Fittko

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Lisa Fittko: Mein Weg über die Pyrenäen. Erinnerungen 1940/41, München: dtv Reihe Hanser 2004, 336 Seiten, ISBN 978-3-423-62189-2, EUR 8,50. 

 

gelesen von Elisabeth Göppl, 9. Klasse
Gymnasium bei St. Anna, Augsburg

 

lesepunkte: ●●●●●

 


„Vor vier Tagen, als der drôle de guerre zu Ende war und der deutsche Angriff begann, verkündeten große, rote Plakate an allen Mauern, dass alle feindlichen Ausländer in camps du concentration interniert würden.“ (14)

In dem Buch „Mein Weg über die Pyrenäen. Erinnerungen 1940/41“ von Lisa Fittko geht es um die Flucht, die die Autorin zusammen mit ihrem Mann über Frankreich und schließlich nach Kuba unternahm. 

Lisa Fittko ist eine jüdische Antifaschistin, sie lernt ihren Mann in einer Widerstandsbewegung kennen. Zusammen mit ihm flüchtet sie über Prag, Zürich und Amsterdam nach Frankreich vor dem Nationalsozialismus in Deutschland. Doch Paris wird beim Ausbruch des Krieges zur Falle für sie und viele andere Emigranten. Denn alle „feindlichen Ausländer“ werden in Konzentrationslager interniert. 

Mit ihrer Freundin Paulette und einigen anderen Frauen gelingt es ihr, mit gefälschten Entlassungsscheinen aus dem Frauenlager von Gurs zu entkommen. Sie sucht ihren Mann, Hans Fittko, und findet ihn schließlich durch die Hilfe von Freunden in Marseille wieder. Dort treffen sie auf das „Emergeny Rescue Commitee“. Zusammen mit dem Komitee helfen die beiden anderen Flüchtlingen, sich Papiere zu beschaffen, und bringen sie dann in Fußmärschen auf einem alten Schmugglerpfad, der F-Route, über die Pyrenäen. 

Von Spanien aus können die Flüchtlinge dann in das neutrale Portugal fliehen. Dies alles geschieht immer unter größter Gefahr, nicht nur für die Flüchtlinge, sondern auch für sie selbst, da sie nur abgelaufene Pässe besitzen und sie außerdem auf der Auslieferungsliste der Nazis stehen. Doch mit gefälschten Ausweisen und der Hilfe mancher Kommandanturen, die ihnen trotz des Verbotes Papiere ausstellen, schafft das Ehepaar es doch, unentdeckt in Frankreich zu bleiben. 

Ihr erster eigener Fluchtversuch gelingt allerdings nicht, da die Fittkos aufgrund einiger Probleme nicht in der vorgegebenen Zeit nach Panama ausreisen können. Ihr zweiter Ausreiseversuch ist aber erfolgreich, obwohl er aufgrund einiger Probleme fast wieder nicht gelingt – beispielsweise werden Lisa Fittkos Eltern, die als Juden in der besetzten Zone in Frankreich geblieben sind, bei einem Fluchtversuch ins unbesetzte Frankreich verhaftet. Das Ehepaar schafft es dann aber doch, durch das schwedische Konsulat ihre Eltern zu befreien und nach Cassis zu bringen.  

Hans und Lisa Fittko reisen nun legal, da sie sich alle entsprechenden Papiere durch das „Emergeny Rescue Commitee“ besorgen konnten, über Spanien nach Portugal und von dort weiter mit dem Schiff nach Kuba. Dort schaffen sie es, sich trotz des Einflusses der Nazis durchzuschlagen und bekommen schließlich sogar Ausweise.  

Das Buch ist autobiographisch, wobei sich die Autorin nie selbst lobt oder als Heldin darstellt. Sie erzählt einfach ihre Geschichte, und dies überaus spannend.  

Das erste Kapitel beschreibt kurz ihre Geschichte bis 1940 und gibt eine Übersicht über die allgemeine politische und gesellschaftliche Lage. Von dem zweiten Kapitel an erzählt sie nun ihre Geschichte ab Paris genauer, wobei sie hin und wieder aus der Geschichte „herausgeht“ und kurz erklärt, was mit einer Person, die sie selbst auf ihrer Reise getroffen hat, geschah. Weiterhin geht sie in der Erzählung um die F-Route komplett in den Tagebuchstil über. Später erzählt sie wieder ihre Geschichte weiter, allerdings verzichtet sie nun fast komplett auf Informationen, die sie im Nachhinein bekommen hat. Ab ihrer Schifffahrt von Portugal nach Kuba und von ihrer Zeit dort erzählt sie wieder alles nur in kurzen Absätzen und gibt in diesem Kapitel einen Überblick über die nächsten 40 Jahre. 

Der sehr ausführliche Anhang enthält eine Zeittafel von 1925-1945, einen Bericht über die Internierungspraxis in Frankreich 1939/1940, Informationen über das „Emergeny Rescue Commitee“, einen kurzen Bericht über die Verfolgten, Informationen über bekannte Personen, die sie auf ihrer Reise treffen, außerdem eine Worterklärung, in der alle französischen Worte und Begriffe des Buches (mit Angabe der Seitenzahl) übersetzt werden. Im Einband des Buches gibt es außerdem eine Karte von Frankreich, die oft sehr hilfreich ist, um nicht den Überblick zu verlieren, wo die Geschichte gerade stattfindet. Außerdem werden im Buch auch persönliche Bilder des Ehepaars Fittko von Pässen und Porträts gezeigt. 

Ich gebe diesem Buch 5 von 5 Lesepunkten, da es der Autorin sehr gut gelungen ist, ihre eigene Geschichte spannend und packend zu erzählen. Ohne Ausschmückungen eigener Taten und ohne Selbstmitleid. 

(Betreut von Dr. Claudia Weiser) 

 

 

Empfohlene Zitierweise

Lisa Fittko: Mein Weg über die Pyrenäen. Erinnerungen 1940/41, München: dtv Reihe Hanser 2004, 336 Seiten, ISBN 978-3-423-62189-2, EUR 8,50, gelesen von Elisabeth Göppl. lesepunkte 3 (2008), Nr. 2, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/5799/

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Erstellt: 11.04.2008

Zuletzt geändert: 11.04.2008