Parigger

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Harald Parigger: Es tut fast gar nicht weh, Düsseldorf: Sauerländer Verlag 2005, 160 Seiten, ISBN: 978-3-7941-7037-1, EUR 10,90. 

 

gelesen von Julia Langhof, 9. Klasse
Willi-Graf-Gymnasium, München

 

lesepunkte: ●●○○○ 

 


In dem historischen Roman "Es tut fast gar nicht weh" von Harald Parigger geht es um Angela Kiefer, die neugierig in der Vergangenheit zweier toter alter Frauen gräbt und eine unfassbar grausame Geschichte, die während des Zweiten Weltkrieges spielt, zu Tage bringt.

Angela Kiefer arbeitet als Altenpflegerin im Seniorenwohnheim "Haus Sonnenblick". An einem ihrer Arbeitstage entdeckt sie die Leiche einer ihrer Patientinnen, Ruth Kleinschmitt. Sie hat sich kurz vor ihrem Tod sehr merkwürdig benommen und als dann eine ihrer Freundinnen, Hilde Gerber, am Grab ihrer Freundin ruft: "Jetzt hat er dich also doch noch gekriegt", lässt Angela sich von ihrem Spürsinn treiben und versucht etwas über die alte Dame herauszubekommen. Ein paar Tage und ein paar Hinweise später wird auch Frau Gerber tot aufgefunden. Jetzt ist sich Angela sicher, dass es sich um Mord handelt, ganz egal, was die anderen sagen. 

Angela findet ein Foto, das einen Untersturmführer der SS zeigt. Mit Hilfe des Zivis Stefan und der Geschichten eines Patienten lassen sich grausame Geschehnisse während des Zweiten Weltkrieges ermitteln. Angela wird von allen Seiten gewarnt, verabredet sich aber doch mit einer Verwandten der einen toten Patientin, Miriam Rosenblum. So erfährt sie, dass die beiden alten Damen Jüdinnen waren, die in einem Konzentrationslager mit medizinischen Versuchen gequält wurden. Und das ist noch lange nicht alles, denn es gibt ja noch das Foto, das in unmittelbarer Verbindung zu den beiden Toten steht ... Den Rest kann der Leser ja dann erfahren, nur soviel: Es wird gegen Ende doch noch ziemlich spannend. 

Das Buch hat 160 Seiten und ist in 19 Kapitel unterteilt. Es ist sehr übersichtlich gestaltet und das Titelbild und der Buchrücken lassen auf einen spannenden, historisch interessanten Roman schließen. Ich bin mit hohen Erwartungen an dieses Buch gegangen, da ich von Harald Parigger auch das Buch "Der schwarze Mönch" gelesen habe. 

Was mir an dem Buch sehr gut gefallen hat, war, dass Parigger es wunderbar meistert, historische Quellen glaubhaft und sehr real in den Roman einzubeziehen. Die Information über geschichtliche Hintergründe war genau so dosiert, dass man etwas lernt, aber nicht gelangweilt wird. Ein weiterer Punkt, den ich als Leserin auch sehr genossen habe, war der zeitweilige Sprung in eine andere Perspektive, z.B. als die Verwandte der Freundin der Toten, Miriam Rosenblum, die Leidensgeschichte der beiden im KZ erzählt oder als der Mörder aus seiner Sicht die beiden alten Damen schildert. Dieser Perspektivwechsel macht den Roman in diesen Abschnitten unglaublich spannend und man konnte sich dadurch besser in die Geschichte hineinversetzen. 

Angela Kiefer, die Heldin des Buches, ist eine Person, mit der ich mich ganz gut identifizieren konnte. Sie ist durchschnittlich hübsch und ehrgeizig und das macht sie den Lesern ziemlich sympathisch, noch dazu, weil man mitbekommt, dass sie aus ihrer Langeweile und Eintönigkeit ausbrechen möchte. 

Was mir weniger gefallen hat, war diese in allen Details ausgebreitete Liebesgeschichte zwischen Angela und dem Medizinstudent Lukas. Es wirkt die ganze Zeit über etwas surreal und fehl am Platz. Ich hatte mich auf einen geschichtlich interessanten, spannenden Roman gefreut, einen Roman, der knapp am Krimi liegt. Durch diese, am Schluss sogar peinlich endende Liebesgeschichte, wurde zu sehr die Form eines konventionellen Romans erfüllt. 

Für mich hätte die Liebesgeschichte weggelassen und ein wenig mehr Spannung eingefügt werden sollen. Ansonsten ist das Buch sehr gelungen. 

Im Kampf mit Verzweiflung, Angst und Tapferkeit wird eine spannende Geschichte wiedergegeben, die die Leser packt und die geschichtlichen Hintergründe sehr interessant macht. Wer ein Jugendbuch mit historischem Inhalt sucht, das sowohl Krimi, als auch Liebesgeschichte vereint, ist mit diesem Buch fündig geworden. Wegen seiner rückgreifenden Erzählungen und wegen der Grausamkeiten, die in ihm vorkommen, würde ich das Buch aber erst Schülerinnen und Schülern ab 13 Jahren empfehlen. 

(Betreut von Heike Schön) 

 

 

Empfohlene Zitierweise

Harald Parigger: Es tut fast gar nicht weh, Düsseldorf: Sauerländer Verlag 2005, 160 Seiten, ISBN: 978-3-7941-7037-1, EUR 10,90, gelesen von Julia Langhof. lesepunkte 2 (2007), Nr. 5, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/5542/

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Erstellt: 19.10.2007

Zuletzt geändert: 19.10.2007