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Nina Blazon: Katharina, Ravensburg: Ravensburger Buchverlag 2008, 448 Seiten, ISBN 978-3-473-58274-7, EUR 7,95.
gelesen von Isabel Weigl, 10. Klasse
Gymnasium bei St.Anna, Augsburg
lesepunkte: ●●●○○

„Bisher kanntet ihr alle nur die gehorsame Gemahlin. Ein Mädchen, das alles dafür tat, der Kaiserin und ihrem Gemahl zu gefallen. Aber das wird sich ändern. Ihr alle werdet bald eine ganz andere Katharina kennen lernen. Denn selbst wenn ich an Peters Seite bleiben sollte, ist die eigentliche Frage immer noch die: Will ich nur die Frau des Zaren sein, oder wäre uns allen nicht viel mehr gedient, wenn ich selbst regieren würde?[…] Darum frage ich dich jetzt, Valentina. Wenn … ich statt seiner auf dem Thron von Russland säße – würdest du mir dienen? Und noch mehr: Würdest du mir dabei helfen, diesen Plan durchzusetzen, wenn die Zeit dazu gekommen ist?“
Das Buch „Katharina“ beginnt 1754, noch regiert Zarin Elisabeth das russische Reich. In diesem Jahr gebärt Großfürstin Katharina den Thronerben Paul, doch sie sieht ihren Sohn nicht einmal, kränkelnd und allein wird sie zurückgelassen. Die ruhige, in sich gekehrte Hofdame Valentina nimmt sich der Großfürstin an und befreundet sich schon bald mit ihr.
Blenden wir im gleichen Jahr über nach Sibirien: Das Samojeden-Mädchen (wörtlich: Selbst-Esser) Nandu wird mit ihrem jüngeren Bruder von Jägern gefangen genommen. Dabei wird ihre Großmutter getötet. In Sankt Petersburg werden die „Menschenfresser“ schließlich an den Großfürsten Peter, Katharinas Ehemann, verkauft.
Dort trifft der junge Dima zum ersten Mal auf Valentina und die „Menschenfresser“. Sein Wunsch ist es Soldat zu werden, doch stattdessen muss er auf Banketten als Tänzer auftreten und wird dort auch mit den wilden Samojeden-Kindern konfrontiert. Er flüchtet geschockt.
Drei Jahre später. Nandu wurde mittlerweile „kultiviert“ und hat nun den Namen Sinaida bekommen, trotzdem schwört Nandu immer noch auf Rache an dem Jäger, der sie und ihren Bruder damals gefangen genommen hat.
Katharina mischt sich trotz des Verbots der Zarin im Geheimen in den Krieg zwischen Preußen und Russland ein, versucht das Militär auf ihre Seite zu ziehen und Verbündete zu gewinnen. Valentina steht ihr als Freundin, Verbündete, Botin und Beraterin bei. Doch die Zeiten sind gefährlich. Obwohl die Zarin von einem Schlaganfall geschwächt ist, hält sie sich tapfer am Leben und bemüht sich darum, die Verräter in Politik und Militär ausfindig zumachen. Zu Katharinas und Valentinas Glück steht ihnen das geheimnisvolle Mädchen Sinaida gegen kleine Gegenleistungen als Spionin und Helferin zu Diensten. Dima wird beim Militär in der Kavallerie ausgebildet. Den Bruder seines Freundes Alexej begleitet er zum Palast der Zarin, als dieser seine Geliebte besuchen will.
Dass Grigorijs Geliebte die Großfürstin Russlands ist, erfährt er allerdings erst zu spät, als er schon längst im Vorzimmer der Gemächer Katharinas steht. Mit Sinaida hält er widerwillig Wache vor Katharinas Zimmer, um die Verliebten rechtzeitig vor Gefahr warnen zu können.
Nach und nach verlieben sich auch Dima und Sinaida ineinander, wobei Sinaida ihr früheres Leben und ihren Wunsch auf Rache an dem Jäger vor Dima verbirgt. Gemeinsam wollen sie nach dem Umsturz durch Russland reisen.
1762 wird Großfürst Peter nach dem Tod der Zarin zum neuen Zaren Russlands gekrönt, sorgt aber dafür, dass seine Gemahlin keine Macht erhält. Sofort zieht er die Soldaten aus Preußen zurück und beginnt neue Kriege zu planen, diesmal gegen die Feinde Preußens. Um die Armee zu finanzieren, enteignet er die Kirche und zieht so den Hass des russischen Volks und Adels auf sich. Nun ist für Katharina die Zeit gekommen, Militär und Bürger auf ihre Seite zu ziehen, um ihren Ehemann vom Thron stürzen zu können. Der lang vorbereitete Plan wird umgesetzt.
Das Buch ist in vier Teile gegliedert, zwischen denen es immer kleine Zeitsprünge gibt. Die Geschichte rund um Katharina die Große wird aus der Sicht von Valentina, Dima und Sinaida erzählt.
Dabei ist der historische Hindergrund mit den Erlebnissen der (fiktiven) Hauptpersonen eng verwoben. Man erfährt viel über das Leben der verschiedenen Schichten in Russland, und es wird gut dargestellt, wie gefährlich es in diesen Zeiten war, Verbündete auf seine Seite zu ziehen und den Plan Katharinas vor Peter und Zarin Elisabeth geheim zuhalten.
Besonders gefallen hat mir die Figur der Nandu/Sinaida , da sich in ihr zwei vollkommen verschiedene Personen vereinen und sie so sehr gespalten dargestellt wird: Zum einen ist da die liebende und ruhige Sinaida, zum anderen die wilde und rachedürstende Nandu, die sich immer wieder in Sinaidas Kopf schleicht, um sie an ihren Plan zu erinnern.
Das Buch ist schnell und flüssig zu lesen, da eine einfache Sprache verwendet wird. Es hat keine großen Durchhänger und wird am Ende sehr spannend. Für Leser meines Alters ist das Buch allerdings nicht mehr geeignet, genauso wenig für Jungen, wie ich glaube.
Nina Blazon lässt ihre Geschichte manchmal leider in Kitsch abgleiten, was auf mich öfters wie „Klein-Mädchenträumereien“ wirkt, so zum Beispiel in der Beschreibung der Liebe zwischen Dima und Sinaida, der unglücklichen Liebe Valentinas und der Freundschaft zwischen Valentina und Katharina.
Auch hat die Autorin einige kleine geschichtliche Tatsachen verändert, um ihre Figuren in die Handlung einbinden zu können, wie sie selbst im Nachwort schreibt. Mir persönlich ging es dann so, dass für mich die Glaubwürdigkeit der Geschichte zum Teil in Frage gestellt wurde. Ich habe mich oft gefragt, ob das jetzt eine Tatsache ist oder ob Nina Blazon ein bisschen „getrickst“ hat.
Aber für 11- bis 14-Jährige (Mädchen), die Spaß am Lesen haben wollen und nebenbei auch noch ein bisschen etwas über die Geschichte rund um Katharina die Große erfahren wollen, ist „Katharina“ auf jeden Fall zu empfehlen.
(Betreut von Dr. Claudia Weiser)
Empfohlene Zitierweise
Nina Blazon: Katharina, Ravensburg: Ravensburger Buchverlag 2008, 448 Seiten, ISBN 978-3-473-58274-7, EUR 7,95, gelesen von Isabel Weigl. lesepunkte 4 (2009), Nr. 2, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/6915/
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Erstellt: 14.04.2009
Zuletzt geändert: 14.04.2009




