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Robert Harnum: Und dann Totenstille. Klassenbester. Basketballstar. Amokläufer, Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch Verlag 2004, 256 Seiten, ISBN 978-3-596-80504-4, EUR 8,95.
gelesen von Stephanie Hammer, 10. Klasse
Katharinen-Gymnasium Ingolstadt
lesepunkte: ●●●○○

Intelligent, gutaussehend und beliebt – so könnte man Philip Carmichael, die Hauptfigur des Romans „Und dann Totenstille“ von Robert Harnum charakterisieren. Er ist einer der Besten seiner Klasse, der Star seiner Basketballmannschaft und seine Freundin ist das wohl begehrteste Mädchen der ganzen Schule. Und dennoch wird er zum Amokläufer und Massenmörder.
Aber warum?! Diese Frage stellt man sich beim Lesen des Buches immer und immer wieder. So hat man doch ein ganz bestimmtes Bild davon, wie so ein Highschool-Attentäter aussehen müsste. Ein „Looser“ sollte er sein. Dumm, nicht gerade der Hübscheste und von seinen Mitmenschen höchstens verspottet oder gar nicht beachtet. Nicht einer der Menschen, die man beneiden würde.
Welche Gründe also hat Philip, diese Bluttat zu begehen? Im Buch selbst kann man keine ersichtlichen Gründe erkennen, man bekommt eher das Gefühl, dass es nicht einmal Philip wirklich klar ist, warum er dies getan hat. Vielmehr vermittelt er dem Leser den Eindruck sich nicht nur der Gründe für seine Tat, sondern gar der Tat an sich nicht bewusst zu sein. Es wird deutlich, dass er das gesamte Ausmaß seines Handelns nicht begreift. Für ihn ist das Geschehene eine Verkettung unglücklicher Umstände.
Diese beginnt wohl schon, als er als kleines Kind zufällig seinen Onkel Tommy, einen wahren Waffenfanatiker, kennen lernt. Ohne Wissen seiner alleinerziehenden Mutter besucht er den Onkel heimlich immer öfter und lernt von ihm eine Waffe zielgerichtet und punktgenau abzufeuern. Stolz auf diese Erfahrungen erzählt Philip seinem besten Freund Jason davon. Jason glaubt Philip nicht ganz, was er erzählt, und drängt immer wieder darauf, dass Philip ihm doch einmal die Waffensammlung seines Onkels zeigen solle. Als Onkel Tommy also eines Tages verreist ist, dringen Philip und Jason in dessen Haus ein, und Jason überredet Philip ein AK-47-Sturmgewehr mit in die Schule zu nehmen, um dort ein wenig damit anzugeben. In der Schule verstecken sie das Gewehr in Philips Spind. In den nächsten Tagen versucht Jason immer wieder Philip dazu zu bewegen, das Gewehr wieder zurück zu seinem Onkel zu bringen. Erst jetzt wird er sich darüber klar, welchen Eindruck es erwecken muss, wenn man das Gewehr finden würde, zumal dies nicht besonders unwahrscheinlich ist, da bereits einige Personen darüber Bescheid wissen. Als Philip sich endlich dazu entschließt, das Gewehr wieder wegzubringen, ist es bereits zu spät. Als er das Schulgebäude verlassen will, kommt ihm bereits der Schuldirektor zusammen mit zwei Polizisten entgegen.
Ab diesem Zeitpunkt verläuft alles so surreal, als würde man sich in einem Film befinden. Die Polizisten beginnen zu schreien, dass Philip die Hände hochnehmen solle. Philip baut blitzschnell das Sturmgewehr zusammen, lädt es und beginnt zu schießen. Erst relativ ziellos auf die Polizisten und alles andere, das sich um ihn herum bewegt. Dann schaltet sein Kopf um und er richtet die Waffe gezielt gegen einzelne Personen und feuert solange, bis das Magazin leer ist.
Philip wird verhaftet und befragt. Seine Mutter engagiert zwei berühmte Anwälte, die gemeinsam mit Philip die weitere Strategie für den Prozess, der über das Strafmaß entscheiden wird, planen. Letztendlich wird Philip trotz seiner Starverteidiger zum Tod verurteilt.
Während sämtlicher Szenen, in denen Philips Gedanken und Gefühle beschrieben werden, bleibt immer eine Frage, die selbst am Ende des Buches nicht beantwortet wird: WARUM? Welche Gründe hat ein Mensch wie Philip Carmichael eine so grausame Tat zu begehen? Und wie kann er schließlich zu diesem Fazit kommen: „Ich bin bloß ein Typ, der zufällig mitten in den Sturm geraten ist, und ich werde wahrscheinlich in meinem eigenen kleinen Tanz hochgeweht und wieder nach unten gezogen (...), aber ganz gleich, wie man das sieht, es ist wirklich ganz schön cool.“?
Obwohl man als „normaler“ Mensch diese Aussagen Philips wahrscheinlich nie wird nachvollziehen können, kann man sich im Verlauf des Buchs auf eine seltsame Art fast immer in seine Lage hineinversetzen, auch wenn sein gesamtes Handeln vollkommen suspekt bleibt. Alles in Allem ist das Buch meiner Meinung nach sehr interessant geschrieben und deshalb durchaus lesenswert.
(Betreut von Dr. Matthias Schickel)
Empfohlene Zitierweise
Robert Harnum: Und dann Totenstille. Klassenbester. Basketballstar. Amokläufer, Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch Verlag 2004, 256 Seiten, ISBN 978-3-596-80504-4, EUR 8,95, gelesen von Stephanie Hammer. lesepunkte 2 (2007), Nr. 5, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/5546/
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Erstellt: 19.10.2007
Zuletzt geändert: 19.10.2007




