Voorhoeve

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Anne C. Voorhoeve: Lilly unter den Linden, Ravensburg: Ravensburger Buchverlag 2006,  286 Seiten, ISBN 978-3-473-58228-0, EUR 6,95.

 

gelesen von Luna Gräbner, 8. Klasse
Siebold-Gymnasium Würzburg

 


1988. Nach dem Tod ihrer Mutter soll Lilly in ein Heim kommen. Doch dorthin will Lilly auf keinen Fall und so beschließt sie, zu ihrer Tante Lena zu ziehen. Dass diese im Osten von Deutschland wohnt, stört die weltoffene, unbekümmerte Dreizehnjährige nicht. Mit Hilfe von Pascal, einem ehemaligen Freund ihrer Mutter, schafft sie es, heimlich die Grenze zur DDR zu überqueren. Ohne größere Schwierigkeiten reist sie weiter nach Jena zu ihrer Tante. Doch dass sie dort nicht allen willkommen ist, hätte sie nicht gedacht.

Bei der Ankunft schlägt ihr Katrin, die Tochter Lenas, die Tür vor der Nase zu und lässt eine ratlose und verzweifelte Lilly zurück. Noch weiß sie nicht, wieso das verbitterte Mädchen den Kontakt zu ihr völlig ablehnt. Doch nach kurzer Zeit wird sie von ihrem Cousin ins Haus geholt und für Lilly beginnt ein spannendes Leben. Schnell merkt sie, dass „die aus dem Westen“ in der DDR nicht gut behandelt werden. Sie beginnt die Zeit vor ihrer Geburt wieder aufzurollen und kommt den Ereignissen um die Flucht ihrer Eltern in die Bundesrepublik Deutschland immer näher. So erfährt sie zum Beispiel, dass ihre Mutter Mitglied eines verbotenen Buchclubs war. Nachdem sie immer mehr Andeutungen mitbekommt, dass die Flucht ihrer Eltern für ihre Tante zum Verhängnis wurde, beginnt sie nachzuforschen. Ihr Onkel Rolf berichtet ihr, dass die schwangere Lena wegen Mithilfe zur Republikflucht der Schwester für drei Jahre ins Gefängnis kam. Das Kind wurde ihr weggenommen und nur weil die Tante Kontakte zur Staatssicherheit hatte, kam Katrin wieder in ihr Elternhaus zurück. Aber da Lilly trotz allem illegal in die DDR eingereist ist, will die Staatssicherheit sie wieder in ihr Land zurückbringen, um sie dort einer Pflegefamilie zu übergeben. Und so muss sie schließlich wieder in die Bundesrepublik zurück. 

Doch Lilly ist kein Mädchen, das so schnell aufgibt, und deshalb versucht sie alles, um in die Deutsche Demokratischen Republik zurückkehren zu können. Sehnsüchtig denkt sie im Westen an die Zeit zurück, die sie bei ihren Verwandten verbracht hat. Das Leben in der DDR ist für sie zwar ungewohnt und anders, aber die Aussicht, bei einer fremden Familie leben zu müssen, ist für sie weitaus schlimmer als in einem Land zu leben, in dem man nicht frei sein kann. Doch erst nach Monaten des Hoffens und Bangens fällt die Berliner Mauer und sie kann endgültig „nach Hause“ zurückkehren. Und so verbringt Lilly mit ihrer neu zurück gewonnenen Familie wunderschöne Ferien in Ungarn. Auch von ihrer Cousine Katrin wird sie nun akzeptiert. Denn diese hat eingesehen, dass Lilly mit den Ereignissen in ihrer frühen Kindheit nichts zu tun hat. 

Der Einblick in das Leben der Bewohner der DDR ist der Autorin gut gelungen. Der krasse Gegensatz zwischen Ost und West und die Einstellung der regierenden Parteien wird sehr gut dargestellt. "'Was soll denn das?', fragte ich Till. [...] 'Wer den Frieden erhalten will, muss kämpfen gegen im-pe-ri-a-listische Gewalten.-Verstehst du das?' 'Klar', sagte Till frohgemut. 'Die Imperialisten seid ihr.' [...] 'Wir? Aber was heißt denn das überhaupt?'"(170) 

Die Handlung der Geschichte ist gut nachvollziehbar, da sie in dieser Zeit tatsächlich hätte passieren können. Denn auch in der Realität wurden damals Familien auseinander gerissen. Zunächst verblüfft es etwas, dass jemand von West nach Ost gehen will, aber die Zusammenhänge werden sinnvoll begründet. Die geschichtlichen Hintergründe im Buch sind genau rekonstruiert. Der Aufbau der Geschichte ist gut konstruiert. Die verschiedenen Handlungsstränge werden am Ende logisch zusammengeführt und alle beim Lesen des Buches aufkommenden Fragen werden beantwortet. 

Wenn du an der deutschen Nachkriegszeit interessiert bist, wird dir das Buch sicherlich gefallen. Die Geschichte ist allerdings nicht so sehr spannend geschrieben und in manchen Passagen passiert überhaupt nichts. Ich persönlich würde das Buch weiterempfehlen, weil die Handlung in dem spannenden historischen Zusammenhang steht und der Text Einblicke in die politischen Verhältnisse der Deutschen Demokratischen Republik vermittelt.  

Dieser Jugendroman ist gut zu lesen, die Schriftgröße ist optimal. Ich vermisse allerdings eine Karte, die die Landesgrenzen zu DDR-Zeiten darstellt. Auch Erklärungen zu damals gängigen Begriffen (was ist die NVA?) hätten nicht fehlen sollen. Ich selbst habe mit diesem Buch ein interessantes Stück Zeitgeschichte näher kennen gelernt und finde, dass diese Geschichte durchaus lesenswert ist. 

(Betreut von Rainer Maas) 

 

 

Empfohlene Zitierweise

Anne C. Voorhoeve: Lilly unter den Linden, Ravensburg: Ravensburger Buchverlag 2006, 286 Seiten, ISBN 978-3-473-58228-0, EUR 6,95, gelesen von Luna Gräbner. lesepunkte 2 (2007), Nr. 3, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/5076/

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Erstellt: 13.06.2007

Zuletzt geändert: 13.06.2007