Weiss

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Ruth Weiss: Meine Schwester Sara, München: dtv (Reihe Hanser) 2004, 320 Seiten, ISBN 978-3-423-62169-4, EUR 9,00. 

 

gelesen von Sarah Ostermann, 10. Klasse
Martin-von-Cochem-Gymnasium, Cochem

 

lesepunkte: ●●●○○

 


Das Buch „ Meine Schwester Sara“ von Ruth Weiss handelt von einem Mädchen namens Sara, einer Kriegswaise aus Deutschland. Sie wird nach dem 2. Weltkrieg von einer südafrikanischen Burenfamilie adoptiert. Besonders der Vater, Herr Leroux, ist zunächst sehr stolz auf das blonde, kleine Mädchen und schenkt ihr viel Liebe und Zuneigung. Er nimmt sie überall mit hin um zu zeigen, dass er sich für Deutschland einsetzt.

Doch plötzlich wird alles anders. Denn erst nachdem Saras Papiere   einige Monate später eintreffen, stellt sich heraus, dass sie gar keine Deutsche, sondern eine Jüdin ist. Herr Leroux wendet sich auf Grund seiner politischen Einstellung völlig von ihr ab und auch die restlichen Familienmitglieder lassen sie furchtbare Dinge hören und spüren. Sara versteht das alles nicht, denn sie kennt den Grund für diese schlimmen Misshandlungen nicht und soll ihn auch nicht erfahren. Die einzigen Personen, die sie wie ein normales Mädchen behandeln und trotz allem zu ihr halten, sind die Mutter und ihr Adoptivbruder Johannes, aus dessen Sicht die Geschichte erzählt wird. Dieser Erzähler befindet sich in der Gegenwart und blickt zurück auf seine Vergangenheit. Johannes berichtet, wie stark das Leben in Südafrika damals und auch heute von Rassentrennung geprägt war. Er erinnert sich, wie schwer es für ihn war, seine Schwester leiden zu sehen und ihr nicht einmal sagen zu dürfen, warum man so mit ihr umgeht.

Als Studentin beschließt Sara, dass sie nicht länger zusehen kann, wie die Schwarzen unterdrückt werden. Da Weißen der Kontakt zu den Schwarzen verboten ist, trifft sie sich heimlich mit ihnen. Als sie eines Tages jedoch dabei erwischt wird, landet sie vor Gericht. Hier erfährt sie auch, woher sie wirklich stammt und muss das Land und ihre Adoptivfamilie verlassen. 

Johannes und Sara begegnen sich aber später wieder. Ihm wird mit der Zeit klar, dass Sara mehr für ihn bedeutet als nur eine Schwester. Er gesteht sich ein, dass er in sie verliebt ist. Auch Sara spürt, dass sie zusammen gehören. Sie werden aber nur für kurze Zeit ein Paar. Denn nach einem Aufstand der Schwarzen in Johannesburg findet er dort ihre Leiche. Sie wurde mit einem Herzschuss ermordet. Auch sein Vater kommt dort, auf dem Weg zum Stadtrat, ums Leben. 

In dieser Familiengeschichte erfährt man viel über die herrschende Politik in Südafrika zur Zeit der Apartheid. Ich finde den Roman sehr schön, er ist spannend und trotzdem gefühlvoll. Durch die Art und Weise des Berichts, den der Ich-Erzähler gewählt hat, ist es mir leicht gelungen, mich in die Personen hinein zu versetzen. 

Das Buch ist in neun Kapitel eingeteilt. Zum besseren Verständnis werden in einem Glossar wichtige Begriffe erklärt. Ebenfalls verschafft eine Zeittafel einen guten Überblick über die bedeutenden Ereignisse der Geschichte Südafrikas bis ins Jahr 1995. Der Schauspieler Dietmar Schönherr wird im Klappentext mit der Aussage zitiert, er wäre dafür, dass man dieses Werk als Pflichtlektüre an Schulen einführt. Dieser Meinung kann ich mich anschließen, denn erst, nachdem ich dieses Buch gelesen habe, habe ich eine genauere Vorstellung davon, welche enormen Auswirkungen diese Rassenklassifizierung für die Menschen hatte. Und wenn man die Welt heute betrachtet, sieht man, dass es leider auch bei uns noch viele Menschen mit rassistischer Einstellung gibt. 

(Betreut von Oliver Simon) 

 

 

Empfohlene Zitierweise

Ruth Weiss: Meine Schwester Sara, München: dtv (Reihe Hanser) 2004, 320 Seiten, ISBN 978-3-423-62169-4, EUR 9,00, gelesen von Sarah Ostermann. lesepunkte 3 (2008), Nr. 4, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/6048/

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Erstellt: 13.08.2008

Zuletzt geändert: 13.08.2008