Theisen

  / lesepunkte.de / Archiv / Ausgaben / 2009/3

Manfred Theisen: Checkpoint Jerusalem. Eine Liebe in Zeiten des Terrors, München: cbt 2004, 224 Seiten, ISBN: 978-3-570-30249-1, EUR 6,90. 

 

gelesen von Franziska Krug, 9. Klasse
Gymnasium bei St. Anna, Augsburg

 

lesepunkte: ●●●○○

 


Als sich Maya und Amer zum ersten Mal begegnen, funkt es zwischen den beiden sofort. Doch ihre Liebe hat eigentlich keine Chance, denn Maya ist Jüdin, während Amer Araber ist. Beide leben in Jerusalem, wo der Krieg zwischen Juden und Araber tobt und wo die Gewalt zwischen den beiden Völkern keine Grenzen kennt: Wegen der Übermacht der israelischen Armee sprengen sich palästinensische Attentäter in die Luft und versuchen dabei möglichst viele Israelis mit in den Tod zu reißen. Ob dabei Zivilisten oder Soldaten sterben, ist den Attentätern egal, nur die Anzahl der Toten zählt. Auf die Attentate antwortet die israelische Armee mit Ausgangssperren, dem Mauerbau in Jerusalem und mit Plünderungen in palästinensischen Siedlungen, wobei auch Bewohner skrupellos niedergemetzelt werden.

Trotz dieser Hindernisse wächst die Liebe zwischen Amer und Maya. Sie treffen sich heimlich in Jerusalem, wobei die Angst vor Entdeckung sie stets begleitet. Doch das sind nicht Amers einzige Probleme: als Araber muss er mit zahlreichen Einschränkungen leben: geschlossene Schulen, Perspektivlosigkeit und Ausgangssperren. Auch die Atmosphäre im Waisenhaus, Amers zweitem Zuhause, ist angespannt: Seine Ex-Freundin Sabreen kommt nicht über die Trennung hinweg, ein Mitglied des Waisenhauses fällt bei einem Ansturm der israelischen Armee auf Dschenin. Jamal, Amers bester Freund und Waise, beginnt radikale Gedanken auszubrüten. Zusammen mit einigen Freunden will Jamal sich als „Märtyrer“ an den Israelis rächen. Das geplante Attentat kann jedoch in letzter Minute verhindert werden. Doch die junge Beziehung zwischen Amer und Maya kann schließlich den vielen Problemen nicht standhalten. 

Als ich das Buch zum ersten Mal sah und nur den Titel und das Cover betrachtete, dachte ich sofort an eine kitschige Liebesgeschichte vor der Kulisse der dramatischen Ereignisse in Jerusalem. Was sollte man auch sonst denken bei dem Titel „Checkpoint Jerusalem. Eine Liebe in Zeiten des Terrors“? Jedoch wurden meine Vorstellungen nur teilweise erfüllt. Natürlich handelt es sich um eine Liebesgeschichte, doch sie bleibt vor dem Hintergrund der grausamen Geschehnisse im Nahen Osten ein wenig auf der Strecke. Das störte mich persönlich nicht, da mich die Situation in Israel und Palästina sowieso mehr interessierte als eine Romanze. Dieselbe Meinung vertrat wohl auch der Autor, der in dieser Hinsicht eine sehr informative und interessante Geschichte schuf. Die Problematik zwischen den beiden Völkern wird sehr gut dargestellt, da man die Geschehnisse sowohl aus der Sicht einer Jüdin als auch aus der Sicht eines Arabers geschildert bekommt. Man versteht dadurch den Teufelskreis der Gewalt im Nahen Osten besser, lernt die Verzweifelung auf beiden Seiten kennen und den sehnlichen Wunsch beider Völker nach Frieden. Aber es werden auch die Gründe klar, warum es so schwierig ist, einander friedlich zu begegnen und der Gewalt ein Ende zu setzen. Diese Informationen werden durch zahlreiche Fach- und Fremdwörter ergänzt, die am Ende des Buches im Glossar erklärt werden. Nach der Lektüre des Buches hat man wirklich das Gefühl, etwas über den Konflikt im Nahen Osten dazugelernt zu haben.

Leider ist die Wortwahl in dem Buch oft unpassend. Es werden zu viele stereotype Formulierungen benutzt, die den Text oft gestelzt und ungeschickt wirken lassen. Dialoge werden durch unpassende Wortwahl oft hölzern und unbeholfen und das Bemühen des Autors um Jugendsprache verläuft wenig erfolgreich. Dadurch verliert der ganze Text an Dichte und wird ein bisschen langweilig. Zudem sind die Sätze oft sehr einfach konstruiert: Parataxen lassen den Text simpel erscheinen. Die wenig anspruchsvolle Satzkonstruktion und die seltsame Wortwahl passen jedoch nicht zu der schwierigen Thematik des Buches. Dadurch wird die ganze Geschichte ein wenig ruiniert. 

Trotzdem ist es ein Buch, das die drei Punkte aufgrund der sehr interessanten Thematik und den vielen Informationen über den Nahost- Konflikt durchaus verdient. 

(Betreut von Dr. Claudia Weiser) 

 

 

Empfohlene Zitierweise

Manfred Theisen: Checkpoint Jerusalem. Eine Liebe in Zeiten des Terrors, München: cbt 2004, 224 Seiten, ISBN: 978-3-570-30249-1, EUR 6,90, gelesen von Franziska Krug. lesepunkte 4 (2009), Nr. 3, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/7017/

Bitte setzen Sie beim Zitieren dieses Beitrags hinter der URL-Angabe in runden Klammern das Datum Ihres letzten Besuchs dieser Online-Adresse.



Erstellt: 16.06.2009

Zuletzt geändert: 16.06.2009