Hoppe

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Felicitas Hoppe: Iwein Löwenritter. Erzählt nach dem Roman von Hartmann von Aue (Die Bücher mit dem blauen Band), Frankfurt am Main: S.Fischer Verlag 2008, 256 Seiten, ISBN 978-3-596-85259-8, 16,90 Euro. 

 

gelesen von Lucia Birkmeir, 9. Klasse
St. Bonaventura Gymnasium, Dillingen an der Donau

 

lesepunkte:●●○○○

 


„Ich liebe die Träume. Besonders nach einem gewonnenen Kampf oder nach einem guten Essen.“ So heißt es im ersten Kapitel dieses Buches, in dem Felicitas Hoppe von einem Land vor über tausend Jahren, von dem König der Tiere, von Ungeheuern, von vielen zu rettenden edlen Damen und vor allem von einer tiefen Freundschaft erzählt.

Am Hofe des Königs geht es bunt zu: Jeden Tag werden Feste gefeiert, die Damen vertreiben sich die Zeit mit dem Schachspiel, die Männer mit Turnieren. Nur einem, dem Besten der Besten, dem Ritter Iwein, wird es hier zu langweilig und so lässt er eines Nachts seinen Freund Gawein ohne Abschied zurück und reitet ins unbekannte Land Nebenan, um dort Abenteuer zu suchen. 

Dort angekommen, wird er auch sofort fündig: Zuerst weckt er die Gewitterquelle, indem er mit dem Wasser eines gewissen Brunnens einen gewissen Stein begießt und damit einen fürchterlichen Sturm auslöst. Kaum kehrt wieder Stille ein, sucht ihn der König des Landes Nebenan auf und fordert den ungebetenen Gast zum Kampf heraus. Iwein verwundet ihn schwer und verfolgt ihn, als er flieht, bis in dessen Burg. Dort sitzt er dann natürlich in der Falle und nur durch die Hilfe der schlauen Lunete, einer Dienerin der Königin, kann er sich vor den Burgbewohnern verstecken. Kurze Zeit später stirbt der König an seinen Verletzungen. 

Die Situation wird aber kompliziert, als sich Iwein beim Anblick der trauernden Königin Laudine sofort in sie verliebt und sich nichts sehnlicher wünscht, als sie zur Frau zu nehmen. Dass sie wohl nicht an einer Heirat mit dem Mörder ihres Mannes interessiert sein wird, kommt ihm gar nicht in den Sinn. Doch Iwein muss nicht im Liebeskummer versinken, denn Lunete steht ihm erneut zur Seite und schafft es schließlich, ihre Herrin von der Idee zu begeistern, noch einmal zu heiraten und so einen Regenten für ihr Land zu bestimmen. Für diese Aufgabe will sie selbstverständlich den Besten der Besten gewinnen. Also stellt Lunete Iwein der Königin vor und nachdem sich der Ritter bei Laudine entschuldigt und ihr seine Liebe gestanden hat, heiraten die beiden und tauschen im Anschluss ihre Herzen. 

Am Artushof wird Iwein derweil vermisst und weil keiner weiß, wohin er in jener Nacht ging, fasst Gawein den Entschluss, seinen Freund zu suchen. Auch er kommt ins Land Nebenan und weckt – wie Iwein vor ihm – die Gewitterquelle. Und auch diesmal kommt der König des Landes, um den Eindringling zum Kampf herauszufordern. Doch die Freunde erkennen einander und als Gawein von den prächtigen Turnieren am Artushof erzählt, wird Iwein ganz neidisch und sie beschließen, noch einmal gemeinsam durch die Welt zu ziehen, um Ehre zu erlangen. Laudine allerdings ist über diese Entscheidung nicht sehr erfreut und lässt ihren Mann erst gehen, als er ihr das Versprechen gegeben hat, in genau einem Jahr wieder bei ihr zu sein.

Für die Ritter, von allen ehrfürchtig die „blauen Zwillinge“ genannt, weil sie so viele blaue Bänder als Turniersiege gewinnen, folgt ein ruhmreiches und vergnügliches Jahr. Doch weil die beiden nur daran denken, wie sie ihre Ehre vergrößern können, und dabei die Zeit vergessen, versäumt Iwein die Frist und kehrt nicht rechtzeitig zu seiner Frau heim. Die schickt ihm auch prompt einen Boten, der Iwein ausrichtet, dass sie ihn nie wieder sehen will. 

