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Libba Bray: Gemmas Visionen (Der geheime Zirkel, Bd. 1), München: dtv extra 2007, 480 Seiten, ISBN 978-3-423-71228-6, EUR 12,95.
gelesen von Clarissa Schmidt, 10. Klasse
Marienschule Krefeld
lesepunkte: ●●●●○

„Gemmas Visionen“ ist der erste der Romane der Autorin Libba Bray aus der Reihe „Der geheime Zirkel“ - und landete im Jahr 2003 auf Anhieb auf der Bestsellerliste der New York Times. Unter dem Originaltitel „A Great and Terrible Beauty“ wurde der Roman vom Verlag Delacorte Press veröffentlicht. Die deutsche Erstausgabe erschien im Mai 2007 im Deutschen Taschenbuch Verlag, übersetzt von Ingrid Weixelbaumer.
Dass der erste Band der Trilogie in den USA und in Deutschland begeistert angenommen wurde, bezeugen auch viele positive Kritiken, unter anderem in der Süddeutschen Zeitung, Publishers Weekly sowie in der Oberhessischen Presse.
Libba Bray hat sich darüber hinaus als Autorin mehrerer Theaterstücke und einiger Kurzgeschichten einen Namen gemacht. Heute lebt die gebürtige Texanerin, die ihren Heimatstaat mit 26 Jahren und einem Universitätsabschluss im Fach „Drama“ verließ, in Brooklyn, New York, mit Kind und Ehemann. Dieser ist einer der international wichtigsten Agenten für Kinder- und Jugendliteratur. Außerdem unterstützte er sie beim Schreiben ihrer erfolgreichen Trilogie „Der geheime Zirkel“.
Die Amerikanerin Libba Bray mochte schon früh alles Englische, insbesondere das viktorianische Zeitalter. Dieses Zeitalter, zwischen 1837-1901, ist nach der Königin Viktoria benannt, welche Königin von Großbritannien sowie Irland (1837-1901) und Kaiserin von Indien (1876-1901) war. Nachdem die Autorin mit 18 Jahren schwerste Gesichtsverletzungen bei einem Autounfall erlitten hatte, hatte das Schreiben eine Zeit lang vor allem therapeutische Funktion für sie.
Der Roman „Der geheime Zirkel. Gemmas Visionen“ thematisiert das Leben eines privilegierten englischen Mädchens um das Jahr 1895. Durch seine spirituelle Veranlagung wird es ihm ermöglicht, ein „magisches Reich“ wieder zu entdecken, zu öffnen und mit seinen Freundinnen zu betreten. Die Erzählung handelt von Statussymbolen, Liebe, Familientragödien, Gruppenzwang, der Erkundung eines „magischen Reiches“ und dem englischen Leben im viktorianischen Zeitalter.
Im Rahmen einer Vision erlebt die Protagonisten Gemma den realen Selbstmord ihrer im Streit verlassenen Mutter, ohne selbst eingreifen oder sich mit ihr aussöhnen zu können. Nach dem Tod der Mutter wird die bis dahin in Indien lebende Gemma nach England auf ein Mädcheninternat geschickt. Dort entdeckt sie mit ihren Freundinnen zusammen ein magisches Geheimnis der Mutter und steht fassungslos ihrer Tat gegenüber. Bewusst realisiert sie die drohende Gefahr, die von der den bösen Geistern der Winterwelt zugewandten Circe, der „Mörderin“ ihrer Mutter, ausgeht.
In dem Roman werden außerdem Themen wie Machtmissbrauch, Gruppendruck, Enttäuschungen, Neid, Eifersucht, Gefahr, Tod, Überwindung einer dunklen Vergangenheit, Vergebung, die erste Liebe und Liebeskummer thematisiert. Das Problem der Ausgrenzung aus und der Integration in die englische Gesellschaft Ende des 19. Jahrhunderts sowie die Flucht aus der Realität in das perfekt erscheinende „magische Reich“, um die Wirklichkeit zeitweise verdrängen zu können, stehen im Zentrum des Romans.
Libba Bray erzeugt durch ihren spannenden, poetischen und sensiblen Schreibstil ein lohnendes Leseabenteuer, das die eigene Fantasie anregt. Durch die unterschiedlichen Charaktere der Romanfiguren erscheint die Handlung realitätsnah trotz der magischen Aspekte und ausgeprägten Unterschiede zwischen dem heutigen und dem damaligen Lebensstil. Denn es sind die verschiedenen, nicht zeitgebundenen Charaktere unserer heutigen Gesellschaft vertreten, wodurch sich jeder Leser mit einer Figur identifizieren kann. Dies wird durch die verständliche Sprache und die Themenauswahl verstärkt. Hilfreich für das Verständnis der Handlung sind historische Kenntnisse der viktorianischen Zeit. Kritikpunkte: Im ersten Teil der Trilogie wird die beginnende Liebe zwischen Gemma und Kartik nur oberflächlich beschrieben. Außerdem findet die Handlung des ersten Buches ein sehr offenes, abruptes Ende. Insgesamt ist dieser Roman aber gut gelungen und empfehlenswert.
Meiner Meinung nach können sich Jugendliche gut mit der Protagonistin identifizieren, weil die behandelten Themen und Probleme typische Themen des Erwachsenwerdens sind. Daher ist dieser Roman für dreizehn- bis fünfzehnjährige Jugendliche, aber auch für Erwachsene ein besonderes Lesevergnügen.
(Betreut von Lothar Heutz)
Empfohlene Zitierweise
Libba Bray: Gemmas Visionen (Der geheime Zirkel, Bd. 1), München: dtv extra 2007, 480 Seiten, ISBN 978-3-423-71228-6, EUR 12,95, gelesen von Clarissa Schmidt. lesepunkte 4 (2009), Nr. 5, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/7277/
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Erstellt: 01.11.2009
Zuletzt geändert: 01.11.2009




