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Harald Parigger: Die Hexe von Zeil, München: dtv junior 2005, 252 Seiten, ISBN: 3-423-70679-1, EUR 7,00.
gelesen von Lara Müllges, 8.Klasse
Matthias-Grünewald-Gymnasium Würzburg

In dem Buch „Die Hexe von Zeil“ von Harald Parigger geht es um die Foltern und Hexenverbrennungen im 16. und 17. Jahrhundert. Ursula, die zweite Tochter des Bürgermeisters Lambert, lebt zusammen mit ihrem Vater in einem Haus in Bamberg. Eines Tages wird ihr Vater wegen Satanismus festgenommen, vor den weltlichen Räten befragt, als schuldig erkannt und ins „Malefizhaus“ gebracht. Wenig später wird auch Ursula wegen Hexerei festgenommen und nach Zeil gebracht, wo sie sich eine Zelle mit Anna Neuberger (die ihr später immer gut zuredet und sie ermutigt) und Grete teilt.
Die ersten Befragungen durch Dr. Einwang verlaufen noch ohne Gewalt, aber die Kommission der weltlichen Räte findet schließlich einige Beweise und Zeugen, die gegen sie sprechen. Auch als sie später mit den Geräten der peinlichen Befragung (= Folter) gequält wird, hält sie durch – mit Hilfe des unfreiwilligen Schreibers Christoph Steiner, der die Verhöre protokollieren muss. Durch einen Traum, in dem der Teufel vorkommt, verliert Ursula für kurze Zeit ihren Glauben an Gott und gesteht in einer Befragung ihre Schuld. Zur gleichen Zeit hält Christoph Steiner, der in Ursula verliebt ist und ihr helfen will, es nicht mehr aus und sucht alte, treue Freunde der Lamberts, um einen Befreiungsplan zu schmieden...
Das Buch beschreibt mit der Geschichte Ursulas ein sehr dunkles Schicksal. Im Kampf gegen die Kommission spiegeln sich ihre Verzweiflung, ihre Angst, aber auch ihre Tapferkeit wider. Wie Ursula erging es zur Zeit der Hexenverfolgungen vielen Frauen und Mädchen, die unschuldig angeklagt und verurteilt wurden. Durch die geschichtlich realistisch beschriebenen Foltern und Befragungen werden die Grausamkeit der Hexenverfolgungen und die Qualen der Menschen zu dieser Zeit dem Leser anschaulich vor Augen geführt. Man kann sich so in das Schicksal der Menschen hineinversetzen und erhält eine Ahnung von all den Grausamkeiten und Zumutungen, denen unschuldige Menschen damals aus den fadenscheinigsten Gründen ausgesetzt waren.
Da die Gedanken der Personen (vorwiegend Ursulas) unmittelbar mitgeteilt werden, wird der Leser mitten ins Geschehen hineingezogen und kann sich in die Figuren hineinversetzen. Ich hatte manchmal selbst das Gefühl, die Angst und Schmerzen Ursulas zu spüren! Das Buch steigert die Spannung des Geschehens in mehreren Stufen: zunächst das Verschwinden des Vaters, dann die Verhaftung Ursulas, schließlich die Folter bis hin zur Flucht von Christoph Steiner und Ursula. Nur das abrupte Ende der Geschichte habe ich als etwas störend empfunden.
Insgesamt finde ich, dass Harald Parigger wieder einmal ein sehr gutes Buch gelungen ist, das einerseits spannend geschrieben ist, andererseits aber heutigen Lesern auch die Schrecken einer zum Glück längst vergangenen Zeit vor Augen führt. Außerdem bietet dieses Buch ein Glossar, in dem schwierige Begriffe erläutert werden, und eine Skizze vom Handlungsort Zeil. Eine Einführung des Autors Harald Parigger erleichtert zudem den Zugang zu der Zeit, in der die Handlung spielt.
Wer ein Jugendbuch mit historischem Inhalt sucht, das spannend unterhält, der liegt mit der „Hexe von Zeil“ genau richtig! Wegen der grausamen Erlebnisse Ursulas und der beschriebenen Foltermethoden würde ich das Buch aber erst Kindern ab 12 Jahren empfehlen.
(Betreut von Daniel Roos)
Empfohlene Zitierweise
Harald Parigger: Die Hexe von Zeil, München: dtv junior 42005, 252 Seiten, ISBN: 3-423-70679-1, EUR 7,00, gelesen von Lara Müllges. lesepunkte 1 (2006), Nr. 1, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/4304/
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Erstellt: 09.10.2006
Zuletzt geändert: 29.01.2007




