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Susanne Fritsche: Die Mauer ist gefallen. Eine kleine Geschichte der DDR, München: dtv 2005, 152 Seiten, ISBN 978-3-423-62248-6, EUR 8,50.
gelesen von Johannes Göpfert, 12. Klasse
Maria-Theresia-Gymnasium München

Dieses Buch erzählt die Geschichte der DDR relativ kurz, aber durchaus schlüssig und hinterlässt insgesamt einen positiven Eindruck. Die Autorin Susanne Fritsche, 1979 in Thüringen geboren, hat die letzten Jahre des SED-Staates noch persönlich miterlebt.
Zunächst der Inhalt, grob skizziert: Es gibt fünf Kapitel, wovon sich das erste mit der Geschichte der DDR bis zur Geburt der Autorin befasst: Besatzungszonen, Gründung der beiden deutschen Staaten, 17. Juni 1953 und die Schlussakte von Helsinki. Das zweite Kapitel handelt von der Kindheit der Autorin und damit auch von der Struktur der Jugendorganisationen, dem Schulsystem und dem damaligen gesellschaftlichen Umfeld. Das folgende Kapitel enthält allgemeine Informationen über die ehemalige „Zone“. Der Staat, sein Aufbau, wirtschaftliche und politische Aspekte werden beleuchtet. Das vierte Kapitel behandelt den Niedergang der DDR mit den „Klassikern“ Montagsdemonstrationen, Mauerfall und Wiedervereinigung. Das fünfte und letzte beleuchtet schließlich die Aufarbeitung der Stasi-Akten und die Arbeit der Gauck-Behörde.
Die Sprache ist sehr eingängig und gut verständlich, auch von der Aufmachung des Buches gewinnt man ein bisschen den Eindruck, es sei besonders jugendgerecht. Ein relativ neutraler, sachlicher Erzählstil schafft einen angenehmen Ruhepol in den immer wieder aufflammenden, emotionalisierten Debatten über die Wiedervereinigung und Vergangenheit der DDR. Im unteren Teil der Seiten sind wichtige Persönlichkeiten, Ereignisse und Begriffe kurz erklärt. Beeindruckend ist die Fülle an Originaldokumenten, welche die Autorin insbesondere in Kapitel zwei aus ihren eigenen Beständen zusammengetragen hat. Insgesamt ist das Buch sehr anschaulich gefasst und gibt ein leicht verständliches und überzeugendes Bild der Deutschen Demokratischen Republik.
Die leichte Verständlichkeit nötigt die Autorin zu kleineren Vereinfachungen. So gut wie kein Vorwissen wird vorausgesetzt, was das Buch besonders für Jugendliche und Menschen, die sich mit der Materie noch nicht eingehender befasst haben, interessant macht. Andererseits führt dies dazu, dass es für bereits „Vorgebildete“ deutlich an Tiefe fehlt, wobei höchstens die Originaldokumente aus dem zweiten Kapitel von größerem Interesse sind. Hervorzuheben ist, dass die Lebensumstände in der DDR an keiner Stelle verherrlicht werden, man wird nicht mit „Ostalgie“ überschüttet, obwohl die Alltagsgegenstände teilweise einen ganz besonderen Charme vermitteln. Als unterstützende Lektüre ist dieses Buch auf jeden Fall zu empfehlen, da es neue Aspekte beleuchtet.
Literatur aller Art über die DDR gibt es genug, warum also ein weiteres Buch? Meiner Meinung nach deswegen, weil es nicht im Einerlei der historiographischen Werke zur DDR versinkt. Etwas Besonderes wird es vor allem durch die bereits erwähnten Originaldokumente, so zum Beispiel Lieder, Plakate, Wandzeitungen, Bücher und Zeitschriften. Diese haben mich persönlich am meisten fasziniert, während der Rest eher bekannt ist. Ich habe mich bereits mit dem Thema DDR befasst, weshalb insgesamt nicht viel Neues dabei gewesen ist, aber zum Einstieg ist dieses Buch ideal.
Deswegen, bedingte Leseempfehlung für bereits Informierte und besondere Lesempfehlung für „Einsteiger“ und Jugendliche.
(Betreut von Dr. Lorenz Maier)
Empfohlene Zitierweise
Susanne Fritsche: Die Mauer ist gefallen. Eine kleine Geschichte der DDR, München: dtv 2005, 152 Seiten, ISBN 978-3-423-62248-6, EUR 8,50, gelesen von Johannes Göpfert. lesepunkte 2 (2007), Nr. 2, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/4974/
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Erstellt: 18.04.2007
Zuletzt geändert: 18.04.2007






