Eberle

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Henrik Eberle: Mit sozialistischem Gruß! Briefe, Akten und Absurdes aus der DDR, Bergisch Gladbach: Bastei Lübbe Taschenbücher 2007, 336 Seiten, ISBN 978-3-404-60580-4, EUR 7,95. 

 

gelesen von Kathrin Ingenrieth, 12. Klasse
Gymnasium St. Wolfhelm, Schwalmtal

 

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Das Sachbuch „Mit sozialistischem Gruß!“ von Henrik Eberle besteht aus vielen kurzen Briefen, Akten und Kommentaren aus der DDR. Die abgedruckten Briefe wurden von Bürgern an die eigene Regierung oder an höhere Parteigenossen geschrieben. Zumeist ging es um die Probleme, die die Bürger in der DDR hatten, oder um Probleme der SED-Mitglieder mit dem Verhalten der kapitalistischen (Außen-)Welt.

Das Buch gliedert sich nach einigen großen Problem-Themen in sieben Kapitel. Die Auswahl der Themen entspricht den auch heute noch gängigen DDR-Klischees. So wird in einem Kapitel über die Mangelwirtschaft geschrieben, in einem anderen über die Fluchtversuche von DDR-Bürgern. Diese Themenauswahl ist etwas enttäuschend, da dies genau die Themen sind, die aus diversen Filmen wie „Good bye Lenin“ oder aus „Ostalgie-Shows“ bekannt sind.  

Auf dem mit einem DDR-Ampelmännchen und einem roten Briefumschlag ansprechend gestaltetem Cover wird dem Leser oder der Leserin ein Buch mit Absurdem angekündigt. Der Inhalt ist absurd, aber leider zumeist nicht lustig, sondern langatmig und manchmal sogar langweilig.  

So behandelt eine Stelle im zweiten Kapitel einen Brief von Walter Ulbricht, in dem er einer Seminargruppe gestattet, sich „IV. Parteitag der SED“ zu nennen. Dabei verweist er auf die große Pflicht, der Auszeichnung alle Ehre zu machen (S.76). Das ist absurd, aber nicht lustig. Dies soll nur ein Beispiel für zahlreiche solcher Briefe sein, die das Lesevergnügen bremsen. 

Das mag damit zusammenhängen, dass ich als junge Leserin die DDR nur aus Filmen, dem Schulunterricht und Erzählungen kenne. Um dieses Buch wirklich zu verstehen, muss man mehr über die DDR wissen als Planwirtschaft, Trabi und SED. Ohne diesen Staat wirklich miterlebt zu haben, ist es nur schwer vorstellbar, dass es für die Bürger der DDR nur selten Bananen, Apfelsinen oder Kaffee gab. Viele Witze fallen auf diese Weise unter den Tisch, und das Buch wird langatmig. Es hat mich nie richtig erreicht und konnte mich mit seiner Grundstruktur nicht überzeugen. 

Das Konzept wirkt schnell ermüdend, und man muss sich als Leser überwinden, weiter zu lesen. Da es Henrik Eberle trotz kurzer Texte zwischen den einzelnen Akten und Abbildungen der Originaldokumente nicht gelingt, einen größeren Zusammenhang herzustellen, wirkt das ganze Buch bruchstückhaft. 

Oftmals ist man beim Lesen gezwungen, inne zu halten und sich zu fragen, ob dieser neue Brief in Verbindung zu vorhergehenden Briefen steht und wenn ja, in welcher. Aufgrund dieser Schwäche in der Lesbarkeit würde ich empfehlen, dieses Buch nicht im Ganzen zu lesen, sondern zu versuchen, jedes Kapitel für sich zu nehmen. 

Die Schwächen in der Lesbarkeit sind wohl auf den Wunsch zurückzuführen, viele kleine Texte zu einem großen zusammenzufassen. Dass dies nur bedingt möglich ist, wird sehr deutlich. 

Normalerweise sollte man sich nach der Lektüre eines Sachbuches nicht die Frage stellen müssen, was einem dieses Buch Neues gezeigt und gebracht hat. Bei diesem Buch ist das aber leider der Fall. Ein Lerneffekt stellt sich nicht ein, und das macht das Buch nur wenig brauchbar. 

Der Autor Henrik Eberle gibt genau an, wo die benutzten Quellen zu finden sind und erfüllt somit die Anforderungen an ein seriöses Sachbuch. Auch die in den einzelnen Quellen zum Teil zahlreich verwendeten Abkürzungen werden im letzten Kapitel des Buches aufgelistet und ausführlich erklärt, sodass hier keine Verständnisprobleme entstehen  

Ich habe dieses Buch mit nur einem Punkt, also „muss man nicht gelesen haben“, bewertet, da zum einen der versprochene Witz bei mir ausblieb. Zum anderen ist das Buch nur schwer im Zusammenhang zu lesen. Ein weiterer Aspekt, der mich während des Lesens beschäftigt hat, ist die Frage, ob es richtig ist, über die Menschen, die diesen Missständen unweigerlich ausgesetzt waren, zu lachen; oder ob es richtig ist, sie bei ihren Bemühungen mit dem System umzugehen, zu belächeln. 

Alles in Allem würde ich beim Kauf dieses Buches darauf achten, für wen es bestimmt ist. Bei einer Person, die die DDR miterlebt hat, findet es vielleicht mehr Anklang. 

(Betreut von Markus Brans) 

 

 

Empfohlene Zitierweise

Henrik Eberle: Mit sozialistischem Gruß! Briefe, Akten und Absurdes aus der DDR, Bergisch Gladbach: Bastei Lübbe Taschenbücher 2007, 336 Seiten, ISBN 978-3-404-60580-4, EUR 7,95, gelesen von Kathrin Ingenrieth. lesepunkte 3 (2008), Nr. 1, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/5677/

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Erstellt: 05.02.2008

Zuletzt geändert: 05.02.2008