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Werner Weidenfeld: Europa leicht gemacht. Antworten für junge Europäer, München: Hanser Verlag 2008, 160 Seiten, ISBN 978-3-446-20988-6, EUR 14,90.
gelesen von Lena Eser, 9. Klasse
St. Bonaventura-Gymnasium, Dillingen an der Donau
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Im Buch „Europa leicht gemacht. Antworten für junge Europäer“ erklärt der Autor Werner Weidenfeld nicht nur herkömmlich Geschichte, Gegenwart und Zukunft der EU, sondern erläutert zunächst, welche Mitgestaltungschancen junge Menschen in Europa haben. Anschließend wird, wenn auch nur in Grundsätzen, die Gegenwart (unter anderem die aktuelle Jugendpolitik der EU) den Erwartungen der jungen Generation gegenüber gestellt.
Am Ende des Buches beschreibt Weidenfeld Zukunftsszenarien, die den Jugendlichen Wege und Möglichkeiten eröffnen, tatkräftig mit anzupacken. Zu denken, man könne nichts bewegen und mitbestimmen, gilt nicht – mitmachen ist angesagt!
Das ganze Buch ist sehr übersichtlich in fünf Kapitel gegliedert und lädt schon beim ersten Blick auf den Umschlag zum Lesen ein. Und das Werk hält auch, was es verspricht! Für jeden Jugendlichen oder auch Erwachsenen, der die Europäische Union mit allen Irrungen und Wirrungen besser verstehen will, ist die Lektüre wärmstens zu empfehlen.
Im ersten Kapitel mit der ansprechenden Überschrift „Einladung zum Mitmachen“ verfolgt Weidenfeld stets die Absicht, Jugendliche zum Nachdenken anzuregen und gibt konkrete Antworten auf grundlegende Fragen, wie z.B.: Wozu soll ich mich beteiligen? Wie greift die EU meine eigenen Interessen und Bedürfnisse auf? Wie kann ich mitreden und etwas bewegen? Wo kann ich mich informieren? Gleichzeitig wird deutlich gemacht, wie sehr die europäische Gesetzgebung immer stärker unseren Alltag mitbestimmt, wie etwa in den Bereichen Umweltschutz, Arbeitsmarkt, Weltwirtschaft oder bei der sozialen Sicherung eines jeden Bürgers.
Um die EU besser zu verstehen, sollte man zumindest über Grundkenntnisse über das Zusammenspiel der europäischen Einrichtungen und Entscheidungsprozesse verfügen. Dies wird dem Leser im zweiten Kapitel „Wie in der EU Entscheidungen fallen“ näher gebracht. Der Autor veranschaulicht auch kurz und präzise entscheidende Aufgaben und Arbeitsweisen der einzelnen Institutionen oder verschiedene Mitsprachemöglichkeiten einzelner Mitgliedsstaaten.
Im dritten Kapitel „Was erwarten junge Leute von Europa?“ erläutert der Autor anhand eines Wettbewerbes mit Schulklassen die Zukunftsszenarien und die Erwartungen Jugendlicher. Zentrale Bedürfnisse, die in der Mehrheit der Beiträge aufgegriffen wurden, werden hier ausgewertet und dienen dazu, den Leser zur Diskussion anzuregen. Das Themenspektrum reicht von „Zukunft der Arbeitswelt“, „Wirtschaftliche Entwicklung“ über „Umwelt und Ressourcen“, „Technologischer Wandel“ bis hin zu „Werte und Identität“ oder „Konflikte“. Wie in allen Kapiteln, geben Zitate von Jugendlichen die Möglichkeit, sich mit den Gedanken der Teilnehmer auseinander zu setzen und eigene Positionen zu entwickeln. Das ist äußerst hilfreich und interessant.
