Vinke

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Hermann Vinke: Als die erste Atombombe fiel. Kinder aus Hiroshima berichten, Ravensburg: Ravensburger Buchverlag 2005, 192 Seiten, ISBN 3-473-58062-7, EUR 5,95.

 

gelesen von Christoph Kemmerich, 10. Klasse
Marienschule Krefeld

 


Das Buch „Als die erste Atombombe fiel“ ist nicht als klassischer Roman verfasst, sondern eher als eine Sammlung von Berichten über den 6. August 1945, als die erste Atombombe auf Japan abgeworfen wurde. Erzählt werden diese von Kindern, die jenen Tag in Hiroshima miterlebt haben und ihn aus ihrer Sicht schildern.

Der Herausgeber verschafft dem Leser zu Beginn des Buches den historischen Hintergrund und lässt dabei auch Widersprüche bezüglich der Geschichte nicht aus. Auf dieses Vorwort folgt der Hauptteil des Buches, der die Schilderungen der Kinder beinhaltet. Diese werden oft durch kurze Kommentare ergänzt und in weiteren Texten liefert Vinke übergreifende Informationen, die beispielsweise die Folgen der radioaktiven Strahlung erklären. Zum Ende des Buches findet sich ein Interview mit dem Piloten, der die Bombe über Hiroshima abgeworfen hat, sowie eine Beschreibung des Herausgebers über seinen Aufenthalt in Hiroshima im Jahr 1982.  

Das Buch stellt die Geschehnisse um Hiroshima auf eine beeindruckende Weise dar. Zugleich liefert es eine unverfälschte Perspektive dieser Zeit ohne jedoch zu übertreiben. Die Texte führen den Leser in die Realität des 6. August 1945 zurück und lassen ihn die Katastrophe selbst miterleben. Dieses Buch ist somit ein wichtiges Zeugnis der Geschichte und verschafft einen Eindruck, den kein reines Sachbuch vermitteln kann. Der Leser erfährt darüber hinaus auch oft etwas über das Schicksal der Verfasser oder liest in Interviews, dass es ihnen immer noch nicht möglich war, die damaligen Ereignisse vollständig zu verarbeiten. 

Das Buch ist durch seine ausführlichen Erklärungen für jeden geeignet, da keine Kenntnisse über diese Zeit vorausgesetzt werden. Der Leser erhält ein umfassendes Wissen, das er sich im Laufe des Buches durch vielfältige Informationen aneignen kann. Als weiterer positiver Aspekt ist zu erwähnen, dass der Autor eine leicht zu verstehende Sprache verwendet, mit der er sich hauptsächlich an eine junge Zielgruppe richtet. Das Buch wurde unkompliziert verfasst und ist durch diverse Worterklärungen leicht zu verstehen. Illustrationen und Karten lassen das Buch auch optisch ansprechend erscheinen. 

Zudem bemüht sich der Herausgeber, kein einseitiges Bild zu zeichnen und beleuchtet aus diesem Grund die Schuldfrage in Bezug auf Amerika und Japan. Vinke möchte „Kein neues Abziehbild des Grauens“ (S. 19) schaffen, sondern vielmehr einen Aufruf gegen den Krieg und lenkt deshalb den Blick auf die atomare Bedrohung. Er zeigt, wie wichtig diese Diskussion in unserer Zeit ist und verdeutlicht, dass jeder betroffen ist. 

Obwohl Hermann Vinke seine Argumente insgesamt sehr ausgewogen präsentiert, stellt er die von Fachleuten heftig diskutierte These, dass US-Präsident Truman Japan aus persönlichen Motiven für einen atomaren Anschlag bestimmt hätte, als erwiesen dar. Jedoch trübt dieser Aspekt das sonst gute Erscheinungsbild kaum. 

Es ist sehr wichtig, sich für dieses Buch viel Zeit zu nehmen, da der Leser sich mit den einzelnen Berichten gedanklich auseinandersetzen muss, um den gesamten Ausdruck des Buches aufzufassen. Aus diesem Grund scheint mir die Altersempfehlung, die das Buch ab 12 Jahren empfiehlt, als unpassend. Ich bin der Meinung, dass es in diesem Alter nicht möglich ist, die oft auch sehr grausamen Berichte ausreichend zu verarbeiten, um sich ernsthaft mit diesem Thema zu befassen. 

Ich habe dieses Buch als äußerst ansprechend empfunden, da es sich deutlich von den mir bisher gelesenen Büchern zum Thema abgrenzt und den Sachverhalt um Hiroshima in einer ganz eigenen Sichtweise zeigt. Dem Autor ist es gelungen, das komplexe Thema auf eine einfache Art nahe zu bringen, ohne jedoch an Spannung oder Eindruckskraft zu sparen. 

Da die Ereignisse in Hiroshima oder Nagasaki zu verblassen drohen, ist dieses Buch ein wichtiges Hilfsmittel, um dem Vergessen entgegen zu wirken. Die Berichte der Kinder dieser Zeit sind von ungeheurer Bedeutung, zumal die letzten Augenzeugen jetzt sterben und nicht mehr vor den Fehlern in der Vergangenheit warnen können. Dieses Buch ist ein Aufschrei der Überlebenden, damit nie vergessen wird, was 1945 in Hiroshima geschehen ist. 

Hermann Vinke bringt in seinem Buch das Grauen des Krieges und seine Sinnlosigkeit sehr gut zum Ausdruck und regt den Leser zum Nachdenken an. Erst als ich das Buch gelesen habe wurde mir bewusst, warum die Atomdiskussion ein so wichtiges Thema ist, und dass sie für jeden Menschen von Bedeutung ist. 

Das Buch „Als die erste Atombombe fiel“ ist ein beeindruckendes Buch, das durch seine einfache Schilderung der Realität eine große Wirkung erzielt und niemanden unberührt lässt. 

(Betreut von Dr. Ansgar Hoff) 

 

 

Empfohlene Zitierweise

Hermann Vinke: Als die erste Atombombe fiel. Kinder aus Hiroshima berichten, Ravensburg: Ravensburger Buchverlag 2005, 192 Seiten, ISBN 3-473-58062-7, EUR 5,95, gelesen von Christoph Kemmerich. lesepunkte 1 (2006), Nr. 1, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/4312/

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Erstellt: 09.10.2006

Zuletzt geändert: 11.10.2006