Hosseini

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Khaled Hosseini: Drachenläufer, Berlin: BvT Berliner Taschenbuchverlag 2007, 386 Seiten, ISBN 978-3-8333-0149-0, EUR 10,50. 

 

gelesen von David Helten, 10. Klasse
Integrierte Gesamtschule Paffrath, Bergisch Gladbach

 

lesepunkte: ●●●●●

 


Der Roman „Drachenläufer“ des afghanisch-amerikanischen Autors Khaled Hosseini erschien 2003 als Originalausgabe „The Kite Runner“. Er ist ein weltweiter Bestseller und in einer der neueren deutschen Auflagen ist Zusatzmaterial enthalten wie z.B. Karten, ein Abriss der Geschichte Afganistans und ein Interview mit dem Autor. 2007 wurde der Roman schließlich auch verfilmt.

 

Er spielt zwischen 1975 und 2001 und handelt von Amir, dem Sohn eines großbürgerlichen Patschunen, den eine starke Freundschaft mit seinem Diener Hassan verbindet. Sie sind allerdings nur Freunde, wenn Amir es will, ansonsten ist Hassan nur der Sohn des Dieners. Der einfühlsame Hassan gehört zu den Hazara, einer zu dieser Zeit unterdrückten Volksgruppe in Afghanistan. Doch trotz der gemeinen Sticheleien von Amir vertraut Hassan ihm und ist ihm bedingungslos ergeben.  

Beide haben eine große Leidenschaft für das Drachensteigen, jedes Jahr im Winter wird darin ein Turnier in den Kabuler Stadtvierteln veranstaltet. Im Jahr 1975 wird ein besonders großes Turnier veranstaltet. Dort möchte Amir seinem Vater endlich etwas beweisen, um die Liebe zu erhalten, die er sich wünscht. Er glaubt nämlich, dass dieser ihn für den Tod der Mutter, die bei der Geburt gestorben ist, verantwortlich macht. 

Hassan erkämpft für Amir den vollständigen Triumph – den Drachen. Aber nach dieser Aktion wird er von Assef, einem stärkeren Jungen, in einer Gasse gedemütigt und schließlich vergewaltigt. Amir, der Hassan hinterhergelaufen war, schaut aus seinem Versteck zu, ohne in irgendeiner Weise zu helfen. Und damit nimmt das Schicksal seinen Lauf. Amir bekommt weitere Chancen, um sein Versagen wieder gutzumachen; doch er greift nie ein, bezieht nie Stellung – versinkt aber schließlich in einer Art Schuldgefühl. 

Aufgrund der politischen Veränderungen in Afghanistan flüchtet Amir mit seinem Vater nach Amerika. Dort angekommen, versuchen sie ein neues Leben aufzubauen. Amir studiert und wird schließlich Buchautor. Auf Flohmärkten, bei denen er und sein Vater sich etwas dazuverdienen wollen, lernt Amir Soraya kennen und heiratet sie. Amirs Vater stirbt kurz nach der Hochzeit. Die glückliche Ehe hilf Amir dies zu verkraften. Eines Tages ruft Rahim Kahn an, ein sehr guter Freund von Hassan, der ihm in der Kindheit wie eine Art zweiter Vater war. Er sagt, dass Amir unbedingt nach Afghanistan zurückkehren müsse, um Hassan zu helfen. Dies ist seine Chance, all das, was er versäumt hat, den Verrat, den er an seinem „Freund“ begangen hat, wieder gutzumachen. 

Amir tut dies und kehrt in ein völlig verändertes Afghanistan zurück. In dieser zerschossenen Heimat fühlt sich Amir wie ein Tourist. Er erfährt schließlich, dass Hassan, der niedergeschossen wurde, sein Halbruder ist. Damit wird dem Leser klar, weshalb sein Vater Hassan immer recht „wohlwollend“ gesehen hat. Amir macht sich auf den Weg, um Hassans Sohn Suhrab zu retten. Dieser wird bei dem nun erwachsenen Assef, einem Talibanführer, grausam als „Spielzeug“ gehalten. Diesmal wird auch Amir von Assef gedemütigt und  zusammengeschlagen. Er schafft es, wenn auch schwer verletzt, Suhrab aus der Gewalt von Assef zu befreien. Er möchte ihn mit nach Amerika nehmen, um ihn zu adoptieren, falls Soraya zustimmt.

Nach einigen Schwierigkeiten mit den Behörden kommen sie in Amerika an. Suhrab ist ein verwirrtes, schwieriges Kind. Doch es gibt Hoffnung, Hoffnung, dass das Eis schmilzt und er ein vielleicht fast normales Kind werden kann. 

Das Thema Schuld, verdeutlicht an der Schuld, die Amir wie auch sein Vater auf sich geladen haben, spielt in „Drachenläufer“ eine große Rolle. Dass man sie nicht begraben kann und was für Entwicklungen Feigheit in bestimmten Momenten auslöst, zeigt das Buch auf eine spannende Art und Weise.  

Ein weiteres Thema sind die historischen Hintergründe und politischen Wechsel des Lebens in Afghanistan. Die Informationen, die wir heute durch alle Arten von Medien bekommen, sind oft einseitig, und wenn man sich nicht intensiver damit beschäftigt, bekommt man meist ein falsches Bild. Das Buch zeigt den Wandel, sowohl die friedlichen wie auch die kriegerischen Zeiten, und regt an, sich vielleicht mehr damit zu beschäftigen. 

Außerdem bekommt man einen Einblick in die fremde Kultur und Natur. In die Welt der Bazare, in die Tradition des Drachensteigens und in einen Familienzusammenhalt, welcher auch im fernen Amerika noch weiterlebt. Diese Einblicke erfährt man direkt aus erster Hand vom Autor, der sicher auch einige autobiographische Eindrücke seiner Kindheit mit in das Buch einfließen ließ. 

Dass häufig Wörter in Fremdsprache geschrieben sind, ist nicht störend, da diese auch sofort übersetzt werden, bereits vorgestellt wurden oder im Sinnzusammenhang nachvollziehbar sind.  

Für ungeduldige Leser, die Spannung brauchen, dürfte der Anfang und einige andere Passagen durch die aufwendigen Beschreibungen vielleicht etwas zäh sein. Doch Leser, die auch Beschreibungen von Verhältnissen bzw. Lebenssituationen verstehen wollen, werden diesen Teil wie auch den Rest des Buches verschlingen. Das Buch würde ich erst ab 14 empfehlen, da die Schreibweise und das Thema für Jüngere nicht unbedingt ansprechend bzw. nachvollziehbar ist.  

Ich gebe dem Buch ganze 5 Lesepunkte, weil es informiert und aufklärt über eine Situation, die in Afghanistan herrschte bzw. noch herrscht. Man sollte es auch lesen, weil unsere Bundeswehr dort ist – aber mit welchem Auftrag? Diese Frage muss man sich stellen, ob man das Buch gelesen hat oder nicht. Darüber hinaus regt „Drachenläufer“ zum Nachdenken an, ob man selber nicht schon in Situationen war, in denen man feige gehandelt hat, obwohl man mutiger hätte seien können. Amir hat es sehr spät begriffen, jedoch nicht zu spät. 

(Betreut von Kurt Naulin) 

 

 

Empfohlene Zitierweise

Hosseini Khaled Drachenläufer, in: historicum.net, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/8299/

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Erstellt: 14.04.2009

Zuletzt geändert: 14.04.2009