Der verstörte Iwein fällt daraufhin in ein tiefes Loch: Wie ein Tier lebt der einstmals so glänzende Ritter im Wald, sein Mund verlernt das Sprechen, seine Nase das Riechen und seine Ohren verlernen das Hören. Als die „Herrin mit den weißen Händen“ ihn in dieser Verfassung entdeckt, bekommt sie Mitleid und heilt ihn mit Hilfe eines Heilmittelchens von seinem Wahnsinn. Iwein wird auch tatsächlich wieder zum Ritter, befreit das Königreich seiner Retterin zum Dank von ihrem Widersacher, dem grausamen „Herrn mit den schwarzen Händen“, und reitet schließlich als „weißer Ritter“ von dannen. 

Wieder zum Ehrenmann geworden, trifft Iwein auf einen Löwen, schließt mit ihm Freundschaft, erlöst das 13te Königreich vom Unglück, indem er den gemeinen Riesen Harpin bezwingt, befreit das Reich Nebenan inkognito von den drei bösen Hofmeisterbrüdern, besiegt den gefährlichen „Doppelten Ritter“ und kämpft schließlich für die „Jüngere Schwester“, deren „Ältere Schwester“ ihr das Erbe streitig macht. Auch in diesem Kampf tritt Iwein unerkannt als „Weißer Ritter“ auf, und so weiß sein Gegner Gawein, der eine grüne Rüstung trägt und auch nicht zu erkennen ist, nicht, dass er gegen seinen besten Freund kämpft. Die ganze Sache geht jedoch glimpflich aus, als die Ritter – weil sie genau gleich stark sind – aufhören zu kämpfen, ihre Visiere abnehmen und sich erkennen. 

Obwohl er seinen besten Freund wieder gefunden hat und sich jeder über die Rückkehr der „blauen Zwillinge“ freut, ist Iwein unglücklich und muss seinem Herzen, das ja eigentlich Laudines Herz ist, folgen. Und so kehrt er zurück ins Land Nebenan und nach einer dramatischen Entschuldigung verzeiht ihm Laudine und das Paar lebt wieder glücklich und zufrieden zusammen. An diesem Punkt verlässt Iwein auch der Löwe, der bisher nicht von seiner Seite wich und man erfährt, dass der Löwe der Erzähler ist, denn er „liebt Geschichten. Besonders nach einem gewonnenen Kampf oder nach einem guten Essen“. 

Der Roman ist in zwei große Teile „Iwein“ und „Der Löwenritter“ unterteilt, beide Abschnitte haben 30 kurze Kapitel. Wie jedes Buch aus der Fischer-Reihe „Die Bücher mit dem blauen Band“ ist es in Leinen gebunden und wird in einem bedruckten Schuber geliefert. Die vier sehr schönen Farbtafeln im Buch und das Bild auf dem Einband sind von Michael Sowa. 

Der Roman basiert auf einer Artusgeschichte von Hartmann von Aue, die im 14. Jahrhundert verfasst wurde. Felicitas Hoppe gelingt es allerdings, den Sagenstoff auf originelle Weise neu aufzuarbeiten. Etwas schade ist, dass der Überblick durch die zahlreichen, sich ähnelnden Schilderungen der Abenteuer leicht verloren geht und die Geschichte nach der x-ten gelungenen Rettung einer holden Jungfrau an Spannung verliert und etwas langatmig wird. 

Was das Buch interessant macht, ist auf jeden Fall, dass bis zum Schluss unklar bleibt, wer der Erzähler ist. Gleich im ersten Kapitel erfährt man zwar, dass der Erzähler selbst unmittelbar am Geschehen beteiligt war – „besser als ich erzählt die Geschichte euch keiner, ich war nämlich dabei“ –, allerdings werden nie genug Informationen ausgelegt, um wirklich feststellen zu können, um wen es sich handelt. 

Ein weiterer Pluspunkt ist, dass der Leser sehr häufig angesprochen und so in die Handlung mit einbezogen wird. Deshalb eignet sich die Geschichte meiner Meinung nach auch besonders gut zum Vorlesen und ist für Kinder unter 12 Jahren, wie es der Verlag empfiehlt, angemessen. 

(Betreut von M. Theresia Wittemann, OSF)

 

 

Empfohlene Zitierweise

Felicitas Hoppe: Iwein Löwenritter. Erzählt nach dem Roman von Hartmann von Aue (Die Bücher mit dem blauen Band), Frankfurt am Main: S.Fischer Verlag 2008, 256 Seiten, ISBN 978-3-596-85259-8, 16,90 Euro, gelesen von Lucia Birkmeir. lesepunkte 4 (2009), Nr. 3, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/7005/

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Erstellt: 16.06.2009

Zuletzt geändert: 16.06.2009