spitzweg. Besuche im glücklichen Winkel" wird man in der Einleitung von der heutigen Zeit geschickt in das 19. Jahrhundert zurückversetzt.
In mehreren Kapiteln beschreibt Joachim Nagel ausführlich, wie und wo der Maler lebte, was ihm während seiner Reisen widerfuhr, und seine Vielseitigkeit wird des Öfteren angesprochen. Ebenso die Liebe zum Mittelalter - und zum Bier.
Das Buch begleitet den Leser durch Spitzwegs Leben, seine Erfolge ebenso wie seine Misserfolge, seine Beziehungen zu Freunden und Familie sowie durch die Epochen Biedermeier und Vormärz, die kurz, jedoch verständlich beschrieben werden. Ebenfalls wird kurz über München, Krankheiten und über andere Künstler, teilweise Spitzwegs Freunde oder Lehrer berichtet. Beispielsweise Adolf Menzel; die Maler werden miteinander verglichen.
Allerdings bedarf es insgesamt eines kleines Repertoires an Hintergrundwissen, um sich schnell einzulesen und zurechtzufinden.
Die häufig auftauchenden Bilder, Miniaturen der echten Spitzweggemälde, sind in kleinen Texten liebevoll beschrieben. Ebenfalls wird auf Besonderheiten hingewiesen, wie bei dem Bild „Vor der Stadt“, das Carl auf seine Zigarrenkiste malte.
Oftmals wird auch der typische Stil der Zeitepoche erklärt, und im Laufe des Buches erkennt man mehr und mehr, wie die Maler damals zeichneten. In den Bilderbeschreibungen wird sehr verständlich erklärt, was der Maler auszudrücken versuchte. Auf Details, die man beispielsweise in einer Ausstellung gar nicht wahrnehmen würde, wird hingewiesen, und es stellt sich heraus, dass Spitzweg oftmals reale oder auch irreale Situationen festhielt. Ebenfalls wird gezeigt, wie Spitzweg geschickt alltägliche Situationen wie die Einsamkeit eines Frommen im Gegensatz zu der vergnüglichen Gemeinschaft in Bilder schließt. Leider werden manche Bilder, von denen Spitzweg in seinen Briefen erzählt, nicht gezeigt. Daraus folgt, dass man sich die Situation weniger gut vorstellen kann. Beispielsweise beklagt sich der Maler wegen eines Bildes, das er nicht verkaufen konnte. Hier wäre es praktisch das Bild zu sehen, um vielleicht Gründe dafür zu finden.
Für Leser, die nicht unbedingt kunstinteressiert sind, kann ich das Buch nicht empfehlen, da es zwar genügend über des Malers Leben informiert, jedoch die Sätze sich oftmals über mehrere Zeilen spannen. Dadurch ist es nicht immer einfach zu lesen, allerdings ist es praktisch in große und kleinere Kapitel aufgeteilt, die es dem Leser erleichtern, schnell an seine gewünschte Information zu kommen. Diese ist ebenfalls meist kurz gehalten, womit einige Themen angesprochen werden. So kann ich es als eine Art „Carl-Spitzweg-Lexikon“ empfehlen.
Der Wandel der Stadt München, ihre Geschichte und Einwirkungen von außen werden ausführlich dokumentiert sowie die Auswirkungen auf die Maler, speziell Münchens. Briefe, Zitate und Ähnliches sind oft niedergeschrieben, nicht etwa nur vom Maler, sondern auch von seinem Bruder oder Kollegen. Anhand von ihnen lässt sich die frühere Zeit besser vorstellen, und sie ermöglichen einem, sich ganz und gar in die Situation hineinzuversetzen. Manchmal ist man sich nicht sicher, woher Joachim Nagel seine Sicherheit nimmt und ob er nicht etwas hineininterpretiert, was gar nicht da war. Das äußert sich in Formulierungen wie: „[…], wo er gewiss ein gern gesehener Gast war.“ Doch daraus folgt, dass man sich das Leben ein bisschen realer vorstellt, auch wenn vielleicht ein bisschen dazu gemogelt wurde.
Die Sprache, die der Autor benützt, ist meist verständlich. Es sind selten Wiederholungen zu sehen, allerdings verwendet er zu oft Fachbegriffe, die meist nicht erklärt werden. (Welcher Teenager kennt schon Begriffe wie: Aphrodisiakum, Therapeutikum und Syphilis?!) Wegen der Spannweite der einzelnen Sätze muss man sich konzentrieren, um den Sinn zu verstehen. Ich gebe dem Buch drei bis vier von fünf erreichbaren Punkten, da es sehr gut als „Nachschlage-Lexikon“ genutzt werden kann, jedoch noch ein paar Einzelheiten verbesserungswürdig sind.
(Betreut von Anton Pfeffer)
Empfohlene Zitierweise
Joachim Nagel: Carl Spitzweg. Besuche im glücklichen Winkel, Stuttgart: Belser Verlag 2008, 128 Seiten, ISBN 978-3-7630-2495-7, EUR 19,95, gelesen von Alissa Münch. lesepunkte 4 (2009), Nr. 5, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/7287/
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Erstellt: 01.11.2009
Zuletzt geändert: 01.11.2009




