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Peter Münch: Der Duft des Lindenbaums. Ein Tagebuch aus Sarajewo, Ravensburg: Ravensburger Buchverlag 2008, 192 Seiten, ISBN 978-3-473-35283-8, EUR 12,95. 

 

gelesen von Lena Eser, 8. Klasse 

St. Bonaventura Gymnasium, Dillingen an der Donau 

 

lesepunkte: ●●●●●

 


„Ihre Eltern nannten sie Schmetterling, weil sie so schön tanzen konnte. Doch sie war ein Schmetterling im Sturm.“

In diesem Buch geht es um die zwölfjährige Nirvana Zeljkovic, von ihren Freunden auch Nina genannt, die in den militärischen Auseinandersetzungen der Serben, Kroaten und Bosnier im April 1992 anfing, Tagebuch zu schreiben. Sie erzählt von ihrem Leben im Krieg, ihren Gefühlen, ihren Träumen und Wünschen in der belagerten Stadt Sarajewo. Ihr letzter Eintrag stammt vom 26. August 1995. Am Tag darauf wird sie von einer der letzten Granaten im Balkankrieg und als letztes Kind in Sarajewo getroffen und getötet. 

Mehr als zehn Jahre später reist der junge Student Elvis Muratovic, der aus Sarajewo nach Deutschland floh, als sich der Krieg ankündigte, wieder für eine Woche als Dolmetscher eines Professors seiner Universität zurück in seine alte Heimat. Durch eine Gedenktafel in der Nähe von Ninas und seiner alten Straße, stößt er über Hinweise der jetzigen Anwohner auf Nirvanas Mutter Azemina, die von allen aber nur Zemka genannt wird. Dort erfährt er, dass Nina ein Tagebuch geschrieben hatte, dessen Eintragungen immer als unabgeschickte Briefe an ihn adressiert waren. 

Im Laufe dieser einen Woche in Sarajewo liest er das gesamte Tagebuch und gewinnt so einen tiefen Einblick in das Leben seiner früheren Freundin; wie sie noch verzweifelt kämpfte, wo er schon längst mit seiner Familie in das sichere Deutschland geflohen war. 

Auf Initiative Zemkas und deren ältester Tochter Belma hin lernt er in dieser kurzen Zeit immer mehr Menschen aus Nirvanas Leben kennen, die auch er teilweise noch aus seiner Kindheit in Sarajewo kennt. Das Verhältnis zu Azemina wird immer enger und am Ende des Buches bei seiner Abreise verspricht „Vili“, wie Elvis nur von Nina genannt wurde, auf jeden Fall wiederzukommen und dann das Tagebuch, das Zemka ihm nach Deutschland mitgibt, zurückzubringen. 

Dieses fesselnde und berührende Buch beruht fast ganz auf Tatsachen, wobei nur die Figur des Elvis vom Autor, dem Journalisten Peter Münch, erfunden wurde. Als Kriegsberichterstatter in Sarajewo stieß er bei einer Recherchereise auf Ninas Spuren und wollte, dass sie und das Schicksal der Kinder im Krieg nicht vergessen werden. 

Die Gespräche mit Azemina und seine eigenen Erlebnisse hat Peter Münch in die Figur des Elvis einfließen lassen. Wer der ‚richtige’ Vili war, der im Tagebuch ja erwähnt wird, weiß bis heute niemand. Nur Nirvana selbst hätte diese Frage beantworten können. Der Autor, die Familie und die Freunde aber vermuten, dass auch sie diese Figur nur erfunden hatte.

Zwar ist diese Lebensgeschichte eine sehr traurige Erzählung, aber auch eine, die tröstet, weil man erfährt, dass Kinder auch im Krieg Kinder bleiben – so klug, lustig, unschuldig und lebensfroh wie Nina. Ich vergebe daher fünf Lesepunkte, denn wenn man sich für Tagebücher oder Biografien interessiert, ist dieses Buch ein absolutes „Muss“. Außerdem kann ich die Lektüre allen empfehlen, die Einblick in das Leben eines Mädchens nehmen möchten, das im Krieg verzweifelt für ihre seelische Freiheit kämpfte und einfach nur leben wollte. 

Ein weiterer Pluspunkt dieses Buches ist, dass in der Mitte einige Originalausschnitte des Tagebuchs, einige Fotos von Nina und auch ihrer Freunde abgebildet sind. Dadurch kann man sich in die Geschichte noch besser hineinversetzen. Insgesamt ein sehr berührendes und fantastisches Buch!!! 

(Betreut von M. Theresia Wittemann, OSF) 

 

 

Empfohlene Zitierweise

Peter Münch: Der Duft des Lindenbaums. Ein Tagebuch aus Sarajewo, Ravensburg: Ravensburger Buchverlag 2008, 192 Seiten, ISBN 978-3-473-35283-8, EUR 12,95, gelesen von Lena Eser. lesepunkte 3 (2008), Nr. 5, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/6134/

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Erstellt: 27.10.2008

Zuletzt geändert: 27.10.2008