Parigger

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Harald Parigger: Der Dieb von Rom, Würzburg: Arena Verlag 2006, 304 Seiten, ISBN 978-3-401-02901-6, EUR 7,50. 

 

gelesen von Miriam Karsten, 9. Klasse
Liebfrauenschule Köln

 


Der Roman „Der Dieb von Rom“ erzählt die Geschichte des 15-jährigen Marius und seiner Familie, die in der Kaiserzeit unter Kaiser Augustus gezwungen war, ihr schuldenbelastetes Landgut zu verkaufen. In Rom versucht sie, ein neues Leben zu beginnen. Doch die Unterschicht Roms muss ständig um Wohnungen und Arbeitsplätze kämpfen, um zu überleben. In Marius wächst immer mehr die Wut auf die Oberschicht, als er sieht, wie groß die Kluft zwischen Arm und Reich ist. Schließlich wird er mit Hilfe des Sklaven Alexios, der selbst früher ein gefürchteter Dieb war, und des Gladiators Marcellus, zum berüchtigtsten Dieb Roms…

Meiner Meinung nach wird das Buch vor allem dadurch lesenswert, dass es dem Autor gelingt, die spannende Handlung mit den Beschreibungen des römischen Lebens sehr gut zu verbinden. So kann sich der Leser in dieser – aus unserer Sicht fremden – Welt vertraut bewegen, ohne dass diese aufgedrängt wird oder bewusst lehrreich wirkt. Der Geschichte liegt zwar keine historische Begebenheit zu Grunde, aber sie wirkt dennoch sehr realistisch und ist gut vorstellbar. Dies gelingt z.B. durch den Auftritt von historischen Persönlichkeiten dieser Zeit; zudem wird dem Leser klar, dass das Schicksal von Marius' Familie damals sicherlich kein Einzelfall war. Man gewinnt Einblick sowohl in das Leben der reichen Patrizier als auch in das der Unterprivilegierten. So bekommt man eine Vorstellung von deren Armut und Chancenlosigkeit. 

Die Spannung, die bereits im Handlungsablauf liegt, wird noch gesteigert durch die detailgenaue Beschreibung der Einbrüche. Dazu trägt bei, dass jeder Diebstahl letztendlich immer eine Herausforderung des Schicksals bleibt. Dies wird in den Passagen deutlich, in denen es selbst Alexios trotz seiner früheren Erfahrungen als Dieb und trotz seiner Klugheit schwer fällt, die Lage einzuschätzen. 

Sehr gelungen finde ich die Charakterisierung von Alexios. Der frühere Meisterdieb war auf Umwegen als Sklave zu Marius' Familie gelangt. Letztendlich findet er hier zu seinem alten Leben zurück: Nach anfänglichem Zögern – weil er weiß, wie gefährlich das Leben als Dieb ist – lehrt er Marius all das, was ihn selbst früher auszeichnete. Er fühlt sich für Marius verantwortlich, vor allem, als dieser die Faszination zum Stehlen in sich spürt. Trotz der erneut erwachten Faszination in ihm selber bleibt er auf Grund seines besonnenen und klugen Handelns für Marius die unentbehrliche Stütze. Aber als dieser sich in die Sklavin Nioba verliebt und dieser Bindung wegen stur an seinem Plan festhält, sie zu befreien, kann auch Alexios ihn nicht davon abbringen. Im Mittelpunkt steht hier die Sorge um seinen Schützling, denn Alexios sieht eine Parallele in ihrer beider Leben: Alexios wurde durch eine Frau, die ihm den Kopf verdreht hatte, überführt und zum Sklaven gemacht... 

Da die Gefühle von Marius ausführlich und realistisch beschrieben werden, hat der Roman auch eine überzeugende Hauptfigur. Er kommt auf Grund der Tatsache, dass er seine Gefühle offenbart, dem Leser sehr nahe. Marius wird durch die Hilfe von Alexios und Marcellus immer geschickter und sieht mit Genugtuung, dass ganz Rom sich vor ihm fürchtet. Schnell werden seine Beutezüge und deren Planung zu seinem alltäglichen Leben. Trotz des ausgleichenden Alexios bleibt Markus` Charakter eher hitzköpfig und stur. Allerdings muss man ihn noch von einer anderen Seite aus betrachten: seine Verhaltensweisen zeigen nämlich, dass er verbissen und zielstrebig seine Vorhaben verfolgt. Dabei stellt er die Liebe zu Nioba über alles. 

Das Ende des Romans gefällt mir nicht so gut, da dieses alles umfassende „Happy End“ wegen der geschilderten Vorgeschichte mit all ihren Gefahren und unüberwindbaren Hindernissen einfach nicht realistisch wirkt.Trotzdem ist dieses Buch aus meiner Sicht für alle empfehlenswert, die durch Romane gern mehr vom Leben im alten Rom erfahren möchten. „Der Dieb von Rom“ kann dies interessant und überzeugend mit einer spannenden Geschichte vermitteln.  

Zum Verständnis trägt auch bei, dass sich im Anhang des Buches Worterklärungen finden sowie ein Personenverzeichnis. Im Vergleich zu anderen Büchern, die etwa in dieser Zeit spielen und die ich kenne, gehört es aus meiner Sicht zu den am besten gelungenen. Ähnlich gut ist z.B. die Trilogie von Hans Dieter Stöver, die von dem Jungen Quintus handelt. 

(Betreut von Karin Kasprowicz) 

 

 

Empfohlene Zitierweise

Harald Parigger: Der Dieb von Rom, Würzburg: Arena Verlag 2006, 304 Seiten, ISBN 978-3-401-02901-6, EUR 7,50, gelesen von Miriam Karsten. lesepunkte 2 (2007), Nr. 3, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/5066/

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Erstellt: 13.06.2007

Zuletzt geändert: 13.06.2007


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