Prinz

  / lesepunkte.de / Archiv / Ausgaben / 2007/2

Alois Prinz: Lieber wütend als traurig. Die Lebensgeschichte der Ulrike Meinhof, Weinheim: Beltz & Gelberg 2007, 336 Seiten, ISBN 978-3-407-74012-0, EUR 9,00. 

 

gelesen von Eva Kettig und Laura Michel, 10. Klasse
Gymnasium Pegnitz

 


Als unser Deutschlehrer uns eröffnete, dass die Lektüre für dieses Halbjahr eine Biographie über Ulrike Meinhof sein wird, fragten wir uns erst einmal, wer das denn überhaupt sein soll. Mittlerweile wissen wir es: Ulrike Meinhof war eine ehemals sehr erfolgreiche und engagierte Journalistin in der Bundesrepublik der sechziger Jahre, die später aber den Weg in den Terrorismus einschlug.

Doch zunächst möchten wir für die übrigen Unwissenden den Inhalt kurz zusammenfassen. Den größten Teil ihrer Kindheit verbrachte die Waise Ulrike mit ihrer etwas älteren Schwester nach dem frühen Tod des Vaters und dem nur wenige Jahre späteren Ableben ihrer Mutter bei ihrer Pflegemutter Renate Riemeck. Das Mädchen war sehr gläubig und Riemeck, eine Professorin, übte insofern einen großen Einfluss auf sie aus, dass sie sie zur Pazifistin und kritischen Denkerin erzog. Ulrike Meinhofs Bekanntheit wuchs mit zunehmendem Alter durch viele Publikationen. Als sie bei der Mitarbeit an der Zeitschrift „konkret“ ihren späteren Ehemann Klaus Rainer Röhl kennen lernte, wandte sie sich aufgrund seines Einflusses dem Kommunismus zu. Dies war ein erster einschneidender Schritt in ihrem Leben. 

Da Röhl sie oft betrog, verließ sie ihn schließlich und sympathisierte mit immer radikaleren Meinungen. Dies ging so weit, dass sie sogar bei einer gewalttätigen Befreiungsaktion ihres Vorbilds Andreas Baader mitmachte, wobei sich mit den „Sprung aus dem Fenster“ ihr ganzes Leben ändern sollte: Sie ging in den Untergrund und wurde einer der führenden Köpfe der RAF (Rote Armee Fraktion). Nach vielen teils brutalen Anschlägen wurde die Führungsriege der RAF gefasst und Ulrike Meinhof beendete ihr Leben im Gefängnis wahrscheinlich durch Suizid. Die genaue Todesursache ist bis heute jedoch nicht ganz geklärt – Selbstmord oder Mord? 

Unsere Klasse war sich jedenfalls einig, dass der Inhalt des Buches zwar sehr spannend, aber manchmal auch schwer zu verstehen ist. Im Verlauf der Geschichte lernt man viel über die Motive, die verschiedene Menschen zu bestimmten Entscheidungen und Handlungen treiben. So verlässt Meinhof ihre beiden Töchter, um in den Untergrund zu gehen und das herrschende System zu verändern und, wenn nötig, auch mit Gewalt zu bekämpfen. Das Einzige, was bei der Lektüre zeitweise gestört hat, waren die sehr ausschweifenden Informationen zum geschichtlichen Hintergrund. Dadurch geriet das Leben Ulrikes manchmal fast etwas ins Abseits. Allerdings ist das Buch perfekt geeignet für Leute, die mehr über die Nachkriegszeit und das Denken in der damaligen Zeit erfahren wollen. 

Wie bereits angesprochen bereitete vor allem die Sprache einigen Schülern Probleme. Vielen aus der Klasse fehlten die zum Verständnis wichtigen Worterklärungen. (Wer weiß schon, was „Anthroposophie“ ist?) Trotzdem war der Zusammenhang immer klar und im Großen und Ganzen auch für Jugendliche verständlich. 

Insgesamt ist das Buch sehr lesenwert, da man einen besseren Einblick in das ungewöhnliche Leben Ulrike Meinhofs bekommt. Zudem lernt man beide Sichtweisen kennen – die öffentliche Meinung zur RAF und die der Mitglieder. Während die eine Seite nur den Terrorismus und die Gewalt sah, hatte der „Kampf“ für die anderen einen Sinn. Letztendlich muss sich jeder seine eigene Meinung bilden, doch sollte man immer an die Opfer des Terrorismus denken. Auch wenn man jetzt die Beweggründe für das Handeln Ulrikes besser versteht, ist und bleibt es grausam und unmenschlich. 

(Betreut von Volker Gerner) 

 

 

Empfohlene Zitierweise

Alois Prinz: Lieber wütend als traurig. Die Lebensgeschichte der Ulrike Meinhof, Weinheim: Beltz & Gelberg 2007, 336 Seiten, ISBN 978-3-407-74012-0, EUR 9,00, gelesen von Eva Kettig und Laura Michel. lesepunkte 2 (2007), Nr. 2, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/4988/

Bitte setzen Sie beim Zitieren dieses Beitrags hinter der URL-Angabe in runden Klammern das Datum Ihres letzten Besuchs dieser Online-Adresse.



Erstellt: 18.04.2007

Zuletzt geändert: 18.04.2007