Vlugt

  / lesepunkte.de / Archiv / Ausgaben / 2008/4

Simone van der Vlugt: Chloe - Die Zerstörung von Pompeji, München: cbt 2006, 224 Seiten, ISBN 978-3-570-30169-2, EUR 6,95. 

 

gelesen von Joy Neuhaus und Nora Esser, 11. Klasse
Liebfrauenschule Köln

 

lesepunkte: ●●○○○

 


„Eines Nachts liegt er wach. Um ihn her herrschen Dunkelheit und Stille. Bei jeder Bewegung spürt er, wie der Sklavenring auf seine Haut drückt. Er scheint immer enger zu werden, genau wie ein anderes, unsichtbares Band um seine Brust. Beide halten ihn in einem würgenden Griff. Er hört Taundis Stimme: Es gibt keine guten Entscheidungen, nur gute Absichten.“ (118)

Das Buch „Chloe – Die Zerstörung von Pompeji“ spielt in Germanien und Italien, vor allem aber im Pompeji der Jahre 77 bis 79 n. Chr. und will dem Leser das damalige Leben in seiner gesamten Vielfalt und Andersartigkeit zeigen. Zwei ursprünglich unterschiedliche Lebensgeschichten treffen durch ein gemeinsames Schicksal aufeinander, werden jedoch durch den Willen der Götter wieder getrennt. 

Folkrad, Cananefate (Angehöriger eines westgermanischen Stammes) und Sohn des Stammesführers Servofried, lebt mit seinem Stamm in einem kleinen Dorf in Germanien, das in den Anfängen seiner Romanisierung steckt. Durch eine von Folkrad getroffene, lebenswichtige Entscheidung wird schließlich eine Kettenreaktion ausgelöst, die schwerwiegende Folgen mit sich bringt: Sein Dorf wird von Römern überfallen und ausgelöscht, seine Familie und Freunde werden ermordet, er muss als Sklave nach Italien segeln. 

Trotz der Tatsache, sich nun in Besitz seiner bittersten Feinde zu befinden, dient er dem gutmütigen Herrn Lucius sowie dessen machthungrigen Sohn Marcus. Folkrads Seele jedoch fliegt immer wieder nach Hause, nach Germanien. 

Ein ähnliches Schicksal widerfährt dem Waisenkind Chloe. Als Baby von den eigenen Eltern ausgesetzt und bei armen Pflegeeltern aufgewachsen, wird sie in jungen Jahren von ihrem Pflegevater zum Entsetzen ihrer Schwester Elena an einen Sklavenhändler verkauft. Das für beide neue Zuhause, das Haus am Hang des Vesuvs, bildet eine gemeinsame Lebensstation. 

Der Spannungsbogen baut sich bis zu diesem Zeitpunkt zwar immer weiter auf, aber wie erwartet stoßen die beiden Protagonisten Folkrad und Chloe aufeinander und es beginnt ein gemeinsamer Lebensweg. Diese Vorhersehbarkeit und die Rollenkonformität der Protagonisten macht die Entwicklung der Handlung für den Leser eher langweilig. Trotz der beschriebenen Höhen und Tiefen der Geschichte bleibt die Autorin an der Oberfläche ihres Themas. Die Schrecken, die die Sklaverei mit sich bringt, werden zu melodramatisch dargestellt, so dass der Leser keine Chance hat, mit den Protagonisten mitzufühlen. Insgesamt werden die historischen Verhältnisse unserer Ansicht nach zu wenig in die Handlung eingebunden. 

(Betreut von Karin Kasprowicz) 

 

 

Empfohlene Zitierweise

Simone van der Vlugt: Chloe - Die Zerstörung von Pompeji, München: cbt 2006, 224 Seiten, ISBN 978-3-570-30169-2, EUR 6,95, gelesen von Joy Neuhaus und Nora Esser. lesepunkte 3 (2008), Nr. 4, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/6032/

Bitte setzen Sie beim Zitieren dieses Beitrags hinter der URL-Angabe in runden Klammern das Datum Ihres letzten Besuchs dieser Online-Adresse.



Erstellt: 13.08.2008

Zuletzt geändert: 13.08.2008