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Ingeborg Gleichauf: Sein wie keine andere. Simone de Beauvoir: Schriftstellerin und Philosophin, München: dtv (Reihe Hanser) 2007, 300 Seiten, ISBN 978-3-423-62324-7, EUR 8,95.
gelesen von Maren Uhle, 12. Klasse
Liebfrauenschule Köln
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Simone de Beauvoir ist ein Name, der für zahlreiche Aspekte steht – für den Existenzialismus, für die Frauenbewegung des letzten Jahrhunderts, für ein neues, freies Denken und Leben und nicht zuletzt für etliche bedeutende schriftstellerische Werke. Ingeborg Gleichauf hat sich mit ihrem Buch „Sein wie keine andere. Simone de Beauvoir: Schriftstellerin und Philosophin“ dieser faszinierenden Person in all ihren Facetten genähert und detailreich deren außergewöhnliches, sehr bewegtes Leben erzählt.
Als brave Tochter einer bourgeoisen Familie verspürt Beauvoir schon in frühen Jugendjahren den Wunsch, den Dingen auf den Grund zu gehen, sich von den festgefahrenen, konservativen Strukturen, in denen sie aufwächst, zu befreien und einen eigenen Weg für sich zu finden. Als Studentin lernt Beauvoir dann Sartre kennen und findet in ihm einen Seelenverwandten, mit dem sie Gedanken austauschen und rege diskutieren kann. Als Paar schlagen sie einen unkonventionellen Lebensweg ein, welcher durch eine Art Pakt der beiden, von dem Wunsch nach Selbstverwirklichung besessenen Schriftstellern gesichert ist. Dieser Pakt lässt sämtliche Freiheiten, bis hin zu anderen Liebschaften, zu und beinhaltet doch das Versprechen, sich ein Leben lang zu begleiten und sich nie emotional voneinander zu entfernen.
Die Geschichte von Beauvoir ist die Geschichte einer überaus starken Frau, deren Weg durch freizügige Affären, öffentliche Erfolge und das ständige Streben danach, die Dinge zu beobachten und zu begreifen, geprägt ist. Dahinter stehen immer die Passion des Schreibens, der feste Wille mit Rückschlägen fertig zu werden und die Begierde, Erlebtes schriftstellerisch umzusetzen und niemals aufzugeben.
Gleichauf erzählt dieses beeindruckende Leben sehr detailliert, aber in einfachen Worten. So könnte manchen Leser die Informationsdichte anfangs etwas ermüden, jedoch lohnt es sich in jedem Fall sich darauf einzulassen, ermöglichen doch zahlreiche eingeflochtene Zitate sowie Erläuterungen zu Buchinhalten und Ansichten Beauvoirs ein wirkliches Näherkommen an die Schriftstellerin und Philosophin und ihren Umgang mit dem, was um sie herum geschieht. Dabei wirken auch die analysierenden Ansätze von Gleichauf in Hinblick auf Beauvoirs Person und ihre Empfindungen stets plausibel, werden sie doch immer durch Zitate von Beauvoir oder ihr nahestehenden Personen gestützt. Bei der Erklärung politischer Hintergründe kommt dem Buch der simple Schreibstil, welcher an anderen Stellen sehr einfach bis hin zu leicht umgangssprachlich erscheint, zu Gute. Verständlich und klar werden politische Vorgänge umrissen, die Reaktionen der Protagonistin Beauvoir beobachtet, sowie ihr Engagement als auch das ihres Lebenspartners Sartre erläutert.
In neun Großkapitel, welche inhaltlich den Lebensabschnitten Beauvoirs entsprechen, ist das Buch so unterteilt, dass dem Leser das Eintreten in neue Phasen und die Veränderungen in Beauvoirs Leben deutlich gemacht werden. So begleitet man diese beeindruckende Frau durch ihr Leben, erfährt ihre Erfolge, ihre Rückschläge und ihr Trotzen wider letztere. Dabei zeigt das Buch immer wieder Fotografien, meist von ihr oder Freunden. So wird dem Leser ein Verstehen Beauvoirs und ein Eintauchen in ihre Gedankenwelt ermöglicht.
An einigen Stellen jedoch wirkt es sehr offensichtlich, dass Gleichauf ihre Beobachtungen zu Beauvoir von einem sehr einseitig symphatisierendem und etwas unkritischen Standpunkt her anstellt. So werden ihre Schwächen und Fehler zwar stets angesprochen, aber es wird immer nur recht oberflächlich auf diese eingegangen und sie wirken an einigen Stellen sogar leicht beschönigt.
Dennoch empfehle ich das Buch in jedem Fall weiter, da man wirklich das Gefühl hat, im Lesen der Persönlichkeit Beauvoirs begegnen zu können. Und mit diesem Begegnen geht ebenfalls ein größeres Verständnis für Simone de Beauvoirs Werke einher. So sieht man viele Publikationen aus einem anderen, umfassenderen Blickwinkel, wenn man weiß, in welchen Lebenssituationen sie niedergeschrieben und von welchen Erlebnissen sie inspiriert wurden. So sagt auch Ingeborg Gleichauf selbst am Ende dieser Biographie: „Man kann eine Frau kennenlernen, deren gesamtes Werk nur in Verbindung mit ihrem Leben verstanden werden kann und deren Leben ohne ihr Werk ebenfalls unverständlich bleibt.“ Die Biographie Beauvoirs von Ingeborg Gleichauf ist eine Ermutigung für jeden – eine Ermutigung die Entschlossenheit zu haben, selbst zu schreiben, aber auch generell seinen eigenen Weg zu finden. Entgegen der Gewohnheit und der Konvention, im Vertrauen darauf, dass man sein Ziel erreichen kann. Drei Lesepunkte – gutes Buch.
(Betreut von Karin Kasprowicz)
Empfohlene Zitierweise
Ingeborg Gleichauf: Sein wie keine andere. Simone de Beauvoir: Schriftstellerin und Philosophin, München: dtv (Reihe Hanser) 2007, 300 Seiten, ISBN 978-3-423-62324-7, EUR 8,95, gelesen von Maren Uhle. lesepunkte 3 (2008), Nr. 6, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/6661/
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Erstellt: 15.12.2008
Zuletzt geändert: 15.12.2008




