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Donna Jo Napoli: Donata, Tochter Venedigs, Frankfurt am Main: Fischer Schatzinsel 2006, 352 Seiten, ISBN 978-3-596-80438-2, EUR 7,95.
gelesen von Alexandra Harmes, 9. Klasse
Marienschule Krefeld
lesepunkte: ●●○○○

Der Jugendroman „Donata, Tochter Venedigs“ von Donna Jo Napoli erschien 2002 erstmals in englischer Sprache. Er spielt in Venedig im Jahre 1592: Das Leben wird von strengen gesellschaftlichen Regeln bestimmt, besonders das der Frauen. Donata, die Tochter einer sehr angesehenen Familie, weiß, dass sie später ein Leben im Kloster führen muss, denn nur eine ihrer fünf Schwestern wird verheiratet werden. Donata möchte kein Leben in Gefangenschaft, verkleidet sich als Junge und flieht. Sie lernt das Judenviertel kennen und den Schreiberjungen Noé, in den sie sich schließlich verliebt.
Ich bin von dem Roman sehr enttäuscht. Die Geschichte klingt zunächst sehr interessant, allerdings finde ich die Umsetzung nicht besonders gut. Donata ist ein starker Charakter, eine sehr kluge, moderne und entschlossene junge Frau. Die Modernität soll durch die Erzählweise im Präsens verstärkt werden, was nur bedingt klappt, denn der historische Teil des Romans wird so in den Hintergrund gedrängt. Zudem enthält der Text viele Begriffe, die vermutlich zu der Zeit noch nicht üblich waren und so das textliche Gesamtbild zerstören. Dies ist ein großer Störfaktor. Zudem werden am Anfang viel zu viele unwichtige Personen erwähnt, wie zum Beispiel die Geschwister von Donatas Eltern. Sie tauchen nicht wieder im Strang der Haupthandlung auf, werden jedoch in Rückblenden und im Zusammenhang mit unwichtigen und langweiligen Details erwähnt. So wird der Einstieg in das Buch für den Leser erschwert und das Erzähltempo der Geschichte um Donatas Schicksal stark gebremst. Dieser Umstand bessert sich glücklicherweise in der zweiten Hälfte des Buches.
Gelungen hingegen finde ich die Tatsache, dass in der Ich-Perspektive erzählt wird. Der Charakter der Protagonistin und ihr entschlossenes Handeln werden so besser deutlich. Donata ist ein außergewöhnlich kluges Mädchen und stellt die Rolle der Frau und das gesellschaftliche Ideal mit ihrem Handeln in Frage. Historische Hintergründe werden beiläufig erwähnt und nicht auf eine gezwungene Weise eingeführt. Allerdings geht, wie bereits erwähnt, viel durch die Erzählweise im Präsens verloren. Die Familienverhältnisse werden jedoch glaubwürdig dargestellt. Donata hat elf Geschwister, was zu dieser Zeit eine nicht ungewöhnliche Zahl ist. Durch Epidemien sind allerdings auch vier Geschwister ums Leben gekommen, wie Donata in Rückblenden erzählt. Die gesellschaftlichen Verhältnisse in Venedig zu dieser Zeit sind hart, auch wenn man reich ist. Besonders Frauen leiden unter ihrer Rolle. Dies kommt in dem Werk sehr gut heraus.
Trotz dieser gelungenen Aspekte hat mir das Lesen des Buches keinen Spaß gemacht, da meiner Meinung nach die historische Atmosphäre verloren geht und die Erzählung in der Gegenwart nicht passend ist. Außerdem hat mir das Ende des Buches nicht gefallen, es war einfach zu viel des Guten. Abschließend kann ich den Roman Lesern empfehlen, die der Widerspruch zwischen historischem Handlungsort und moderner Erzählweise nicht stört. Sonst ist es eine sehr ernste, aber gut durchdachte Geschichte mit einer außergewöhnlichen Protagonistin, die deutlich macht, wie gut es die Frauen in Europa heute haben. Ich persönlich kann leider aufgrund der oben genannten Kriterien nicht mehr als zwei Punkte vergeben.
(Betreut von Dr. Ansgar Hoff)
Empfohlene Zitierweise
Donna Jo Napoli: Donata, Tochter Venedigs, Frankfurt am Main: Fischer Schatzinsel 2006, 352 Seiten, ISBN 978-3-596-80438-2, EUR 7,95, gelesen von Alexandra Harmes. lesepunkte 2 (2007), Nr. 6, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/5618/
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Erstellt: 13.12.2007
Zuletzt geändert: 13.12.2007




