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Ingeborg Bayer: Jacobäas Traum, Würzburg: Arena Verlag 2004, 356 Seiten, ISBN 978-3-401-05412-4, EUR 15,90 (Auflage vergriffen).
gelesen von Vanessa Wicklein, 8. Klasse
Meranier-Gymnasium Lichtenfels

“Der Eisregen fiel spät am Abend, schon halb in der Nacht. Er kam mit einer Plötzlichkeit, die niemand erwartet hatte, und noch ehe Jacobäa den Zofenhof der Fuggerhäuser am Weinmarkt verließ, waren die Straßen bereits so glatt, wie die sorgfältig geschmiedete Klinge eines Schwertes“ (7).
Die junge Augsburgerin Jacobäa lebt in einer Zeit gespaltener Welten: Nach dem frühen Tod ihrer Eltern wohnt sie mit ihren Brüdern und Großeltern in den Armenhäusern der Fugger. Täglich erlebt sie den Kampf zwischen den verschiedenen Religionsströmungen des 16. Jahrhunderts. Bei der reichen Kaufmannsfamilie Fugger arbeitet Jacobäa als Aushilfszofe. Sie träumt jedoch von einem besseren Leben als Puppenmacherin in Paris und von ihrer scheinbar verloren gegangenen Jugendliebe Valentin. Als dann ihre Großeltern sterben, verstreut sich ihre kleine Familie in alle Winde, sie selbst geht nach Paris. Dort, auf sich allein gestellt, scheint die Verwirklichung ihrer Träume nicht mehr allzu entfernt zu sein. Als sie dann für kurze Zeit nach Augsburg zurückkehrt, erkennt sie ihre Heimatstadt kaum wieder. Trotzdem macht sie sich dort auf die Suche nach ihrer großen Liebe.
So begleitet sie der Leser auf dem Weg durch die verschiedenen Welten ihres Lebens und erfährt ihre persönlichen Höhen und Tiefen. Jedoch spricht "Jacobäas Traum" nicht nur das weibliche Lesepublikum an, sondern gewährt auch einen Einblick in das Leben zu dieser Zeit und begeistert bestimmt ebenso den geschichtsinteressierten jungen Mann.
“Auf dieser Bank hatte Valentin ihr aber auch ein Wissen beigebracht, das nicht alle Mädchen in dieser Stadt vorzuweisen hatten: Mathematik, Philosophie (...)“ (159).
Mir hat das Buch gefallen, weil es flüssig zu lesen, die Sprache gut verständlich und die Schriftgröße angenehm ist. Zum einen sind unbekannte oder veraltete Wörter, die den authentischen Charme des Buches ausmachen, auf den letzten Seiten erläutert. Auch ist nach den Worterläuterungen angegeben, wo die Autorin ihr Wissen zum Thema entnommen hat. Zum andern kennt man die religiösen Konflikte dieser Epoche aus dem Geschichtsunterricht und findet sich schnell in die Gegebenheiten ein. Jedoch ist an einer Stelle die Handlung unterbrochen, der Leser erfährt den Zwischenschritt vom armen Mädchen zur reichen Frau nur andeutungsweise. So hat der Leser eine inhaltliche Lücke und muss sich erneut orientieren.
An sich sind die Lebensumstände originalgetreu und bildhaft dargestellt, was den Leser glauben lässt, er befände sich mitten in dieser Epoche. Der Leser gewinnt dadurch eine gewisse Verbindung zu den Hauptpersonen des Buches, in die er sich gut hinein versetzen kann. Jedoch ist dieses Buch ein Roman, der zwar in einem historisch belegten Umfeld spielt, aber eine fiktive Geschichte erzählt. Somit ist es weniger für den Unterricht geeignet, aber recht hilfreich, wenn man sich in diese Zeit hineinversetzen möchte. So erzählt "Jacobäas Traum" die Geschichte einer jungen Frau mit teilweise noch heute gültigen Problemen in alter Zeit.
“'Du hast lange gebraucht, Jacobäa Maximiliana Felicitas Winterhalter, bis du den Weg hierher gefunden hast', sagte eine Stimme unmittelbar vor ihr. Eine Stimme, die ihr allerdings vertraut war. Und die doch klang, als höre sie sie zum ersten Mal in ihrem Leben (...)“ (157).
(Betreut von Verena Schier)
Empfohlene Zitierweise
Ingeborg Bayer: Jacobäas Traum, Würzburg: Arena Verlag 2004, 356 Seiten, ISBN 978-3-401-05412-4, EUR 15,90 (Auflage vergriffen), gelesen von Vanessa Wicklein. lesepunkte 2 (2007), Nr. 2, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/4972/
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Erstellt: 18.04.2007
Zuletzt geändert: 18.04.2007






