Vinke

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Hermann Vinke: Das Dritte Reich. Eine Dokumentation mit zahlreichen Biografien und Abbildungen, Ravensburg: Ravensburger Buchverlag 2005, 224 Seiten, ISBN 3-4733-5857-6, EUR 19,95. 

 

gelesen von Hacim Abu-Zaid, 10. Klasse
Gymnasium St. Wolfhelm, Schwalmtal-Waldniel

 


Hermann Vinkes Text beschäftigt sich mit der Herrschaft des Nationalsozialistischen Regimes in Deutschland. Dabei stellt Vinke die historischen Zusammenhänge klar da, ohne den Leser einer Überreizung durch Informationen auszusetzen. Vinke gliedert seinen Text in 14 Kapitel, die chronologisch angeordnet sind. Jedoch werden auch manche Kapitel, die sinngemäß zusammengehören, hintereinander gesetzt. So werden „Die Verfolgung der Juden“ und der „Holocaust“ zusammen hinter das Kapitel „Das Inferno des Zweiten Weltkriegs“ gestellt, obwohl die Judenverfolgung auch schon vor dem Krieg ihr grausames Gesicht gezeigt hat.

Der gesamte Text besteht aus Verfassertexten. Einige Quellen sind in Zitaten angeführt. Oftmals werden diese Zitate als prägnante Einleitung für ein neues Überkapitel benutzt, wie z.B. „Alltag unter dem Hakenkreuz – ‚Bei Feierstunden, bei weihevollen Liedern, fühlten wir uns in die Gemeinschaft eingebunden. In diesen Augenblicken hätten wir fürs Vaterland sterben können.’ Lothar Scholz, Jahrgang 1928“. (37) 

Die Texte sind flüssig und gut verständlich geschrieben. Vinke nutzt Bilder um seine Darstellungen zu unterstreichen. So dienen die Bilder dem Leser auch als anschauliche Ergänzung zu den Texten. 

Zu jedem Großkapitel gibt es mehrere Unterkapitel, die sich jeweils mit einem Aspekt des übergeordneten Themas beschäftigen, so enthält das Kapitel „Rassen- und Größenwahn – der genormte Mensch“ einen Abschnitt „Arisch – nicht arisch“. Besonders aussagekräftig sind die Biografien, die tragende Personen zum Thema vorstellen. Darunter sind nicht nur Biografien über Nazigrößen wie Hitler, Goebbels, Göring, sondern auch Biografien eher unscheinbarer Personen mit genauso tragenden und exemplarischen Rollen wie z.B. von Alfred Hugenberg oder auch von Gegnern des Nationalsozialismus wie Kurt Schumacher, Marek Edelmann und Helene Holzman. 

Die Abbildungen zeigen verschiedene Personen: vom Nazigegner bis hin zum Naziopfer. Sie zeigen verschiedene Orte: von vorrückenden Armeen bis hin zum Konzentrationslager. Und sie zeigen verschiedene Situationen: von der Siegerehrung der Wehrmachtssoldaten bis hin zur Hinrichtung der Regimegegner. 

Vinke lässt gezielt Details weg. Er beschränkt sich auf aussagekräftige Aspekte, die das Böse und Gefährliche am Nationalsozialismus aufzeigen. Er blendet aber nichts aus, sonder geht nur so weit ins Detail, wie es nötig ist um den Sachverhalt zu verdeutlichen. Zum Beispiel berichtet er nicht detailliert über den Verlauf des Zweiten Weltkriegs, sondern fasst die Abläufe oftmals zusammen: “Die Wehrmacht eilt zunächst von Sieg zu Sieg.“ (96) (Betrachtung der ersten Ostoffensive). 

Vinke betrachtet in den einzelnen Kapiteln das Thema „Das Dritte Reich“ von allen Seiten. Er bewertet selbst nicht, begründet aber oft anschaulich bereit bekannte Ansichten, wie z.B. „Hitler lässt sich gern ‚Größter Feldherr aller Zeiten’ nennen.[...] Mit seinen Feldherrnqualitäten ist es jedoch nicht weit her, wie schon das erste Halbjahr 1941 zeigt. Ohne Not begibt Hitler sich in einen Mehrfrontkrieg.“ (94) 

Vinke gibt immer wieder Namen, Orte und Zeitpunkte an, wie z.B.: „Nach der Landung der Amerikaner und Briten an der französischen Atlantikküste am 6. Juni 1944 steht der Generalfeldmarschall vor einer unlösbaren Aufgabe. Trotz der hohen Verluste, die sie am Anfang erleiden, können die Alliierten eine derartige Streitmacht mobilisieren, dass die Heeresgruppe B ins Wanken gerät.“ (175) 

Der Text hat mir besonders gut gefallen, weil er einen flüssigen Überblick über das Nazi-Regime gibt, ohne dass man von einem Überfluss an Informationen erdrückt wird. Darüber hinaus zeigt der Text an einzelnen Beispielen die Grausamkeit und die Skrupellosigkeit des Nazi-Regimes auf. Durch einfache Formulierungen und eine Aufteilung in immer kleinere Unterkapitel ist der Text gut verständlich und aussagekräftig. 

Vermisst habe ich jedoch zwei Dinge. Das wäre zum einen eine Zeittafel zum Zweiten Weltkrieg, da ich diesen für eines der zentralen Verbrechen des Nazi-Regime halte. Eine Zeittafel hätte kurz und prägnant die Verbrechen der Nazis belegen können und mehr noch hätte sie den Ablauf des Zweiten Weltkriegs klar herausstellen können. Die zweite Sache ist, dass der Erste Weltkrieg und seine Folgen nur halbherzig abgearbeitet wurden. Die Gründe für den Krieg ebenso wie das Thema Weimarer Republik werden zwar angeschnitten, aber lediglich in den Aussagen „Schuldige gesucht“ (für den Ersten Weltkrieg) und „Demokratie ohne Demokraten“ (für die Weimarer Republik) eingefangen. Ich empfinde es als wichtig, den Ersten Weltkrieg in Zusammenhang mit den Nazis zu betrachten, da ein Begreifen des Ersten Weltkriegs zum Verständnis des Zweiten Weltkrieg notwendig ist. 

Alles in allem ist Hermann Vinkes Text über den Nationalsozialismus ein gelungenes Werk, das viele Aspekte beleuchtet, die wichtig sind um diese 12 Jahre eines Regimes von barbarischen Verbrechern zu verstehen. Der Text ist ein weiterer Baustein für ein Monument, das die Menschheit immer mahnen soll achtsam zu sein, damit solche schrecklichen Verbrechen, wie sie die Nazis begangen haben, sich nicht wiederholen können und nicht vergessen werden. 

(Betreut von Karoline Zielosko) 

 

 

Empfohlene Zitierweise

Hermann Vinke: Das Dritte Reich. Eine Dokumentation mit zahlreichen Biografien und Abbildungen, Ravensburg: Ravensburger Buchverlag 2005, 224 Seiten, ISBN 3-4733-5857-6, EUR 19,95, gelesen von Hacim Abu-Zaid. lesepunkte 2 (2007), Nr. 4, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/5477/

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Erstellt: 16.08.2007

Zuletzt geändert: 16.08.2007