Domes

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Robert Domes: Nebel im August. Die Lebensgeschichte des Ernst Lossa, München: cbt 2008, 352 Seiten, ISBN 978-3-570-30475-4, EUR 7,95. 

 

gelesen von Betül Erdin, 9. Klasse
Wernher von Braun Gymnasium, Friedberg

 

lesepunkte: ●●○○○

 


Das Buch „Nebel im August“ handelt von Ernst Lossa, der vom 1. November 1929 bis zum 9. August 1944 gelebt hat. Es ist in fünf Bücher aufgeteilt. Im ersten Buch wird Ernst Lossas Kindheit geschildert. Ernst ist das älteste von vier Kindern. Sein Vater heißt Christian, nach dem auch der Jüngste genannt wurde. Außerdem hat er noch zwei Schwestern, Amalie und Anna. Der Vater verdient das Geld mit Hausieren, weshalb die Lossas oft als „Zigeuner“ beschimpft werden. Sie bestreiten jedoch, Zigeuner zu sein, sondern sagen, dass sie „Jenische“ sind. Der Vater beschließt dann, dass das Hausieren für seine Familie zu gefährlich ist, weil in dieser Zeit Zigeuner als Abschaum bezeichnet werden und um das Leben fürchten müssen.

Christian Lossa begibt sich auf eine Reise und lässt seine Familie in Augsburg. Die Mutter und der kleine Christian sind sehr krank und die Wohnung, in der sie leben, ist alt, schmutzig und eng, und sie haben kaum etwas zu essen. Eines Tages wird Ernst ins Kinderheim Hochzoll, seine Geschwister in ein Augsburger Säuglingsheim und die Mutter in ein Krankenhaus gebracht. Im zweiten Buch wird das Leben von Ernst im Kinderheim, in dem er sieben Jahre lang lebt, geschildert. Während des ersten Jahres stirbt seine Mutter im Alter von nur 23 Jahren, zwei Jahre später sein Bruder Christian. Im gleichen Jahr werden Amelie und Anna von seinem Kinderheim aufgenommen. Ein Jahr später wird sein Vater in ein Konzentrationslager geschickt, aus dem er erst zwei Jahre später entlassen wird. Ernst geht in Augsburg in die Schule, aber er versteht sich nicht gut mit den Lehrern, weil er nur als „der Zigeuner“ angesehen wird. Er fängt zu stehlen an und wird dabei mehrmals erwischt. Jedes Mal verspricht er, damit aufzuhören, hält sein Versprechen aber nicht. Deshalb wird er am 15.02.1940 in das Erziehungsheim der „nationalsozialistischen Volkswohlfahrt“ nach Markt Indersdorf verlegt. Davon handelt das dritte Buch. 

Dort angekommen wird ein Gutachten über ihn angefertigt, in dem es heißt, dass er ein unverbesserlicher Psychopath sei. Sein Vater wird am 13. Oktober 1941 in Nürnberg festgenommen und in das Konzentrationslager Flossenbürg gebracht. Im vierten Buch wird Ernst von dem Erziehungsheim Indersdorf in die Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren gebracht, zunächst in die Kinder-, später in die Männerabteilung. Derweil stirbt sein Vater im KZ Flossenbürg, laut Auskunft des SS-Lagerarztes an Herzschwäche. Ein Jahr später wird Ernst in eine Nebenanstalt von Kaufbeuren gebracht, weil er wieder gestohlen hatte und sich mehrmals erwischen ließ. Es dauert nicht lange und er stiehlt auch dort wieder. Er kommt wieder nach Kaufbeuren, das die Lebensstation im fünften Buch ist. 

Er hat dort viele Freunde, die ihn aber auch manchmal als Zigeuner beschimpfen. Ernst ist auch den Pflegern ans Herz gewachsen, obwohl er immer noch stiehlt. Dann fällt Ernst auf, dass immer mehr Leute grundlos sterben und er bemerkt auch, dass Schwestern und Pfleger damit zu tun haben, weil Leute immer dann sterben, wenn ihnen vorher Tabletten gegeben wurden. Deshalb weigert er sich, Tabletten zu nehmen, und versucht auch, seine Freunde davon abzuhalten. Nachdem der Direktor gemerkt hat, dass Ernst das System verstanden hat, will er ihn töten lassen. Am 8. August 1944 versucht ein Pfleger, Ernst mit Gewalt Tabletten zu geben. Als er die Einnahme verweigert, verabreicht man ihm zwei Spritzen mit Morphium-Scopolamin. Einen Tag später stirbt Ernst an den Folgen der tödlichen Injektion.

Die klare Aufteilung des Buches, die sich an den wichtigsten Ereignissen orientiert, sorgt dafür, dass man sich gut zurechtfindet. Die letzten Seiten des Buches enthalten eine Zeittafel und ein Glossar. Das ist für das Verständnis sehr gut. Denn im Buch werden öfter Begriffe verwendet, die so nicht mehr genutzt werden. Diese kann man dann im Glossar nachschauen, die dort gut erklärt werden. In der Zeittafel sind die historischen Ereignisse und die Daten zum Leben von Ernst aufgelistet. Die Geschichte beruht auf einer wahren historischen Begebenheit und diente den Amerikanern als Beweis, dass in die Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren auch gesunde Menschen gebracht worden sind. Deshalb ist auch von Ernst Lossa soviel überliefert worden. 

Ich würde das Buch auf jeden Fall weiter empfehlen, vor allem an Jugendliche, die sich für die NS-Zeit interessieren. Jedoch sollte man bereits Wissen über die NS-Zeit mitbringen. Vieles wird im Glossar und in der Zeittafel erklärt, jedoch nicht so grundsätzlich, dass jemand, der über kein geschichtliches Wissen verfügt, das Buch versteht. Ich gebe diesem Buch zwei Lesepunkte. 

(Betreut von Carina Oettle) 

 

 

Empfohlene Zitierweise

Robert Domes: Nebel im August. Die Lebensgeschichte des Ernst Lossa, München: cbt 2008, 352 Seiten, ISBN 978-3-570-30475-4, EUR 7,95, gelesen von Betül Erdin. lesepunkte 4 (2009), Nr. 3, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/7001/

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Erstellt: 16.06.2009

Zuletzt geändert: 16.06.2009