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Hermann Vinke: Hoffentlich schreibst du recht bald! Sophie Scholl und Fritz Hartnagel. Eine Freundschaft 1937-1943, Ravensburg: Ravensburger Buchverlag 2006, 320 Seiten, ISBN 3-473-35253-5, EUR 14,95.
gelesen von Eva Asselmann, 13. Klasse
Liebfrauenschule Köln

Im Alter von siebzehn Jahren lernt Sophie Scholl den vier Jahre älteren Fritz Hartnagel kennen. Im Jahr 1937 beginnt damit eine jahrelange, spannungsreiche Freundschaft, die im Wesentlichen auf dem intensiven Briefwechsel der beiden Protagonisten basiert.
Beide entstammen völlig unterschiedlichen Elternhäusern, vertreten gegensätzliche Grundüberzeugungen, die einander widersprechen. Insbesondere die verschiedenen, prägenden Erfahrungen und die unterschiedlichen Lebenssituationen während des Krieges belasten das Verhältnis der jungen Abiturientin und des zunächst überzeugten Wehrmachtsoffiziers.
Sophie beschäftigt sich eingehend mit philosophischen und religiösen Werken, welche ihre eigene moralische Überzeugung und ihre ethische Position stark beeinflussen. Die angehende Philosophiestudentin, die dem NS-Regime von Anfang an kritisch gegenüber steht, gelangt zu der Erkenntnis, dass sie persönlich nur dann gewissenhaft handle und ohne Schuld bleiben könne, wenn sie die Schreckensherrschaft der Nazis aktiv bekämpfe. Dennoch leidet sie unter den hohen Anforderungen, welche ihr eigenes Gewissen an sie stellt.
Fritz hingegen wird als Soldat an der Ostfront mit Brutalität, Elend und Tod konfrontiert. Insbesondere die erschreckenden menschlichen Einzelschicksale, die er in seiner Umgebung täglich miterlebt, stimmen den einst so euphorischen Kämpfer nachdenklich. Nach und nach, und nicht zuletzt unter dem starken Einfluss Sophies, entwickelt er eine ablehnende Haltung gegenüber den Nationalsozialisten, die nicht mit seiner hohen Position als Offizier innerhalb der Wehrmacht vereinbar zu sein scheint.
Beiden gemeinsam sind die Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit und das innige Bedürfnis nach körperlicher Nähe. Gemeinsam verbringen sie viele unbeschwerte, glückliche Tage, in denen sie sich austoben, Kraft und Mut schöpfen. Mehrfach unternimmt das junge Paar Reisen in ländliche Gebiete und an die Ostsee, die ihrer Liebe neuen Halt geben. Hier gelingt es den beiden für kurze Zeit, den Krieg und das menschliche Elend zu vergessen, sich ihren persönlichen Bedürfnissen hinzugeben und sich von jugendlichem Übermut leiten zu lassen.
Oft sind Sophie und Fritz aber monatelang voneinander getrennt. In diesen Zeiten pflegen sie eine sehr ausgeprägte Briefkorrespondenz, in denen vor allen ernste, politische und intellektuelle Themen dominieren. Die zahlreichen, langen und ausführlichen Briefe illustrieren auf beeindruckende Weise den Entwicklungsprozess einer nahezu unmöglichen, vielseitigen Beziehung, welche zahlreiche Hindernisse überwindet und so an Intensität gewinnt.
In „Hoffentlich schreibst du recht bald“ stellt Herman Vinke ausgewählte Briefpassagen zusammen und ergänzt sie durch eigene Texte. Die teilweise unvollständigen Briefe werden durch Informationen über Lebenssituation und Gefühlslage der Protagonisten vervollständigt und in den historischen Kontext eingebettet. Durch die narrativen Elemente wirkt das Buch noch biografischer. Ausführliche Erläuterungen von gesellschaftlichen, sozialen und politischen Zusammenhängen sowie die Illustration durch Jugendbilder von Sophie Scholl und Fritz Hartnagel bereichern den Briefwechsel. Hermann Vinke versteht es, selbst komplizierte Zusammenhänge leicht verständlich zu formulieren und sorgt so für eine angenehme Lektüre. Er bedient sich einer schlichten, einfachen Sprache, die die teilweise recht poetisch formulierten Briefzitate in den Vordergrund rückt und ihre Wirkung unterstreicht.
Statt zu verallgemeinern oder zu moralisieren schildert der Autor in Sophie und Fritz zwei facettenreiche Persönlichkeiten, welche sich im Laufe ihrer Jugend stark verändern und durch ihre Umwelt entscheidend geprägt werden. Sophie Scholl erscheint hier weniger als heroische Widerstandskämpferin, sondern vielmehr als engagierte Jugendliche, welche den unbeschreiblichen Wert des menschlichen Lebens erkennt und sich bedingungslos für diesen einzusetzen beginnt. Ihre Beteiligung am aktiven Widerstand appelliert an die Verantwortung, die Grundrechte des Menschen zu bewahren.
Umso tragischer und unbegreiflicher wirkt schließlich das schreckliche Schicksal, das die junge Frau Hals über Kopf ereilt. Ihre willkürliche Verurteilung illustriert die Perversität und Unmenschlichkeit der NS-Diktatur auf bewegende Art. Fritz Hartnagel überlebte den Krieg. Er heiratete Sophies ältere Schwester Elisabeth und war als Richter in Ulm tätig. Hartnagel starb im Jahr 2001.
„Hoffentlich schreibst du recht bald“: Eine bereichernde Lektüre, welche mich sehr nachdenklich gestimmt hat.
(Betreut von Karin Kasprowicz)
Empfohlene Zitierweise
Hermann Vinke: Hoffentlich schreibst du recht bald! Sophie Scholl und Fritz Hartnagel. Eine Freundschaft 1937-1943, Ravensburg: Ravensburger Buchverlag 2006, 320 Seiten, ISBN 3-473-35253-5, EUR 14,95, gelesen von Eva Asselmann. lesepunkte 2 (2007), Nr. 1, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/4901/
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Erstellt: 13.02.2007
Zuletzt geändert: 13.02.2007




