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Arnulf Zitelmann: „Ich will donnern über sie!“ Die Lebensgeschichte des Thomas Müntzer, Weinheim: Beltz & Gelberg (Gulliver Taschenbuch) 1999, 176 Seiten, ISBN 978-3-407-78794-1, EUR 6,45.
gelesen von Stephan Angendohr, 12. Klasse
Werner-Jaeger-Gymnasium, Nettetal
lesepunkte: ●●●○○

Das Buch „Ich will donnern über sie!“ von Arnulf Zitelmann erzählt sehr detailiert die Lebensgeschichte des Thomas Müntzer, der sich genau wie Luther das Ziel gesetzt hatte, die katholische Kirche zu reformieren, wobei er im Gegensatz zu Luther an dieser Aufgabe gescheitert ist.
Thomas Müntzer, Reformator und Theologieprofessor, wird 1489 in Stolberg im Harz als Sohn von Matthias Montzer, Ratsherr und „Müntzmeister“, geboren. Müntzers Mutter stirbt früh, dies ist wohl auch der Grund dafür, dass über sie nicht viel bekannt ist und somit auch hier nicht über ihre Person berichtet wird. Wohl aber hinterlässt sie ein größeres Erbe, welches Thomas später den Besuch einer Knabenschule in Quedlinburg sowie das Theologiestudium in Leipzig ermöglicht. Zwei Jahre nach Beginn seines Studiums verlässt er 1508/09 die Universität und nimmt eine Stelle als Hilfslehrer in Aschersleben und in Halle an. Bereits zu dieser Zeit wird Müntzers Gesinnung deutlich, denn im selben Jahr schließt er sich dem „Verbündnis“ gegen Erzbischof Ernst von Sachsen an und reiht sich somit in die Linie der kirchlichen Opposition ein.
Einige Jahre später nimmt er sein Studium in Frankfurt an der Oder wieder auf und wird bald darauf auch zum Priester geweiht. Nur wenige Jahre später verlässt Müntzer Frankfurt an der Oder als Magister und nimmt die Arbeit als Prediger in Braunschweig auf, doch wird er schon nach einigen Monaten der Stadt verwiesen, da er versucht durch seine Predigten seine Idee von einer reformierten Kirche zu verbreiten. Im selben Jahr trifft er zum ersten Mal Luther in Wittenberg; zu diesem Zeitpunkt ist er dem Wittenberger Reformator noch gut gesinnt, wobei sich die Haltung bald ändert.
Der Vergleich mit Luther wird im Laufe des Buches immer wieder aufgegriffen, dies mag nicht zuletzt daran liegen, dass Martin Luther und Thomas Müntzer sich immer wieder gegenseitig, auch öffentlich, kritisierten. Der Konflikt zwischen Luther und Müntzer war darin begründet, dass beide zwar die katholische Kirche reformieren wollten, aber sie hatten stark voneinander abweichende Ideen, Luther wollte lediglich eine kirchliche Reformation bewirken, Müntzer dagegen strebte eine Veränderung der ganzen Gesellschaft an. Auch sah Müntzer sich nur als ein Werkzeug Gottes, das lediglich Gottes Willen ausführe.
Im Jahr 1520 wird Müntzer nach Zwickau gerufen, hier lernt er die Laienkirche kennen, von welcher er sofort begeistert ist. Er, als studierter Theologe, lässt sich sogar zu der Aussage hinreißen: „Die Laien müssen unsere Pfarrer sein.“ Die Idee der Laienkirche bzw. der Kirche von unten ist von nun an Teil von Müntzers Reformationsidee. Als Müntzer 1523 Pfarrer der kleinen Gemeinde zu Allstedt wird, ist jene Idee ein fester Bestandteil seiner Veränderungen, die er dort radikal durchsetzt. Allstedt wird bald zur ersten deutschen Gemeinde, die den ganzen Gottesdienst, nicht wie zuvor auf Latein, sondern auf Deutsch abhält. Schon bald hat Müntzer den Zorn der Fürsten auf sich gezogen , die nun versuchen, Müntzer aufzuhalten. Müntzer, der seine Idee von der „Kirche von unten“ durchsetzen will, ruft die Bauern zum Widerstand auf. Diesem Ruf folgen mehrere hundert Menschen, zunächst hat dieser von Müntzer organisierte Widerstand auch Erfolg, doch 1525 wird Müntzers Bauernarmee bei Frankenhausen ohne Erbarmen vom Fürstenheer niedergeschlagen. Thomas Müntzer wird verhaftet und noch im Jahre 1525 in Mühlhausen hingerichtet.
Das Buch von Arnulf Zitelmann ist sehr detailliert, der Leser erhält einen genauen Einblick in das Leben des Thomas Müntzer und kann sich ein präzises Bild dieses Mannes machen. Die insgesamt zehn Kapitel sind mit Jahreszahlen überschrieben, was der Übersichtlichkeit sehr zu Gute kommt; in Verbindung mit einer Zeittafel, die wie eine Art Kurzbiographie aufgebaut ist, ist es dem geschichtsinteressierten Leser gut möglich das Leben Müntzers nach zu vollziehen. Auf den ersten Seiten ist ein Inhaltsverzeichnis zu finden, welches dem Leser zusätzlich eine gute Übersicht über das Werk ermöglicht. Somit ist der Aufbau des Buches gut gegliedert und überzeugend. Illustrationen sind im Buch nur wenige zu finden, wobei diese äußerst prägnant und in keiner Weise unnötig oder ablenkend erscheinen.
Das Buch ist meiner Meinung nach nur bedingt empfehlenswert bzw. ist es nur für einen bestimmten Leserkreis. Zum einen sollte man über ein gewisses geschichtliches Vorwissen bezüglich der Reformation verfügen, um dem Buch besser folgen zu können (wobei sich das Buch aber auch ohne dieses verstehen lässt), und zum anderen spricht das Buch nicht wie ein Roman eine breite Masse von Lesern an, sondern vielmehr den geschichtlich interessierten Leser. Das Buch ist, wie schon auf dem Einband vermerkt, die Lebensgeschichte des Thomas Müntzer und genau wie eine solche liest es sich auch. Aber was man auch erwähnen sollte ist, dass dieses Buch sicherlich all diejenigen ansprechen wird, die ein Interesse an Reformationsgeschichte haben und ihr Wissen in dieser Richtung ausbauen wollen. Das Buch zeigt mir eine ganz neue, sehr interessante und weniger bekannte Seite der Kirchengeschichte auf. Da dieses Buch äußerst überzeugend verfasst ist und dem Leser ein detailliertes Bild der damaligen Zeit darlegt, aber nicht für jeden interessant sein wird, gebe ich dem Buch drei Punkte.
(Betreut von Thorsten Maaßen)
Empfohlene Zitierweise
Arnulf Zitelmann: „Ich will donnern über sie!“ Die Lebensgeschichte des Thomas Müntzer, Weinheim: Beltz & Gelberg (Gulliver Taschenbuch) 1999, 176 Seiten, ISBN 978-3-407-78794-1, EUR 6,45, gelesen von Stephan Angendohr. lesepunkte 3 (2008), Nr. 2, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/5803/
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Erstellt: 11.04.2008
Zuletzt geändert: 11.04.2008




