Damwerth

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Ruth Damwerth: Schwarz Rot Braun, Düsseldorf: Sauerländer Verlag 2005, 232 Seiten, ISBN 978-3-7941-8030-1, EUR 14,90.

 

gelesen von Laura Lehmacher und Eva-Maria Sigl, 11. Klasse
Wernher-von-Braun-Gymnasium Friedberg

 

lesepunkte: ●●●●○

 


In den Jahren 1931 bis 1933 wurde die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei zunehmend populärer und immer mehr Menschen schlossen sich dieser radikalen Bewegung an. Einer der Gründe bestand sicherlich in der sich stetig verschlechternden Situation auf dem Arbeitsmarkt, da die begeisternden Redner der NSDAP gerade bei vielen Arbeitslosen Hoffnungen weckten. Während die Zahl der fanatischen Anhänger rasch zunahm, fanden sich in Zentrum, KPD und SPD erbitterte Gegner der Braunen; letztere jedoch zeigten sich intolerant gegenüber Andersdenkenden und gingen mit Gewalt gegen sie vor. Straßenkämpfe bestimmten mancherorts den Alltag. In den Städten herrschte Krieg.

Mitten in diesem „Krieg“ steckt der 15-jährige Josef, der als Kind einer streng katholischen Familie aus Münster die Meinung des Zentrums aus tiefster Überzeugung vertritt. Bereits als sein Vater ihn das erste Mal anlässlich seiner neuen Lehrstelle bei der Maschinenfabrik Tepper zu einem Treffen der Zentrums-Partei mitnimmt, ist Josef von der Atmosphäre mitgerissen, doch bei der Veranstaltung bemerkt er den starken Einfluss, den die Nationalsozialisten trotz ihrer noch geringen Anzahl im Münsterland haben. Diese stören durch Krawalle und Randale die Ordnung im Saal. Da die gewalttätigen Übergriffe der Nazis zunehmen – Josef bekommt diese inzwischen auch an seinem neuen Arbeitsplatz zu spüren – ,beschließt sein Bruder eine Gegenbewegung zu gründen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten entsteht die katholische Liga, die mit Werbeveranstaltungen für ihre Bewegung und mit Protestaktionen den Nazis den Kampf ansagt. Dabei geraten die Brüder mitunter in ernsthafte Schwierigkeiten. 

In diese Konflikte auf politischer Ebene webt Ruth Damwerth in ihrem Roman Privates ein, so zum Beispiel eine kleine Romanze: Franziska gehört zu den wenigen Personen, von denen sich Josef verstanden fühlt. Doch alles hat seine Schattenseiten: Franziskas Vater gehört der NSDAP an. Privates und Politisches verzahnt sich. Doch das ist nicht das einzige Problem. Josefs Eltern dürfen nichts von ihren heimlichen Treffen erfahren... 

Die Wirkung des Buches hängt stark vom Leser selbst ab. Es empfiehlt sich, Vorkenntnisse über die Zeit, in der die Handlung spielt, mitzubringen, da es das Verständnis erleichtert. Um sich von diesem Buch fesseln zu lassen, sollte man ernsthaftes Interesse an dieser Zeit zeigen. Eine genaue Altersempfehlung kann nicht festgelegt werden, jedoch nimmt das Buch den Leser in Anspruch, weshalb eine gewisse Reife Voraussetzung sein sollte.  

Mehrdeutig ist der rätselhafte Titel des Romans: Einerseits sollen die Farben „Schwarz Rot Braun“ offenbar auf die Parteien Zentrum, KPD und NSDAP anspielen; auf der anderen Seite lässt sich vermuten, dass der Titel ein Symbol für die Entwicklung Deutschlands zu Zeiten des Nationalismus ist. Dass die Farbe Gold in der Nationalflagge durch ein tristes Braun ersetzt wird, zeigt, was gleichermaßen mit dem Land geschah: Es verlor durch den Nationalsozialismus selbst seinen Glanz. 

(Betreut von Christof Paulus) 

 

 

Empfohlene Zitierweise

Ruth Damwerth: Schwarz Rot Braun, Düsseldorf: Sauerländer Verlag 2005, 232 Seiten, ISBN 978-3-7941-8030-1, EUR 14,90, gelesen von Laura Lehmacher und Eva-Maria Sigl. lesepunkte 2 (2007), Nr. 6, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/5614/

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Erstellt: 13.12.2007

Zuletzt geändert: 13.12.2007