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Georg Wieghaus (Hörspiel nach dem Roman von Jurek Becker): Jakob der Lügner, Köln: headroom sound production, 2002, ISBN 3-934887-25-2 (CD), EUR 12,50.
gehört von Nikias Gmelch, 6. Klasse
Karlsgymnasium München

Die Geschichte „Jakob der Lügner“ spielt im „Dritten Reich", in der Zeit, als Juden in einem riesigen, von Deutschen bewachten Wohngebiet wohnen mussten. Dieses so genannte „Ghetto“ befand sich in Warschau in Polen. Die Hauptfigur ist ein Jude namens Jakob, der sich wie alle anderen an strenge Regeln halten muss: Er darf nach acht Uhr nicht mehr auf der Straße sein, kein Radio besitzen und sich auch kein Haustier halten. Die Lebensverhältnisse im Ghetto sind unmenschlich.
Eines Tages geht Jakob am Abend durch die Straßen zu seiner Wohnung. Es ist ungefähr 19:20 Uhr, doch Jakob weiß es nicht, denn er hat keine Uhr. Plötzlich wird er von Scheinwerfern angestrahlt. Der Wächter ermahnt ihn, dass er nach acht Uhr nicht auf der Straße sein dürfte, und schickt ihn auf das Revier. Dort geht er durch einen langen Gang und sieht sich um. Doch auf den Türen steht nicht, wer dahinter sitzt. Als er an einem offenen Zimmer vorbeikommt, sieht er, wie jemand ein Radio anschaltet. Er lauscht und hört, dass die Russen nur noch 400 bis 500 km weit entfernt sind. Jakob hat genug erfahren und macht sich auf den Weg zum Wächter, der ihm eine Strafe geben soll, doch der Beamte lacht nur und sagt: „Es sind sechs Minuten nach halb acht, verschwinde jetzt.“
Am nächsten Tag arbeitet Jakob zusammen mit seinem Freund Mischa am Bahnhof. Sie haben die Aufgabe, Kisten in die Wagons zu laden. Da entdeckt der immer hungrige Mischa eine Kiste mit Kartoffeln. Während der Ablösung der Wächter will Mischa einige für sich stehlen. Jakob ahnt, was gleich geschehen wird: Schon kommen die Aufseher immer näher und Mischa will loslaufen. Jakob versucht vergebens ihn vom Diebstahl abhalten, bis er ihm schließlich sagt: „Die Russen sind 400-500 km weit weg von uns.“ „Woher weißt du diese Neuigkeiten?“, fragt Mischa ihn. „Ich besitze ein Radio“, antwortete er, obwohl ihm nicht wohl dabei ist. Mischa denkt gar nicht mehr ans Stehlen und will mehr darüber wissen. Doch Jakob besitzt kein Radio, sondern hat diese Information nur im Polizeirevier mitbekommen. Nur weil Mischa Hunger hatte und Kartoffeln stehlen wollte, hatte er Jakob zu einer äußerst gefährlichen Lüge gezwungen, die ihn noch in größte Schwierigkeiten bringen wird.
Einen Tag später kommt ein kleines Mädchen namens Lina zu Jakob. Lina hat ihre Eltern vor bei einem Aufstand gegen die Deutschen verloren und lebt nun auf dem Dachboden von Jakobs Wohnung. Sie nennt ihn „Onkel Jakob“. Mittlerweile hat es sich herumgesprochen, dass Jakob ein Radio besitzt. Sogar die kleine Lina weiß davon, doch sie hat überhaupt keine Ahnung, wie so ein Gerät aussieht. Sie stöbert so lange in den paar Sachen, die Jakob besitzt, bis er sie in den Keller führt. Lina meint, nun endlich das Radio zu sehen. Da Jakob aber keines hat, nimmt er einen Eimer, schnipst dagegen und tut so, als spiele eine Blaskapelle. Anschließend erzählt er eine Geschichte, schnipst wieder gegen den Eimer und kommt wieder zu Lina, die das „Radio“ toll findet. Gemeinsam begeben sie sich wieder in seine Wohnung.
Doch am nächsten Morgen fragen ihn seine Freunde, darunter auch Mischa, nach neuen Informationen. Leider weiß Jakob keine. Als einer der Aufseher kommt und auf eine Toilette geht, in die Juden nicht dürfen, hat Jakob eine Idee. Er sieht nämlich, dass der Mann eine Zeitung bei sich trägt, die er jedoch aus der Ferne nicht lesen kann. (Zeitungen sind im Ghetto natürlich auch verboten!) Einige Zeit später kommt der Mann in der Tat ohne Zeitung wieder heraus. Jakob nutzt die Gelegenheit, rennt zur Toilette und schließt die Tür hinter sich. Er überlegt, ob er die Zeitung mitnehmen soll, doch da fällt ihm ein, dass der Mann sie sich wieder holen könnte. So wirft er nur einen kurzen Blick darauf. Weiter kommt er nicht, denn er sieht, wie ein anderer Aufseher direkt auf ihn zuläuft. Glücklicherweise kann sich Jakob aus dieser heiklen Situation retten.
Das, was er auf der Toilette gelesen hat, kann er seinen Freunden nun als Informationen aus dem Radio erzählen, doch sie wollen immer mehr wissen und fragen Jakob nach neuen Nachrichten. So ist Jakob gezwungen, zum „Lügner“ zu werden: Er denkt sich, um seine Freunde nicht zu enttäuschen und um ihnen die Hoffnung nicht zu nehmen, immer wieder Neuigkeiten aus dem Radio aus...
Diese Geschichte hat nicht, wie viele andere Geschichten, ein Happyend, sondern sie endet sehr traurig. Für Leseratten gibt es diese Erzählung auch als Buch von Jurek Becker. Als Klassenlektüre ist dieses Buch meiner Meinung nach durchaus geeignet. Doch ist die Geschichte, wie schon gesagt, sehr traurig, was man von einer Lektüre eigentlich nicht erwartet. Wer nicht so gerne liest, kann sich auch an der schönen Musik freuen, die in diesem Hörspiel von Georg Wieghaus verwendet wird.
(Betreut von Ingo Leiß / Dr. Ulrich Baumgärtner)
Empfohlene Zitierweise
Georg Wieghaus (Hörspiel nach dem Roman von Jurek Becker): Jakob der Lügner, Köln: headroom sound production, 2002, ISBN 3-934887-25-2 (CD), EUR 12,50, gehört von Nikias Gmelch. lesepunkte 1 (2006), Nr. 1, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/4316/
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Erstellt: 09.10.2006
Zuletzt geändert: 11.10.2006




