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Morton Rhue: Die Welle. Bericht über einen Unterrichtsversuch, der zu weit ging, Ravensburg: Ravensburger Buchverlag 2008 (Neuauflage), 186 Seiten, ISBN 978-3-473-58008-8, EUR 5,95.
gelesen von Matthias Oberfrank, 9. Klasse
Wernher-von-Braun-Gymnasium Friedberg
lesepunkte: ●●●●○

„Dieser Roman ist eines der erfolgreichsten Taschenbücher überhaupt.“ So schrieb die Frankfurter Allgemeine Zeitung einmal über das Buch „Die Welle“ von Morton Rhue, laut Untertitel der „Bericht über einen Unterrichtsversuch, der zu weit ging“. Es geht um das Thema Nationalsozialismus und Faschismus, wenn auch die Handlung zur heutigen Zeit an einer amerikanischen Highschool spielt, beruhend auf einer wahren Begebenheit.
Der Geschichtslehrer Ben Ross nimmt mit seiner Klasse die Zeit der NS-Herrschaft in Deutschland durch, als der Gedanke auftaucht, ob sich jene Geschehnisse wiederholen könnten. Ben Ross will herausfinden, wie leicht Faschismus in seiner Klasse entstehen kann. Nach und nach hämmert er seinen Schülern die Grundsätze „Macht durch Disziplin!“, „Macht durch Gemeinschaft!“ und „Macht durch Handeln!“ ein, die die Grundlage für die Bewegung „Die Welle“ darstellen. Jeder, der der „Welle“ beitritt, ist Teil einer Gemeinschaft, in der alle gleich sind und in der es bestimmte Regeln gibt, die jeder zu befolgen hat.
Viele Schüler machen begeistert mit und führen die „Befehle“ ihres Lehrers bedingungslos aus, darunter auch der Außenseiter Robert, der in der „Welle“ seine große Chance auf Anerkennung sieht, und nur wenige haben Zweifel, wie die Schülerzeitungsredakteurin Laurie Saunders. „Die Welle“ ergreift die ganze Schule. Auf einmal werden Schüler, die nicht mitmachen wollen, bedroht und eingeschüchtert. Alle sind gezwungen, den Vorgaben der „Welle“ zu gehorchen. Als schließlich ein jüdischer Schüler zusammengeschlagen wird, erkennt Ben Ross, dass er sein Experiment abbrechen muss. Doch das ist nicht so einfach...
Ich finde das Buch ziemlich interessant, da es sich auf eine ungewohnte Weise mit dem Thema Faschismus beschäftigt: Es liefert nicht nur geschichtliche Informationen, sondern beantwortet die Frage, wie Faschismus entsteht mit Hilfe einer Geschichte, in die sich jeder hineinversetzen kann. Es erinnert an Situationen aus dem eigenen Leben, zum Beispiel daran, dass man gemieden wird, wenn man bei etwas nicht mitmachen will, oder umgekehrt, dass man selbst jemanden verspottet, der etwas Bestimmtes nicht will. Man fragt sich, ob man selbst wohl eher der Typ ist, der mitmachen würde. Oder eher ein Typ wie Laurie Saunders, die sich der „Welle“ nicht anschließt.
Manchmal ist es aber auch schwer, sich in die Personen im Buch hineinzuversetzen und ihre Aktionen nachzuvollziehen, denn die Schüler werden im Gegensatz zum Leser ja nach und nach zu fremd gesteuerten Menschen. Außerdem verhalten sich die Schüler oft etwas kindisch, was durch die einfache, teils fast kinderbuchartige Sprache mit kurzen Sätzen und ohne Fremdwörter noch verstärkt wird. Der Roman wird durch Bilder und im Schriftbild hervorgehobene Parolen und Gedanken ausgeschmückt.
Letztendlich denke ich, dass der Roman besonders für Jugendliche lesenswert ist, vor allem für diejenigen, die sich fragen, ob sie bei jeder dummen Aktion ihrer Freunde dabei sein müssen. Aber auch Erwachsene werden Gefallen an dem Buch finden!
(Betreut von Dr. Christof Paulus)
Empfohlene Zitierweise
Morton Rhue: Die Welle. Bericht über einen Unterrichtsversuch, der zu weit ging, Ravensburg: Ravensburger Buchverlag 2008 (Neuauflage), 186 Seiten, ISBN 978-3-473-58008-8, EUR 5,95, gelesen von Matthias Oberfrank. lesepunkte 3 (2008), Nr. 5, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/6142/
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Erstellt: 27.10.2008
Zuletzt geändert: 27.10.2008




