Harvey

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Gill Harvey: Meryt-Re. Tochter der Sonne, Berlin: Bloomsbury 2007, 304 Seiten, ISBN 978-3-827-05081-6, EUR 14,90. 

 

gelesen von Carola Kaiser, 9. Klasse
Liebfrauenschule, Köln

 

lesepunkte: ●●●●○

 


„Meryt-Re Tochter der Sonne“ heißt der historische Roman von Gill Harvey und spielt im Alten Ägypten. Die Geschichte der Meryt-Re ist erfunden, doch den Ort der Handlung, das Dorf Set Maat, gab es wirklich, nur heißt er heute Deir el-Medineh und liegt gar nicht weit entfernt von der Grabstätte des berühmten Pharao Tutanchamun.

Die Hauptperson ist das 13-jährige Waisenmädchen Meryt-Re, das seit seinem zweiten Lebensjahr bei seinem Onkel Senmut und seiner Tante Tia lebt. Doch Meryt-Re ist kein normales Mädchen, sie hat die Fähigkeit, den Tod und andere schlimme Sachen wie Verbrechen oder Krankheiten durch Träume vorauszusehen. Viele Dorfbewohner munkeln, dass sie unter dem Fluch der Göttin Sekhmet steht, der finsteren Göttin des Krieges, der Zerstörung und Krankheiten. Schließlich beschließt Senmut seine Nichte Meryt-Re mit dem Steinmetz Ramose zu verheiraten, doch Meryt-Re widersetzt sich. 

Kurze Zeit später sieht sie in einem schrecklichen Traum ihren Cousin Baki. Dieser wird tatsächlich bald darauf sterbenskrank. Der ohnehin schon verärgerte Senmut beschuldigt Meryt-Re, dass sie seinen Sohn verflucht habe. Er wirft sie aus dem Haus. Meryt-Re wird von Angst, Verzweiflung und Schuldgefühlen geplagt, ihre Probleme spitzen sich zu. Sie erfährt auf Umwegen niederschmetternde Tatsachen über ihren verstorbenen Vater und auch über ihre Tante Tia, die ihr Leben bisher geprägt haben. Außerdem beschäftigen sie ganz natürliche Schwierigkeiten wie Liebe und  Eifersucht.

Schließlich kommt Meryt-Re bei ihrer wohlhabenden Freundin Dedi unter, doch ihre Probleme holen sie auch hier wieder ein. Erneut ist Meryt-Re mit den Anschuldigungen der Leute konfrontiert, die ihr vorwerfen, unter einem bösen Fluch zu stehen. Glücklicherweise stößt sie bald auf Teti, eine alte weise Frau, die etwas außerhalb des Dorfes lebt. Teti macht Meryt-Re mit ihrer Gabe vertraut, Träume zu sehen. Dadurch sieht Meryt-Re nun die Chance, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Sie fängt an, ihre außergewöhnliche Fähigkeit positiv zu nutzen und so auch anderen Leuten zu helfen. Die unerwünschte Hochzeit mit Ramose findet nicht statt und mit ein bisschen Glück gelingt es Meryt-Re auch, die anderen Probleme zum Guten zu wenden. 

Mir hat dieses Buch sehr gefallen, da man als Leser langsam in die Zeit des Alten Ägypten eingeführt wird. Die Landschaften und Personen werden ohne viele Erklärungen zum Leben erweckt. Der Leser erfährt, wie ägyptische Dorfbewohner arbeiten mussten, was sie aßen und wie sie lebten. Man kann sich die damaligen Lebensverhältnisse gut vorstellen, zumal Personen aus den unterschiedlichsten sozialen Schichten auftauchen. Auch die ägyptische Religion spielt eine große Rolle. Oft werden neue Götter und Göttinnen vorgestellt, was den Roman noch echter wirken lässt. Sehr ansprechend ist die realistische wörtliche Rede, die den Text auflockert. Ebenso werden die Gefühle, Ängste und Wünsche von Meryt-Re anschaulich dargestellt. 

Das Buch hat nur einen Erzählstrang, nämlich die Sicht von Meryt-Re. So ist das Buch auf der einen Seite sehr simpel geschrieben und der Handlungszusammenhang ist gut nachvollziehbar. Man möchte wissen, wie es mit Meryt-Re weitergeht und kann sich gut mit ihr identifizieren. Auf diese Weise gelingt es Gill Harvey einen gewissen Spannungsbogen aufzubauen. Doch auf der anderen Seite glaube ich, dass sich nicht jeder Jugendliche davon fesseln lässt. Man muss sich also schon auf die einfache Erzählweise des Buches einlassen. 

Insgesamt hat es mir sehr viel Spaß gemacht, das Buch zu lesen. Die Geschichte der Meryt-Re ist realistisch dargestellt und ich konnte mich immer sehr gut in die verschiedenen Situationen hineinversetzen. Sehr hilfreich waren auch das ausführliche Glossar und die zwei Karten des Dorfes Set Maat. Ich gebe diesem Buch 4 von 5 Lesepunkten. 

(Betreut von Karin Kasprowicz) 

 

 

Empfohlene Zitierweise

Gill Harvey: Meryt-Re. Tochter der Sonne, Berlin: Bloomsbury 2007, 304 Seiten, ISBN 978-3-827-05081-6, EUR 14,90, gelesen von Carola Kaiser. lesepunkte 4 (2009), Nr. 1, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/6815/

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Erstellt: 16.02.2009

Zuletzt geändert: 16.02.2009