Bollwahn

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Barbara Bollwahn: Der Klassenfeind + ich, Stuttgart: Thienemann Verlag 2007, 272 Seiten, ISBN 978-3-522-17982-9, EUR 13,90.

 

gelesen von Pia Terstappen, 10. Klasse
Gymnasium St. Wolfhelm, Schwalmtal-Waldniel

 


Was soll oder kann man von einem Buch mit dem Titel „Der Klassenfeind + ich“ erwarten? Was ist überhaupt ein „Klassenfeind“? „Klassenfeind“ war eine Bezeichnung der DDR-Staatsparteien und DDR-Medien für Bürger kapitalistischer Staaten. In solch einen verliebt sich Ramona Montag, die Protagonistin des Romans.

Sie lebt zusammen mit ihren Eltern und Bruder Ralf in der Deutschen Demokratischen Republik. Ihr Vater ist Parteimitglied der SED und von ihrem Programm überzeugt. Mit 17 Jahren fängt Ramona an ein Tagebuch zu schreiben, wodurch der Leser Einblicke in ihr Alltagsleben bekommt. 

Eines der ersten Erlebnisse, von dem Ramona in ihrem Tagebuch berichtet, ist ihre Freude über so genannte Westpakete, die eine Bekannte aus Köln ihrer Familie schickt. Auf diesem Wege lernt Ramona Dinge, wie zum Beispiel die Zeitschrift „Bravo“ kennen, die im Westen alltäglich, für die Menschen in der DDR jedoch außergewöhnlich sind. 

Im Verlauf des Romans wird Ramona älter und möchte etwas von der Welt sehen. Doch es ist ihr aufgrund der politischen Situation lediglich erlaubt in kommunistische Bruderländer zu reisen. Deshalb beschließt Ramona mit ihrer besten Freundin Marie, trotz der Bedenken ihres Vaters, nach Ungarn zu reisen. Dies ist für beide Mädchen ein außergewöhnliches Erlebnis und bedeutet für Ramona zudem eine Wende in ihrem Leben: sie lernt Jürgen kennen. Jürgen ist ein westdeutscher Junge und daher für die DDRler ein „Klassenfeind“. Doch trotzdem verlieben sich Ramona und Jürgen ineinander. Nach dem Urlaub müssen sich die beiden jedoch trennen, bleiben aber weiterhin in Briefkontakt. 

Nach diesem Ungarnurlaub fängt Ramona an, die DDR und die Partei zu hinterfragen. Sie fragt sich, warum sie nicht nach Westdeutschland reisen darf und die Mauer gebaut wurde. Sie möchte auch wissen, ob es überhaupt eine klassenlose Gesellschaft geben kann. So entwickelt sie langsam eine Abneigung gegen den Staat und das sozialistische Regime. 

Nachdem Ramona ihren Schulabschluss gemacht hat, zieht sie zum Studium nach Leipzig, wo sie Englisch und Spanisch studiert. Dies schreibt ihr der Staat vor. Der Kontakt zu Jürgen bricht nach einiger Zeit ab, doch nicht weil die beiden dies wollen. Hinter allem steht die Stasi, die die Briefe abfängt, und Jürgens Mutter, die partout gegen eine Beziehung zu einem ostdeutschen Mädchen ist. 

Im Jahre 1987 steht plötzlich Jürgen, der aus Arbeitsgründen für einige Wochen in Leipzig ist,  vor Ramonas Tür. Sie verbringen einige Zeit zusammen. Als Jürgen wieder zurück nach Westdeutschland reist, fängt Ramona an, sich Gedanken um ihre Zukunft zu machen. Sie möchte nicht, dass die Partei entscheidet, wo sie für den Rest ihres Lebens arbeitet und fängt an, gegen das Regime zu rebellieren. Sie nimmt schließlich an der (heute berühmten) Montagsdemonstration teil.

Am 9. November 1989 ist es soweit: die Mauer fällt und Ramona reist sofort mit einem Taxi nach Westberlin, um ein besseres Leben zu beginnen. Nach dem langen Prozedere der Anmeldung in Westdeutschland und dem Einleben in Berlin-Kreuzberg in einer Wohngemeinschaft, meldet sich Jürgen wieder und Ramona vereinbart mit ihm ein Treffen. Ramona und Jürgen können sich nun als freie Menschen treffen und sind nicht mehr „der Klassenfeind und ich“.

Der Roman von Barbara Bollwahn beruht auf ihren eigenen Tagebuchaufzeichnungen. Sie ist immer noch mit ihrer Jugendliebe aus dem „Westen“ befreundet. Das Thema des Romans ist historisch relevant und interessant. Um den Stoff Jugendlichen näher zu bringen, ist es sinnvoll, die Geschichte aus Sicht einer für sie Gleichaltrigen zu erzählen, um eine bessere Identifikation zu erzeugen. 

Leser, die keine Vorkenntnisse zum Thema DDR und Sozialismus/Kommunismus haben, werden, meiner Meinung nach, weniger Spaß am Lesen dieses Buches haben, da sie die Hintergründe unter Umständen nicht verstehen. 

Der Lesefluss wird leider durch ständiges Blättern zum Anhang gestört, in welchem die Autorin typische Begriffe und Bezeichnungen der DDR-Bürger erklärt, die sie im Text verwendet. „Der Klassenfeind + ich“ ist ein gutes Buch für Jugendliche, die sich schon mit der Materie beschäftigt haben und nun genauere Einblicke in den Alltag der DDR bekommen wollen. Meiner Meinung nach ist der Roman jedoch für den Einstieg in diesen Themenbereich weniger geeignet. Darum vergebe ich drei Lesepunkte: gutes Buch, empfehlenswert. 

(Betreut von Markus Brans) 

 

 

Empfohlene Zitierweise

Barbara Bollwahn: Der Klassenfeind + ich, Stuttgart: Thienemann Verlag 2007, 272 Seiten, ISBN 978-3-522-17982-9, EUR 13,90, gelesen von Pia Terstappen. lesepunkte 3 (2008), Nr. 5, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/6120/

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Erstellt: 27.10.2008

Zuletzt geändert: 27.10.2008