Einzelheiten über das grundlegende Thema „Wer sind wir Europäer?“ erfährt der Leser im vierten Kapitel. Die Entwicklung entsteht durch die Bindung an die Familie, an einen bestimmten geographischen Raum oder durch die Kultur. Keine Frage: Die Europäer sind durch gemeinsame kulturelle Grundlagen und politische Werte verbunden. Warum aber gehen der aktuelle Zustand und die eigentlichen Erwartungen oft so weit auseinander? Mit dieser Frage knüpft Weidenfeld an die Geschichte der einzelnen Mitgliedsstaaten und der EU an. Um die Wünsche des 21. Jahrhunderts zu erfüllen und die Herausforderungen zu meistern, ist es notwendig die europäische Gleichheit zu stärken. Das Bewusstsein von der Identitätsvielfalt, so der Autor, mache die politische Kultur Europas aus und solle als Chance für die junge Generation begriffen werden, eine erfolgreiche EU mitzugestalten. Mir persönlich hat in diesem Kapitel auch sehr gefallen, dass eine kleine Übersicht mit den Vorurteilen einiger Länder, anderen Staaten gegenüber abgedruckt ist, wo man dann auch absurde und lustige Sachen über diese Vorurteile wie z.B. „…laut, mit weißen Socken in Sandalen“ oder „chauvinistisch, ungehobelt, aggressiv, besoffen“ lesen kann. Das lockert diese ernstere Passage auf und zeigt, dass wir einander noch besser kennen lernen müssen.
Im fünften und letzten Kapitel mit der weitreichenden Überschrift „Neues Selbstbewusstsein? Szenarien für die EU der Zukunft“ will der Verfasser dem Leser nahe bringen, dass jede Gruppe, Gemeinde oder Nation ein „Wir-Gefühl“ braucht. Dies gilt auch für die EU, die aus Staaten besteht, die alle ihre eigene Geschichte und Traditionen haben. Daher ist es nicht einfach eine europäische Identität zu entwickeln, was für die Belastbarkeit des politischen Systems notwendig ist. Deshalb stellen Jugendliche fünf Szenarien, also mögliche Entwicklungen der Zukunft, dar, in denen letztendlich der Wunsch zum Ausdruck kommt, in einer vereinten und stabilen EU leben zu wollen. Darüber hinaus ziehen sie Schlussfolgerungen für ihr Handeln und kommen zu der Erkenntnis, dass Jugendliche aus anderen Ländern sehr ähnliche Bedürfnisse haben wie sie selbst.
Dieses ausführliche und anschaulich gestaltete Buch verhilft jedem jungen Europäer zum Verständnis des komplexen Systems „EU“. Aufgrund der umfangreichen Auflistung von Adressen verschiedenster Institutionen, Telefonnummern, Büchern, Methoden und Tipps lohnt sich für jeden EU-Interessierten, dieses Buch als Nachschlagewerk zu erwerben. Auch Zitate sowohl berühmter Leute als auch vieler Jugendlicher sind aufgelistet, was das Ganze aber manchmal umständlicher und unübersichtlicher macht, als es eigentlich sein sollte. Die fehlende Trennung zwischen den beiden Begriffen EU und Europa ist hie und da irritierend, berührt jedoch keineswegs die Absicht von Werner Weidenfeld: Europa, aber eigentlich die EU, leicht begreifbar zu machen und praktische Antworten für engagierte, europäische Jugendliche und Interessierte zu geben. Deshalb gebe ich diesem Buch verdiente vier von fünf Lesepunkten.
(Betreut von M. Theresia Wittemann, OSF.)
Empfohlene Zitierweise
Werner Weidenfeld: Europa leicht gemacht. Antworten für junge Europäer, München: Hanser Verlag 2008, 160 Seiten, ISBN 978-3-446-20988-6, EUR 14,90, gelesen von Lena Eser. lesepunkte 4 (2009), Nr. 2, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/6937/
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Erstellt: 14.04.2009
Zuletzt geändert: 14.04.2009




