Kass

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Pnina Moed Kass: Echtzeit, Berlin: Bloomsbury 2007, 258 Seiten, ISBN 978-3-827-05270-4, EUR 9,90. 

 

gelesen von Nadja Sossalla, 9. Klasse
Wernher-von-Braun-Gymnasium Friedberg

 

lesepunkte: ●●○○○

 


Der Roman „Echtzeit“ aus der Feder der amerikanischen Autorin Pnina Moed Kass spielt in Israel und handelt von verschiedenen Personen unterschiedlicher Nationalität, die alle in einen Selbstmordanschlag  geraten. Hauptpersonen sind der 16-jährige Thomas aus Berlin, der gerade erst in Israel angekommen ist und Informationen über seinen Großvater, einen Nazioffizier, herausfinden möchte, Vera Brodsky aus Odessa (Ukraine), die ihrer Vergangenheit entfliehen will, Baruch Ben Tov, ein Jude, und ein Palästinenser namens Sameh Laham.

Baruch Ben Tov, kurz Ben, und Vera sind in einem Kibbuz als Gärtner tätig. Thomas Wanninger, ein Schüler aus Deutschland, hat sich bei ihnen beworben und soll mit den beiden zusammenarbeiten. Ben sieht dem Ganzen kritisch entgegen, da er ein Überlebender des Holocaust ist und den Deutschen nicht vertraut. Dennoch ringt er sich dazu durch, den Jungen aufzunehmen. Vera erklärt sich bereit, Thomas vom Flughafen abzuholen. Auf dem Rückweg wird ihr Bus Ziel eines Selbstmordanschlags, verübt von einem palästinensischen Attentäter. Die Überlebenden des Attentates werden in das Hadarim-Hospital gebracht und dort medizinisch versorgt. 

Das Buch ist aus den Aussagen verschiedener Personen und aus Radio- und Krankenhausberichten zusammengesetzt. Durch diese verschiedenen Perspektiven erhält der Leser einen vielfältigen Blick auf das Geschehen. Jedoch sind es schon fast zu viele Personen, die in unregelmäßigen Abständen auftauchen und etwas erzählen. Dabei kann der Überblick schnell verloren gehen. Die Personen erzählen in der Ich-Perspektive. Die Syntax ist meist knapp und verständlich, ein Beispiel: „Mein Vater, Otto Wanninger, war Tierarzt. Seine Praxis lag einen Kilometer von der ehemaligen Berliner Mauer entfernt.“ (35). Die Handlung des Buches ist frei erfunden. Sie soll dem Leser eine der zahllosen tragischen Geschichten der Selbstmordanschläge erzählen. Der Autorin gelingt das gut. Der Leser kann sich durch ihren Schreibstil gut in die einzelnen Personen hineinversetzen und deren Handeln verstehen. Doch einige für die direkte Handlung „überflüssige“ Erzählungen aus der Vergangenheit der einzelnen Personen verleihen dem Buch eine gewisse Langatmigkeit. Der Leser verfängt sich in der Lebensgeschichte eines Einzelnen und wird dann plötzlich wieder in die Haupthandlung versetzt. 

Nur an den Tempus-Wechseln merkt man oft, dass die Erzählung aus der Vergangenheit abgeschlossen ist. Erst beim Auftauchen anderer Hauptpersonen wird einem bewusst, dass man sich wieder im Hier und Jetzt befindet, und der Leser schaut etwas verwirrt zurück. Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass schwierige Begriffe nicht erklärt werden. Auch eine Karte des Handlungsortes würde meiner Meinung nach zur Veranschaulichung eine große Hilfe sein. Alles in allem ist das Buch für diejenigen lesens- und lohnenswert, die sich für Israel und die Umstände des Palästinenserkonflikts interessieren. Obwohl an manchen Stellen nicht ganz überzeugend geschrieben, wird im Gesamtbild doch eine die Thematik gut aufarbeitende Geschichte erzählt. 

(Betreut von Dr. Christof Paulus) 

 

 

Empfohlene Zitierweise

Pnina Moed Kass: Echtzeit, Berlin: Bloomsbury 2007, 258 Seiten, ISBN 978-3-827-05270-4, EUR 9,90, gelesen von Nadja Sossalla. lesepunkte 3 (2008), Nr. 3, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/5903/

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Erstellt: 18.06.2008

Zuletzt geändert: 18.06.2008