Hagen

  / lesepunkte.de / Archiv / Ausgaben / 2008/3

Rose-Marie und Rainer Hagen: Goya, Köln: Taschen Verlag 2003 (4. Auflage), 96 Seiten, ISBN 978-3-8228-1821-3, EUR 6,99. 

 

gelesen von Christiane Warmuth, 12. Klasse
Adalbert-Stifter-Gymnasium, Passau

 

lesepunkte: ●●●○○

 


Das kunsthistorische Buch von Rose-Marie und Rainer Hagen über Goya, das im Taschen Verlag erschienen ist, kommt in einem schülerfreundlichen Format und einer ansprechenden Umschlaggestaltung daher. Im Gegensatz zu vielen herkömmlichen Kunstbänden macht es mit seinem leicht bekömmlichen Seitenumfang und der angenehmen Größe Appetit auf mehr. Doch hält das Äußere auch, was es verspricht?

Das Buch ist in acht Kapitel aufgeteilt, in denen jeweils eine Schaffensperiode bzw. ein Hauptthema Goyas besprochen wird. Eigentlich ist diese Einteilung ein guter Ansatz, denn beinahe jede Künstlerpersönlichkeit trägt doch verschiedene Seiten in sich und durchläuft unterschiedliche Entwicklungsstadien, die oft nur dann verständlich werden, wenn man in gesonderten Abschnitten auf geschichtliche und biografische Hintergründe eingeht. 

Geschichtliche Hintergrundinformationen findet man in diesem Buch zur Genüge - vielleicht sogar zu viele. Vor allem in den ersten beiden Kapiteln hat man als Leser zeitweise das Gefühl, dass nicht das künstlerische Schaffen Goyas, sondern vielmehr die geschichtlichen Ereignisse seiner Zeit im Vordergrund der Erläuterungen stehen. Anhand einer Auswahl von Goyas Gemälden wird die damalige gesellschaftliche und politische Situation dargestellt. Immer wieder mischen sich darunter interessante Informationen zu Goyas Person und seiner künstlerischen Entwicklung, doch diese Informationen werden durch die vielen geschichtlichen Details zerpflückt und geraten so etwas ins Hintertreffen. 

In den späteren Kapiteln hebt sich dieses Ungleichgewicht immer mehr auf, und es finden sich einige, sehr aufschlussreiche Details zum besprochenen Künstler und seinem Schaffen. Und trotzdem bleibt Goya als Person wie als Künstler eher blass und für den Leser schwer zu greifen. 

Durch die Zergliederung in einzelne Themenkapitel verliert man schnell den Überblick, und es fällt schwer, einen Gesamteindruck des Künstlers zu bekommen. Meiner Meinung nach könnte ein einleitendes Vorwort oder ein zusammenfassender Schluss diesem Problem vielleicht abhelfen. Hier könnte der Künstler in den Verlauf der Kunstgeschichte eingereiht und die Bedeutung seines künstlerischen Schaffens verdeutlicht werden. Vor allem für einen Leser, der sich zum ersten Mal mit Goya befasst, wäre eine solche zusammenfassende Besprechung wichtig, schon allein deshalb, weil das erste Kapitel sehr abrupt beginnt und ein hinführender Gedanke völlig fehlt. 

Bei den Bildbesprechungen tritt im Prinzip ein ähnliches Problem auf - es werden zwar viele, gut ausgewählte Bilder angesprochen, doch leider bleibt es eben meist bei diesem oberflächlichen Ansprechen. Um jedoch Goyas Arbeitsweise, Intention und Stil deutlicher zu vermitteln, wäre es vielleicht von Vorteil, wenigstens ein besonders wichtiges Werk heraus zu greifen und anhand von Detailausschnitten oder Kompositionsskizzen genauer zu untersuchen. Hier gilt: weniger ist mehr - anstatt viele Werke nur oberflächlich zu streifen, lieber wenige eindringlicher besprechen. 

Fazit: Ein solch lobenswert schülerfreundliches Format kann natürlich auch nur einen ebenso schülerfreundlichen Umfang an Informationen enthalten. Um dem Leser trotzdem ein eindringliches Bild des Künstlers zu vermitteln, sollte man sich deshalb auf das Wesentliche beschränken und auf nebensächliche Details verzichten. Dies gelingt hier leider nicht immer. Wegen des einladenden Formats, des ansprechenden Layouts und der leicht verständlichen Sprache ist dieses Buch zumindest als ergänzende Informationsquelle dennoch durchaus empfehlenswert. 

(Betreut von Martin Klinkner) 

 

 

Empfohlene Zitierweise

Rose-Marie und Rainer Hagen: Goya, Köln: Taschen Verlag 2003 (4. Auflage), 96 Seiten, ISBN 978-3-8228-1821-3, EUR 6,99, gelesen von Christiane Warmuth. lesepunkte 3 (2008), Nr. 3, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/5899/

Bitte setzen Sie beim Zitieren dieses Beitrags hinter der URL-Angabe in runden Klammern das Datum Ihres letzten Besuchs dieser Online-Adresse.



Erstellt: 18.06.2008

Zuletzt geändert: 18.06.2008