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Michael Hatry: Ich will malen! Das Leben der Artemisia Gentileschi. Mit einem Anhang von Susanna Partsch, Hildesheim: Gerstenberg Verlag 2007, 352 Seiten, ISBN 978-3-8369-5172-2, EUR 16,90.
gelesen von Stefanie Becker, 11. Klasse
Ohm-Gymnasium, Erlangen
lesepunkte: ●●●○○

Die Romanbiografie spielt im frühbarocken Rom und Florenz und erzählt das Leben der Artemisia Gentileschi beginnend von ihrer Geburt bis hin zu ihrem Aufstieg als anerkannte Künstlerin.
Die Kindheitsgeschichten über Artemisia sind größtenteils erfunden und die geschilderten Feste werden vom Autor nur nachempfunden, doch wichtige Ereignisse aus Artemisias Leben werden wahrheitsgetreu nacherzählt. Auch die im Roman vorkommenden Hauptfiguren hat es wirklich gegeben und alle Bilder, die im Buch beschrieben werden, sind wirklich gemalt worden.
Artemisia, die Hauptperson, ist das erste Kind des Malers Orazio. Artemisia hat zunächst eine schöne Kindheit, bis sie elf Jahre alt ist. Denn als ihre Mutter bei der Geburt eines weiteren Kindes stirbt, muss sich Artemisia von da an um ihre drei kleineren Brüder und den Haushalt kümmern. Doch Artemisia interessiert sich nicht für ihre neue Aufgabe, sondern viel mehr für die Malerei und möchte bei dem Vater in die Lehre gehen. Da Malerin in der damaligen Zeit kein Beruf für eine Frau ist, lehnt Orazio die Bitte seiner Tochter ab. Artemisia lässt jedoch nicht locker und malt heimlich ein Selbstporträt. Als der Vater dieses Bild von seiner Tochter sieht, ist er von Artemisias Talent überzeugt und gibt ihr Unterricht.
Weil eine verheiratete Frau im 17. Jahrhundert mehr Freiheiten hat, beschließt Artemisia zu heiraten, um endlich unabhängig vom Vater zu sein und selbst über ihre Bilder entscheiden zu können. So lernt sie Agostino Tassi, einen Kollegen Orazios, kennen, in den sie sich verliebt. Tassi erwidert diese Liebe zunächst auf charmante Weise, doch schnell beginnt er Artemisia auszunutzen und zu bedrängen. Als er vorgibt, Artemisia in Perspektive zu unterrichten, vergewaltigt er sie schließlich. Um Artemisia zu besänftigen, verspricht er ihr die Heirat. Dies ist jedoch eine Lüge, denn Tassi liebt eine andere Frau. Als Artemisia die Wahrheit erfährt, ist sie am Boden zerstört, denn es wurde nicht nur ihre Liebe zerstört, sondern sie hat auch ihre Ehre verloren. Orazio und Artemisia zeigen Tassi wegen der gewaltsamen Entjungferung an. Während des Prozesses malt Artemisia das Bild „Judith enthauptet Holofernes“, in dem die Szene der Enthauptung sehr brutal dargestellt wird. Durch das Malen kann sie ihre Wut über Tassi abreagieren. Artemisia gewinnt den Prozess und kann somit wieder ihre Ehre zurückgewinnen.
Nach dem Prozess heiratet sie den florentinischen Maler Pierantonio, mit dem sie nach Florenz zieht und drei Kinder bekommt. Diese Ehe verläuft allerdings von Beginn an schlecht, denn Pierantonio lebt nur auf Artemisias Kosten. Den Durchbruch als Malerin hat Artemisia erst in Florenz, denn dort bekommt sie von verschiedenen angesehenen Bürgern Aufträge. Außerdem kann sie mit dem Judith-Gemälde beeindrucken, denn die Hell-Dunkel-Dramatik und das virtuos gemalte Zwielicht geben diesem Gemälde etwas Einzigartiges. Artemisia wird in Florenz das erste weibliche Mitglied der dortigen Kunstakademie. Als jedoch Artemisias beide Söhne an einer Krankheit sterben, kann sie keinen Trost finden und beschließt zurück zu ihrer Familie nach Rom zu ziehen. Dort schafft sie es dann endgültig, sich von ihrem anhänglichen Mann zu lösen und als eigenständige Malerin zu leben.
Als Leser kann man sich gut in das barocke Rom und in Artemisias Situation hineinversetzten, denn das Buch hat nur einen Erzählstrang, der Artemisias Leben zeigt. So werden ihre Gefühle und Gedanken gut beschrieben. Auch die simple Sprache trägt dazu bei, denn die Dialoge zwischen den Figuren wirken dadurch besonders echt. Außerdem ermöglicht die Vorbemerkung vor der eigentlichen Geschichte schon einen ersten Einblick in das künstlerische Leben in Rom um 1600. Dieses Leben wird auch durch die vielen Zeitgenossen Artemisias und die wirklichen damaligen Ereignisse in Rom und Florenz nochmals besonders anschaulich. Man kann durch diesen Roman auch viel über die beiden Städte selbst lernen, da wichtige Kirchen und Gemälde, die heute immer noch existieren, genau beschrieben werden. Schön an diesem Roman ist auch, dass er zusätzlich Kurzbiografien zu jeder erwähnten Figur enthält sowie Erklärungen zu der Epoche selbst und den Arbeiten der Maler um 1600. Am Ende des Buches kann man fünf Gemälde von Artemisia betrachten und eine genaue Beschreibung dazu lesen.
Allerdings denke ich, dass dieses Buch nicht jedem gefallen wird, denn es erzählt ausschließlich über das Leben der Künstler, nicht aber über das Leben von Menschen aus anderen Gesellschaftsschichten. Die Geschichte ist auch nicht durchgehend spannend geschrieben und kann deshalb nicht wirklich fesseln. Um sich für dieses Buch begeistern zu können, sollte man sich schon im Voraus für die Epoche des Barock und für diese Künstler interessieren.
Insgesamt hat mir das Buch jedoch gut gefallen und ich empfehle dieses Buch auch jedem weiter, der sich für Kunst interessiert, da man wirklich viel lernen kann. Deshalb vergebe ich drei von fünf Lesepunkten.
(Betreut von Franz-Josef Üffing)
Empfohlene Zitierweise
Michael Hatry: Ich will malen! Das Leben der Artemisia Gentileschi. Mit einem Anhang von Susanna Partsch, Hildesheim: Gerstenberg Verlag 2007, 352 Seiten, ISBN 978-3-8369-5172-2, EUR 16,90, gelesen von Stefanie Becker. lesepunkte 4 (2009), Nr. 3, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/7003/
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Erstellt: 16.06.2009
Zuletzt geändert: 16.06.2009




