Zusak_Schickel

  / lesepunkte.de / Archiv / Ausgaben / 2009/2

Markus Zusak: Die Bücherdiebin, München: cbj 2008, 592 Seiten, ISBN 978-3-570-13274-6, EUR 19,95. 

 

gelesen von Madlin Schulte, 9. Klasse
Katharinen-Gymnasium, Ingolstadt

 

lesepunkte: ●●●

 


Der Roman „Die Bücherdiebin“ von Markus Zusak spielt zur Zeit des Zweiten Weltkriegs in der Kleinstadt Molching bei München. Im Mittelpunkt steht Liesel Meminger, die Bücherdiebin. Sie ist neun Jahre alt, als sie von ihrer Mutter zusammen mit ihrem Bruder in eine Pflegefamilie in die Nähe von München gebracht wird, weil ihre Eltern als Kommunisten mit Verfolgung rechnen müssen. Auf der Zugfahrt dorthin stirbt der sechsjährige Bruder nach einem heftigen Hustenanfall. Bei der Beerdigung ihres Bruders verliert einer der Totengräber ein Buch, und Liesel nimmt es an sich. Mit diesem Buch und der Hilfe ihres Pflegevaters Hans Hubermann lernt Liesel lesen. Und fortan stiehlt sie Bücher, meistens aus der Bibliothek des Bürgermeisters. Als die Hubermanns den jüdischen Faustkämpfer Max Vandenburg bei sich im Keller verstecken, schließt Liesel mit diesem Freundschaft und verbringt viele Stunden mit ihm. Jedoch bedeutet dieses Geheimnis der Hubermanns eine beständige und große Gefahr für die Familie, da der junge Mann jederzeit entdeckt werden könnte.

Ungewöhnlich an diesem Buch ist zunächst, dass der Tod als Ich-Erzähler auftritt. Es ist jedoch ein recht menschlicher Tod, der dem alltäglichen Schrecken des Zweiten Weltkrieges mit einem Schuss Heiterkeit begegnet. Er greift dem Geschehen oft voraus, indem er zum Beispiel plötzlich über das Ende berichtet und dann wieder da einsteigt, wo er vor seinem kleinen Einschub aufgehört hat. Er ist nicht besonders erpicht darauf, den Lesern Dinge zu verschweigen, die sie sich sonst erst erklären könnten, wenn sie das Buch fertig gelesen haben. Das nimmt der Geschichte zwar ein wenig die Spannung, da einige Wendungen und Geschehnisse schon vorher genannt werden. Jedoch entstehen auch Rätsel, die den Leser dazu bringen, das Buch nicht mehr aus der Hand zu legen, weil er wissen möchte, was es mit diesen kleinen eingeschobenen Abschnitten jetzt genau auf sich hat. 

Das Buch ist auf jeden Fall empfehlenswert, da es dem Leser einen tiefen Einblick in das Leben der Menschen während des Zweiten Weltkrieges ermöglicht. Das Schicksal von Liesel berührt den Leser sehr, weil er im gesamten Buch immer an ihrer Seite steht und ihre Gefühle und Handlungen nachvollziehen kann. Man bewundert ihre Stärke, mit der sie das alltägliche Leben während des Krieges meistert, und wie sie sich trotz all des Schreckens immer wieder voller Energie in den nächsten Tag stürzt. Liesel nimmt die Tage so, wie sie kommen, und macht das Beste aus ihnen. Man wünscht sich innig, dass ihr diese Eigenschaft einen für sie glücklichen Ausgang der Geschichte beschert. 

Markus Zusak hat es geschafft, dass man das Schicksal der kleinen Liesel voller Anteilnahme verfolgt und immer wieder aufs Neue von den Auswirkungen des Krieges auf die Menschen erschüttert wird. Indem er die Geschehnisse sehr einfühlsam beschreibt, fesselt er die Leser. Insgesamt kann ich diesen Roman nur empfehlen, da er sowohl inhaltlich als auch sprachlich sehr gelungen und fesselnd ist.  

Als zusätzliche Ausstattung enthält das Buch zwei bebilderte Kurzgeschichten, die Max Vandenburg für seine kleine Freundin Liesel geschrieben hat. Da er allerdings während seiner Zeit im Keller kein Papier besaß, trennte er die Seiten aus dem Buch „Mein Kampf“ von Adolf Hitler heraus, das ihm zuvor zur Flucht zu den Hubermanns verholfen hatte. Er übermalte die Buchseiten mit weißer Farbe und konnte sie so benutzen, um seine eigenen Gedanken niederzuschreiben und zu bebildern. Das Ergebnis seiner tagelangen Arbeit in seinem Kellerversteck schenkte er schließlich Liesel. In „Die Bücherdiebin“ befinden sich diese Geschichten an den jeweiligen Handlungsstellen. Sie sind reich bebildert, und teilweise kann man die Worte von „Mein Kampf“ im Hintergrund ausmachen. Man hat also das Gefühl, man hielte die selbst geschriebenen Geschichten von Max Vandenburg tatsächlich in den Händen. Es ist schön, dass sie nicht bloß einfach abgetippt, sondern so gestaltet wurden, wie sich das Markus Zusak wohl vorgestellt hat, als er „Die Bücherdiebin“ verfasst hat.

(Betreut von Dr. Matthias Schickel) 

 

 

Empfohlene Zitierweise

Zusak Markus Die Bücherdiebin Schickel, in: historicum.net, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/8271/

Bitte setzen Sie beim Zitieren dieses Beitrags hinter der URL-Angabe in runden Klammern das Datum Ihres letzten Besuchs dieser Online-Adresse.



Erstellt: 14.04.2009

Zuletzt geändert: 14.04.2009