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Marie-Aude Murail: Simpel, Frankfurt am Main: Fischer Schatzinsel 2007, ISBN 978-3-596-85207-9, EUR 13,90.
gelesen von Isabel Weigl, 9. Klasse
Gymnasium bei St. Anna, Augsburg
lesepunkte: ●●●●●

Das Buch ‚Simpel’ beginnt in der Metro und so muss man sich die Szene ungefähr vorstellen: Ein Mann mit Hund steigt zu und setzt sich neben zwei junge Männer. Der Ältere hat verstrubbeltes, blondes Haar und helle Augen. Er rutscht unruhig auf dem Sitz hin und her. Schließlich sagt der Ältere zu dem Jüngeren: „Der Herr hat ein' Hund. Der Herr hat ein' Hund.“ Der Jüngere versucht ihn zur Ordnung zu rufen, doch der Ältere redet weiter: „Darf ich den streicheln?“
„Nein“, knurrt der Hundebesitzer. Der Mann versucht die Situation einzuschätzen. „Also ich hab ein' Hase“, spricht der Ältere ihn an. Der Jüngere gibt sich einen Ruck und wendet sich an den Mann mit dem Hund: „Entschuldigen sie, mein Bruder ist geistig behindert.“ „Ein I-di-ot.“, verbessert der Ältere seinen Bruder, wobei er jede Silbe betont. Der Mann steht wortlos auf und steigt an der nächsten Station aus. „Arschloch“, meint der Jüngere. „Oh, oh böses Wort“, sagt Simpel.
Seit der 17-jährige Colbert seinen 22-jährigen Bruder, der auf dem Stand eines Dreijährigen ist, aus der psychiatrischen Anstalt geholt hat, müssen die beiden allein in Paris zurechtkommen. Durch Zufall findet Colbert eine Kleinanzeige, in der zwei Mitbewohner für eine WG gesucht werden.
In dieser WG leben Enzo, Aria, ihr Freund Emmanuel, und ihr Bruder Corentin:
der missmutige Enzo, der seine sanfte Art hinter einer griesgrämigen Fassade versteckt, der in Aria verliebt ist und ein Buch über seine unerfüllte Liebe schreibt.
Corentin, der aus Frust zuviel raucht und zuviel isst.
Aria, die sich ihrer Liebe nicht sicher ist.
Emmanuel, der Medizinstudent, der denkt, er wisse alles besser und nicht in die WG zu passen scheint.
Als Colbert und Simpel, der eigentlich Bárnabé heißt, in die WG ziehen, gehen alle Bewohner vorerst auf Distanz. Als sich Simpel mit Enzo befreundet, der auf ihn aufpasst, wenn Colbert in der Schule ist, schließen auch alle anderen Simpel bald ins Herz. Nach und nach verändert Simpel nun durch Zufälle das Leben seiner Mitbewohner. Enzo befreundet sich mit dem griesgrämigen Nachbarn, der ihm Tipps zum Thema Liebe gibt. Corentin treibt mehr Sport und hört auf zu rauchen. Aria findet ihre wahre Liebe in Enzo. Emmanuel merkt, dass er nicht in die WG passt.
Und währenddessen versucht Colbert sein eigenes Leben zu leben und sucht sich eine Freundin. Doch die wahre Liebe findet er erst durch die Menschenkenntnis Simpels, durch die Menschenkenntnis eines Dreijährigen.
Natürlich stiftet Simpel eine Menge Verwirrung, besonders als Madam Ugendamm (Jugendamt) auftaucht. Immer mit dabei ist Monsieur Hasehase, der Stoffhase Simpels, der ihn zu viel Schabernack überredet. Doch erst als Simpel Enzo, Aria, Corentin und Colbert zu ihrem Glück verholfen hat, ändert sich auch für Simpel etwas. „Monsieur Hasehase“ verliert seine symbolische Bedeutung...
Marie-Aude Murail erzählt in einfachen Worten, so dass das Buch flüssig zu lesen ist. Die humorvolle, lebenskluge und warmherzige Art, mit der Marie-Aude Murail Simpels Geschichte verfasst, lässt einen nicht mehr los. Man hat das Gefühl alle Personen des Buchs zu kennen.
Ich persönlich würde das Buch für Jugendliche ab 14 Jahren empfehlen. Für dieses außergewöhnliche Buch vergebe ich alle fünf Lesepunkte und lege es jedem ans Herz, der gerne lacht und lebensfroh ist.
(Betreut von Dr. Claudia Weiser)
Empfohlene Zitierweise
Marie-Aude Murail: Simpel, Frankfurt am Main: Fischer Schatzinsel 2007, 304 Seiten, ISBN 978-3-596-85207-9, EUR 13,90, gelesen von Isabel Weigl. lesepunkte 3 (2008), Nr. 2, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/5801/
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Erstellt: 11.04.2008
Zuletzt geändert: 11.04.2008




