Rijckeghem_Beirs

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Jean-Claude van Rijckeghem / Pat van Beirs: Die Erbin von Flandern, Hildesheim: Gerstenberg Verlag 2008, 272 Seiten, ISBN 978-3-8369-5164-7, EUR 15,90. 

 

gelesen von Natalie Bilz, 10. Klasse
St. Bonaventura Gymnasium, Dillingen an der Donau

 

lesepunkte: ●●●○○ 

 


In dem Buch erzählt Marguerite van Male, ein Grafentochter auf dem Territorium des heutigen Belgien und die Hauptperson des Romans, ihr Leben. Sie beginnt mit ihrer sehr aufsehenerregenden Geburt im Schloss von Male und schildert ihre wenig glückliche Kindheit, da sie vom Vater, der sich einen Jungen gewünscht hatte, nicht akzeptiert wird – und den Weg zum Erwachsenwerden, mit allen großen und kleinen Problemen. Dabei legt sie den Schwerpunkt auf Ereignisse des Hundertjährigen Krieges, der von 1339 bis 1453 dauert, die schwierige Stellung der Frau zu dieser Zeit und die Krankheit, die die meisten Menschenleben fordert: die Pest.

Von all dem ist Marguerite direkt betroffen, was zeigt, dass sie es wirklich nicht leicht im Leben hat. Sie ist eine Revolutionärin, reitet im Herrensitz, benimmt sich wie ein Mann, lernt küssen und nimmt sogar Fechtunterricht. Sie geht ihren Weg und gibt nicht auf. Die spätere Gräfin von Flandern ist eine Figur mit Vorbildcharakter! Das Lesen ihrer Lebensgeschichte ermutigt dazu, nicht aufzugeben. Der Roman endet aber nicht, wie man vielleicht annehmen könnte, mit dem Tod der Gräfin. Vielmehr wird die Andeutung zu einem Neubeginn für Marguerite gemacht: Bereits in jungen Jahren tritt sie nach dem Tod ihres ersten Mannes durch die Pest aus freier Entscheidung in ein Kloster ein, um dort bis zum Ende ihres Lebens zu bleiben. Durch eine Begegnung und einen Kampf mit ihrem Vater in der Kapelle des Klosters erkennt sie jedoch, dass sie keine Nonne, sondern eine Kämpferin ist und beschließt zurückzukehren. Mit diesem Plan endet das Buch. 

Das Buch ist in 23 Kapitel ohne Kapitelüberschriften unterteilt. Es ist in einer verständlichen Sprache geschrieben und die große Schrift trägt zusätzlich zur guten Lesbarkeit bei. Der Roman ist auch ohne Hintergrundwissen zum Spätmittelalter und zum Hundertjährigen Krieg gut verständlich, da manches Unbekannte wie zum Beispiel der Glaube an Schutzengel, die als Boten des Herrn jede Nachfahrin eines Fürsten beschützen, erklärt werden. Auf dem Cover des Buches ist das Gesicht einer traurig blickenden Frau abgebildet, die vom Ausdruck her sehr gut zum Schicksal der Marguerite von Male passt. 

Die meisten Namen der im Buch vorkommenden Personen und einige geschichtliche Ereignisse wie die Hochzeit Marguerites sind historisch belegt und sehr realistisch geschildert. 

Die beiden Autoren haben Erfahrung mit historischen Stoffen, verbindet sie doch schon länger eine fruchtbare Zusammenarbeit an mehreren Jugendbüchern. Für „Die Erbin von Flandern“ bekamen sie den Thea-Beckmann-Preis für das beste historische Jugendbuch. 

Trotz mancher klischeehafter Darstellungen, etwa wenn Marguerites Vater als Ritter und herzloser Kämpfer, der keine Gnade zeigt, dargestellt wird und die junge Gräfin als aufsässige Tochter, die sich dem Vater widersetzt, hat mich „Die Erbin von Flandern“ gefesselt. Denn der Roman ist sehr informativ, da man viel über die damalige Zeit erfährt, zum Beispiel über die stark ausgeprägte Reliquienverehrung, über den Waffengebrauch oder das Leben am Hof. 

Ich halte den Roman für empfehlenswert, weil er spannend geschrieben ist und man einiges dazulernt. Außerdem ist er anschaulich, so dass man sich in die Personen hineinversetzen kann und mit den einzelnen Figuren, besonders mit Marguerite mitleidet und mitfühlt. Das einzige wirkliche Defizit ist meiner Meinung nach der Schluss. Ich hätte mir ein Happy End mit einer glücklichen Gräfin gewünscht, was sich leider durch das offene Ende nicht eingestellt hat. Trotzdem ein tolles Buch! 

(Betreut von M. Theresia Wittemann, OSF.) 

 

 

Empfohlene Zitierweise

Jean-Claude van Rijckeghem / Pat van Beirs: Die Erbin von Flandern, Hildesheim: Gerstenberg Verlag 2008, 272 Seiten, ISBN 978-3-8369-5164-7, EUR 15,90, gelesen von Natalie Bilz. lesepunkte 3 (2008), Nr. 4, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/6036/

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Erstellt: 13.08.2008

Zuletzt geändert: 13.08.2008