Davidson

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Marie-Thérèse Davidson: Alexander der Große. Das Leben des antiken Herrschers, Bindlach: Loewe Verlag 2003, 128 Seiten, ISBN 3-7855-4671-0, EUR 5,00.

 

gelesen von Daniel Hektor, 8. Klasse
Gymnasium bei St. Anna Augsburg

 


“’Mein wirklicher Vater ist kein Sterblicher, so sagen es jedenfalls die Priester des Amun.’ – ‚Dein Vater ist kein Sterblicher? Aber wer ist er dann?’ Alexander antwortet nicht und geht seines Weges. Sein Freund bleibt stehen und senkt nachdenklich den Kopf.“ (39)

Ja, ob wir nun in seiner Zeit lebten und einer seiner besten Freunde und Weggefährten waren, oder ob wir im Hier und Jetzt Alexanders Leben nur noch durch Bücher verfolgen, viele, wenn nicht gar alle, haben nachdenklich den Kopf geschüttelt. Kaum ein Mann hat die Menschen je mehr fasziniert als Alexander der Große, der so klein war, dass er einen Hocker brauchte, um auf seinen Thron zu steigen. 

Diese Faszination lassen Marie-Thérèse Davidson und Christian Heinrich mit einer eindrucksvollen Mischung aus Wahrheit und Legende, aus historischen Fakten und Mythos in ihrem Buch auferstehen. Sie zeigen den Jähzorn und die Gerechtigkeit, die Habsucht und die ständige Bereitschaft zu teilen, die Gier nach Ruhm und nicht zuallerletzt den einfachen Wunsch sein Leben zu leben und lassen so kein klischeehaftes Heldenbild in den Köpfen zurück, sondern das Bild eines großen kleinen Mannes, der sich nicht entscheiden konnte, ob er nun ein Herakles sein wollte oder doch nur ein Alexander.  

Das Buch „Alexander der Große“ aus der „Helden, Mythen, Abenteuer-Reihe“ von Marie-Thérèse Davidson und Christian Heinrich erzählt in zehn Hauptkapiteln anschaulich vom Leben des antiken Königs und vor allem von seinen Feldzügen. Elf illustrierte Doppelseiten, in denen interessante Zusatzinformationen zu bereits behandelten Thematiken gegeben werden, und ein Anhang ergänzen das informative Buch. Die einzelnen Hauptkapitel bestehen aus erzählenden und spannenden Prosatexten, die bestimmte Lebensabschnitte des Herrschers bzw. seine verschiedenen Eroberungskämpfe und langen Märsche durch die ganze bis dahin bekannte Welt beschreiben. Diese Texte sind im Präsens verfasst, was anfangs leider ein wenig irritiert und oft den Lesefluss stört, der ganzen Szene damit aber Nachdruck verleiht. Auf diese kleinen Geschichten folgt eine Doppelseite, die mit wenig Text und vielen, großartigen Illustrationen interessantes Zusatzwissen liefert und Bekanntes noch einmal wiederholt. Diese Seiten sollen besonders das Leben, die Kunst, Religion und Armee fremder Völker, die Alexander im Laufe seiner Herrschaftszeit eroberte, sowie die makedonische Kultur beschreiben, da diese Themen in den Hauptkapiteln leider meist untergehen.

Als Beispiel nehmen wir das Kapitel „Die Grenzen der bekannten Welt“. Dieses schildert Alexanders Weg durch Indien und seinen Kampf gegen seinen mächtigen Feind, König Poros: Nachdem Alexanders Soldaten Monate lang das mächtige und gefährliche Himalaja-Gebirge durchquert und dabei viele kleine, stolze und freiheitsliebende Völker, die sich keinem Herrscher beugten, nicht ohne Probleme und Schwierigkeiten besiegt hatten, steht die makedonische Armee schließlich am Fluss Hydaspes dem nicht minder zahlreichen und starken Heer des indischen Königs Poros gegenüber, das am anderen Ufer des reißenden Stromes ihr Lager aufgeschlagen hatte. 

Anschaulich wird hier nun Alexanders geniale Taktik erklärt, der es einzig und allein zu verdanken war, dass die kampferprobten Soldaten des makedonischen Herrschers nicht von den zweihundert Kampfelefanten des Feindes überrannt wurden. Aber nicht nur diese kalte und grausame Seite des jungen Alexanders wird in diesem Kapitel gezeigt, sondern auch sein Edelmut und seine Größe, die sich zum Beispiel darin zeigt, dass er seinen Feind Poros in Anerkennung seines Mutes am Leben lässt und sogar persönlich um die Heilung seiner Wunden sorgt. Doch trotz dieser siegreichen Schlacht will der Herrscher mehr. Angetrieben von seiner ständigen Gier möchte er weiter, immer weiter über die Grenzen der bekannten Welt hinaus. Doch das sollte dem Helden niemals gelingen...

Denn ungeachtet seiner ruhmreichen Schlachten und dem unvorstellbaren Reichtum hat Alexander im Gegensatz zu seinen treuen Gefährten eines vergessen, seine Heimat. Acht lange Jahre, Jahre voll Leiden, Kriegen, Morden, Jahre voll Siege, Treue und Abenteuer, haben ihn von Makedonien getrennt. Seine Soldaten sehnen sich nach der langen Reise nur noch nach ihren Familien, Frauen und Kindern. Und so musste Alexander zum ersten Mal in seinem ganzen Leben aufgeben. Auf das ständige Bitten und Drängen seiner Weggefährten hin, befahl er schließlich wieder gen Westen zu marschieren, nach Hause. 

Der große König hatte letztendlich doch wohl einsehen müssen, dass ihm nicht die ganze Welt gehören wird, dass nicht nur er, sondern auch seine Soldaten Schlachten geschlagen haben, und dass er bei aller Bescheidenheit doch wirklich einmalig war. 

Eine klare Stärke des Buches liegt darin, dass die Autoren historische Fakten, die wohl eher in ein Sachbuch gehören, und die erzählenden Texte gekonnt zu einer großartigen Mischung verbunden haben. Informativ, aber nie langweilig kann so Alexanders Leben beschrieben werden. Die sehr schön illustrierten Doppelseiten, mit anschaulichen Karten, Bildern und Begriffserklärungen, runden das Gesamtbild ab. 

Schade jedoch ist es, dass das gesamte Buch einzig und allein von den Kämpfen und Märschen des Helden berichtet. Alle restlichen Aspekte seines Lebens, wie Kindheit und Familie werden gänzlich unterschlagen. Als Altersangabe schlage ich Leser ab 9 Jahre vor, die sich vor allem für die Feldzüge interessieren. Für ältere Leser wirkt der Text leider meist ziemlich einfach gestaltet. Die ungewohnte Erzählzeit, die durch das Präsens eine Vergegenwärtigung versucht, trägt hierzu noch bei. 

(Betreut von Dr. Claudia Weiser) 

 

 

Empfohlene Zitierweise

Marie-Thérèse Davidson: Alexander der Große. Das Leben des antiken Herrschers, Bindlach: Loewe Verlag 2003, 128 Seiten, ISBN 3-7855-4671-0, EUR 5,00, gelesen von Daniel Hektor. lesepunkte 2 (2007), Nr. 1, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/4877/

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Erstellt: 13.02.2007

Zuletzt geändert: 13.02.2007