Sax

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Aline Sax: In einem Leben wie diesem, Würzburg: Arena Verlag 2008, 320 Seiten, ISBN 978-3-401-06092-7, EUR 14,95. 

 

gelesen von Daniel Hektor, 10. Klasse
Gymnasium bei St.Anna, Augsburg

 

lesepunkte: ●●●●○

 


Amerika – das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Ein Land der Liebe, der Zukunft, der Sehnsüchte. Das Land der Vorurteile, der Unterdrückung und Diskriminierung. Amerika als Leitstern und als Endstation einer Traumwelt.

Amerika hat zwei Gesichter, wie das Leben selbst. In unserem Leben werden wir immer wieder vor die Wahl gestellt und, egal wie wir wählen, jede Möglichkeit hat ihre guten und schlechten Seiten. Aline Sax‘ erstes Buch „Eine Welt dazwischen“ endet mit einer Entscheidung. Ihr Folgeroman „In einem Leben wie diesem“ ist eine weitere Geschichte einer solchen Entscheidung. 

Der Protagonist Adrian lebt mit seinem festen Freund Jack und zwei weiteren Freunden, French und JoAnne, zusammen. Mit French arbeitet Adrian in einer Bar, deren Gäste hauptsächlich aus der homosexuellen Szene New Yorks stammen. Eines Tages beschließt Robert, der Besitzer der Bar, diese gemeinsam mit seinen Freunden in ein stadtbekanntes und schöneres Lokal namens „The Fancy Cat“ zu verwandeln. Das Geld für die Renovierungen leiht sich Casey, ein weiterer Mitarbeiter der Gaststätte, von einem fremden Gönner, dem er das Geld seinerseits durch seinen reichen Freund Harwood zurückzahlen will. 

Doch Harwood wird wegen seiner Beziehung zu einem minderjährigen Jungen urplötzlich verhaftet und kann Casey somit nicht mehr unterstützen. Dieser jedoch braucht dringend Geld, um seinen geheimnisvollen Finanzier zu bezahlen. Als dies nicht gelingt, erkennen die Freunde erst viel zu spät, auf welchen Handel sie sich dabei eingelassen haben: Casey wird von seinen Gläubigern ermordet. Auf diese erste Warnung hin folgt ein Drohbrief: Die Besitzer der Bar sollen binnen drei Monaten 1200 Dollar an Caseys Mörder und Gläubiger zahlen – für die damaligen Verhältnisse ein unglaubliches Vermögen. 

Doch letzten Endes ist es nicht die Beschaffung des Geldes, die die Freunde ins Unglück stürzt. Denn French kann seine Rache nicht vergessen. Als er herausfindet, wer Casey umgebracht hat, folgt er dem Mörder und bringt diesen um – eine folgenschwere Handlung, denn der Ermordete war ein Mitglied der Pellucci-Familie, die im damaligen New York der heutigen Mafia entsprechen. Die Konsequenzen folgen promt: Die Bar „The Fancy Cat“ und somit alles, worauf Adrian und seine Freunde hingearbeitet haben, wird in Brand gesteckt. 

Adrian, Jack, French und JoAnne fliehen und müssen, da die Pelluccis ihre Wohnung überwachen, in einem kleinen Speicher unterkommen. In dem viel zu kleinen Raum und durch die ständige Gefahr werden die Probleme unter den Freunden immer deutlich sichtbarer. JoAnne fühlt sich ausgeschlossen, da French und Jack oftmals alleine losziehen, um Geld zu beschaffen, während Adrian nicht ertragen kann, dass Jack seinen Körper an andere Männer verkauft, um Geld zu verdienen. Als JoAnne schließlich resigniert und Adrian sich durch die Gewaltbereitschaft seiner Freunde abgestoßen fühlt, spitzen sich die Konflikte zwischen den drei Freunden zu, bis sie schließlich zu ihrem Höhepunkt geraten: Robert, der Leiter von „The Cat“, wurde von den Pelluccis gefangen genommen – als Austausch für die Geisel verlangen sie French. Zu diesem Zeitpunkt erkennt Adrian schließlich, wie sehr die letzten Ereignisse seine Beziehung und seine Freunde selbst verändert haben, und trifft eine Entscheidung.

