Kordon

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Klaus Kordon: Krokodil im Nacken, Weinheim: Beltz & Gelberg (Gulliver Tachenbücher) 2007 (4. Auflage), 800 Seiten, ISBN 978-3-407-78632-6, EUR 9,95. 

 

gelesen von Julia Marchand, 12. Klasse 

Gymnasium St. Wolfhelm, Schwalmtal  

 

lesepunkte: ●●●○○

 


Klaus Kordon erzählt in seinem Jugendroman „Krokodil im Nacken“ von der DDR und den Machenschaften der Stasi. Als der DDR-Bürger und Familienvater Manfred Lenz im Jahre 1972 plant, mit seiner Familie heimlich aus der DDR zu fliehen, wird er schon vor der Flucht in Bulgarien festgenommen. Er und seine Frau werden ins Gefängnis gebracht, seine Kinder müssen in Heimen leben.

Zunächst wird er in ein bulgarisches Gefängnis gebracht, jedoch später in ein Berliner Stasi-Gefängnis verlegt. Dort blickt er auf seine Kindheit in Ost-Berlin, den Tod seiner Mutter, das Leben im Heim und den Bau der Mauer zurück. Immer wieder wechselt die Erzählung zwischen der (Knast-)Gegenwart von Manfred Lenz und seiner Lebensgeschichte. Dies ist sehr wichtig, damit der Leser verstehen kann, wieso Manfred Lenz, der auch „Manne“ genannt wird, diese Flucht mit seiner Familie plant. 

Immer wieder versucht Manfred Lenz sich anzupassen und die Art von Leben zu leben, die in der DDR von den Bürgern verlangt wird. Damit wird er aber nicht glücklich. Das scheinheilige und heuchlerische Getue, das Schlucken der Propaganda und der abgedroschenen Floskeln und die Lobreden auf den Sozialismus sowie die ständigen Bitten von außerhalb, er möge doch endlich in die Partei eintreten, hält er nicht mehr aus. Manfred und seine Frau Hannah müssen mit ansehen, wie ihren Kindern in der Schule das Gehirn gewaschen wird – Töchterchen Silke findet auf einmal, dass der Onkel und die Tante im Westen böse sind: das habe jedenfalls die Lehrerin gesagt. 

Nach langem Überlegen treffen die Lenzens eine der schwersten Entscheidungen ihres Lebens: über Bulgarien wollen sie mit gefälschten Pässen, die ihnen Hannahs Schwester Fränze besorgen kann, in den Westen ausreisen, um dort ein freies, unbeschwertes Leben zu beginnen. Doch das Schlimmste, was passieren kann, wird zur harten Realität: die Flucht fliegt auf. 

Nach dem kurzen Aufenthalt in einem bulgarischem Gefängnis findet sich Manfred im Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen wieder. Von Hannah keine Spur, die Kinder werden in unterschiedliche Heime gesteckt. Hilflos sieht sich Lenz den Machenschaften der Stasi ausgesetzt - stundenlanger Lärm, Licht, das in der Nacht auf einmal angeht, unfreundliche Wachmänner, Tabak- und Leseverbot bei mangelnder Kooperation. Doch Manfred gibt nicht auf - er will unbedingt in die Bundesrepublik ausreisen. Auch von Freikäufen der Bundesrepublik hat er schon gehört. Doch auch Hannah und die Kinder sollen schließlich mit.  Aber der Weg bis dahin ist hart und weit...

Der Name des Buches kommt daher, dass Lenz gar nichts anderes übrig bleibt, als das „Krokodil“ in seinem Inneren öfter mal zu zähmen und Kompromisse einzugehen. 

Meiner Meinung nach ist das Buch gut gelungen, allerdings an einigen Stellen nicht gerade flüssig zu lesen. Klaus Kordon beschreibt sehr emotional und realitätstreu das Leben des Manfred Lenz. Außerdem gewinnt man einen authentischen Einblick in das Leben von DDR-Bürgern und die Leiden in einem Stasigefängnis. 

Ich denke, für Jugendliche ist dieses Buch sehr lehrreich, da sie sich durch die präzisen Beschreibungen des Autors alles gut vorstellen können. Auch andere Bücher von Klaus Kordon wie „Julians Bruder“, welches ich schon vorher gelesen hatte, sind durchaus empfehlenswert, wenn man sich für den 2. Weltkrieg und die Zeit danach interessiert. Ich gebe dem Buch 3 Punkte, da es sehr detailreich und emotional geschrieben, jedoch an einigen Stellen nicht sehr flüssig zu lesen ist. 

(Betreut von Markus Brans) 

 

 

Empfohlene Zitierweise

Klaus Kordon: Krokodil im Nacken, Weinheim: Beltz & Gelberg (Gulliver Tachenbücher) 2007 (4. Auflage), 800 Seiten, ISBN 978-3-407-78632-6, EUR 9,95, gelesen von Julia Marchand. lesepunkte 3 (2008), Nr. 3, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/5905/

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Erstellt: 18.06.2008

Zuletzt geändert: 18.06.2008