Tuckermann

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Anja Tuckermann: "Denk nicht, wir bleiben hier". Die Lebensgeschichte des Sinto Hugo Höllenreiner, München: Hanser Verlag 2005, ISBN 978-3-446-20648-9, EUR 16,90. 

 

gelesen von Hannah Schmieg, 11. Klasse
Gymnasium Grafing

 


Das Buch „Denk nicht, wir bleiben hier“ behandelt die Lebens- und Leidensgeschichte des Sinto Hugo Höllenreiner zur Zeit des Nationalsozialismus. 60 Jahre nach dieser Zeit bringt er erstmals die Kraft auf, seine Geschichte der Berliner Schriftstellerin Anja Tuckermann zu erzählen, damit sie diese in einem Buch veröffentlichen und sie so der Nachwelt zugänglich machen kann.

Hugo Höllenreiner wird als drittältester Sohn einer in München lebenden Sinti-Familie geboren. Unter Sinti oder auch Roma hat man sich früher nomadisch lebende Völker vorgestellt, die oft auch als Zigeuner bezeichnet wurden. 

Hugos Vater handelt, wie viele in der Verwandtschaft, mit Pferden und betreibt ein kleines Fuhrunternehmen. Im Alter von neun Jahren wird Hugo mit einem Großteil seiner Verwandten nach Auschwitz-Birkenau ins „Zigeunerlager“ deportiert. Schon beim Transport fangen die Qualen an: Es werden so viele Menschen wie nur möglich in einen Zugwaggon gesteckt. Die Menschen, die zu schwach sind, sterben bald. Ihre Leichen werden erst aus den Waggons „entsorgt“, wenn der Zug hält. Als sie ankommen und unter dem Tor mit der Aufschrift „Arbeit macht frei“ hindurch gehen, breitet sich unter den Menschen im ersten Augenblick Erleichterung aus, sobald man sie aber in den Baracken unterbringt, ändern sie ihre Meinung schlagartig. In den folgenden zwei Jahren bis zur Befreiung durch die amerikanischen Soldaten im April 1945 durchlebt Hugo regelrecht die Hölle auf Erden. In diesen zwei Jahren erfährt er, was es heißt Hunger, Durst, Kälte, Krankheit, Schläge - und Angst, um sein eigenes Leben und auch um das seiner Familie zu erleben. 

Die Folterungen, die Hugo in dem KZ erfahren hat, werden so nachdrücklich beschrieben, dass ich manchmal das Gefühl bekommen habe, selbst ein direkter Zuschauer zu sein. Auch wird die Hilflosigkeit und Brutalität, die die Menschen in dem KZ erfahren mussten, sehr eindringlich beschrieben. Der Eindruck, den die Beschreibung hinterlässt, wird durch die Verwendung von wörtlichen Zitaten noch verstärkt. 

Gut habe ich an diesem Buch außerdem gefunden, dass der Text trotz der Einfügung von wörtlichen Zitaten immer noch flüssig zu lesen war. Auch, dass immer mal wieder Bilder und Originaldokumente eingefügt wurden, hat mir sehr gefallen. Am Ende finden sich sowohl ein Nachwort als auch eine Zeittafel, in dieser finden sich sowohl weitere Informationen zur Geschichte der Familie Höllenreiner, als auch historisch wichtige Ereignisse. Allerdings ist es empfehlenswert, während der Lektüre dieses Buches immer mal wieder Pausen einzulegen, da sonst die beschriebenen unmenschlichen und unwürdigen Zustände schwer zu verarbeiten sind. 

Es ist ein schonungsloser Bericht über die Verbrechen der Nazis aus der Sicht einer unmittelbar betroffenen Person, ohne irgendwelche Beschönigungen. Dieses Buch ist eines der wenigen Bücher, das zeigt, dass auch kleinere Randgruppen wie zum Beispiel die Sinti vor der Verfolgung durch die Nazis nicht sicher waren. Diese kleineren Bevölkerungsgruppen werden oft noch nicht einmal als Opfer erwähnt. „Denk nicht, wir bleiben hier“ ist ein weiteres Buch über die deutsche nationalsozialistische Vergangenheit, das daran erinnert, dass so eine Grausamkeit nicht noch einmal vorkommen soll. 

(Betreut von Uta Löhrer) 

 

 

Empfohlene Zitierweise

Anja Tuckermann: "Denk nicht, wir bleiben hier". Die Lebensgeschichte des Sinto Hugo Höllenreiner, München: Hanser Verlag 2005, ISBN 978-3-446-20648-9, EUR 16,90, gelesen von Hannah Schmieg. lesepunkte 2 (2007), Nr. 4, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/5475/

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Erstellt: 16.08.2007

Zuletzt geändert: 16.08.2007