Aline Sax vereinigt in ihrem Buch „In einem Leben wie diesem“ viele verschiedene Thematiken. Offensichtliche Inhalte sind natürlich das Leben in den Vereinigten Staaten während des frühen zwanzigsten Jahrhunderts, aber auch Homosexualität, Diskriminierung und Akzeptanz in der Gesellschaft und nicht zuletzt die Liebe. Die Autorin hat sich dabei jedoch bewusst von dem Motiv des „American Dream“ aus ihrem ersten Buch gelöst und in dem zweiten Band der Reihe nicht die Träume, die durch die Umwelt und durch äußere Einflüsse zerstört werden, sondern die Träume, die der Mensch sich selbst zerstört, in den Mittelpunkt gestellt. Dies ist ausgesprochen überzeugend gelungen, da sich dadurch die Fortsetzung vom ersten Band unterscheidet, aber auch genügend Parallelen liefert, um an den ersten Roman anzuknüpfen. Denn beide Geschichten verbindet der gleiche Grundgedanke: Auch in Aline Sax‘ neuem Buch wird der Protagonist am Ende genau wie im ersten Band vor eine Entscheidung gestellt, während er die ganze Geschichte hindurch noch die Folgen seiner früheren Entscheidungen zu tragen hat. 

Ein weiteres sehr gut umgesetztes Motiv ist der Zusammenhalt der Gruppe und der zunehmende Hass und die sich steigernde Brutalität gegen Feindbilder, aber am Ende auch gegen alle Personen, die sich nicht mit der eigenen Gruppe identifizieren können. French, der beispielsweise sein ganzes Leben lang zu einer unterdrückten und nach Belieben misshandelten Gruppe von Menschen gehörte, genießt es, mit einer verschworenen kleinen Gemeinschaft Verbrechen auszuüben und Macht über andere Leute zu haben. Dieses Thema kann mitunter am besten überzeugen, vermutlich weil man es in diesem Buch nicht erwartet hätte. 

Der Sprachstil ist einfach, aber nicht zu hölzern, sodass das Buch sehr leicht zu lesen ist, aber nicht langweilt. Hin und wieder findet man auch englische Gedichte, für die Adrian und French eine Leidenschaft hegen und die geschickt an einigen Stellen der Geschichte einfügt werden. 

Allerdings wurde das Buch gerade durch die einfache Sprache und das ab und zu eindeutige Zusteuern auf ein kurzzeitiges Happy End für manche Momente zu einer flachen, klischeehaften Liebesgeschichte. Da das vorzeitige gute Ende aber schnell von anderen Ereignissen überschattet wird, steht dieser Umstand vielleicht nur allegorisch für Wünsche, die man sich, auch wenn man schon am vermeintlichen Ziel angekommen ist, beängstigend schnell selbst zunichte machen kann. 

Das empfehlenswerte Buch „In einem Leben wie diesem“ führt den Leser fesselnd in Adrians Amerika und in eine Welt der Träume, Liebe und Ängste. Es ist eine sehr schöne, durchdachte und ansprechende Geschichte, die viele verschiedene Aspekte vereinigt. Gerade diese Mischung macht den Charakter des Buches aus. Andererseits können manche Themenbereiche dadurch auch nur kurz angesprochen werden, was für manche Leser sicherlich störend wirken kann. Deshalb verleihe ich dem Roman vier von fünf Lesepunkten.  

(Betreut von Dr. Claudia Weiser) 

 

 

Empfohlene Zitierweise

Aline Sax: In einem Leben wie diesem, Würzburg: Arena Verlag 2008, 320 Seiten, ISBN 978-3-401-06092-7, EUR 14,95, gelesen von Daniel Hektor. lesepunkte 4 (2009), Nr. 2, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/6929/

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Erstellt: 14.04.2009

Zuletzt geändert: 14.04.2009