Herman

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Eugen Herman-Friede: Abgetaucht! Als U-Boot im Widerstand, Hildesheim: Gerstenberg Verlag 2004, 256 Seiten, ISBN 3-8067-5072-6, EUR 14,90. 

 

gelesen von Eva Asselmann, 12. Klasse
Liebfrauenschule Köln

 


Eugen ist sieben Jahre alt, als Hitler in Berlin zum Reichskanzler ernannt wird. Als Kind ist er noch zu jung, um die von den Nationalsozialisten ausgehende Gefahr zu erkennen, doch spürt er die skeptische Haltung, die seine Eltern gegenüber den politischen Ereignissen einnehmen.

Wegen seines „arischen“ Stiefvaters sind Eugen zunächst nur die christlichen Traditionen vertraut - erst durch die zunehmende Ausgrenzung und Diskriminierung durch Nachbarn, Mitschüler und Lehrer wird Eugen sich seiner jüdischen Herkunft seitens seiner Mutter bewusst und er beginnt, sich mit den jüdischen Bräuchen auseinander zu setzen. 

1943 schließlich reichen auch die Fürsorge und Liebe seiner Eltern nicht mehr aus, um Eugens Leben zu schützen, das durch diverse Maßnahmen der SS bedroht wird. Eugen taucht unter. Er findet bei verschiedenen Familien Zuflucht und wird Mitglied der Widerstandsgruppe „Gemeinschaft für Frieden und Aufbau“, in der er aktiv gegen die Verbrechen der Nationalsozialisten ankämpft. Als Eugen und seine Freunde im Herbst 1944 entdeckt werden, beginnt für ihn eine lebensbedrohliche Zeit im Gefängnis und Straflager. 

Eugen Herman-Friede schreibt die Geschichte seiner eigenen Jugend aus der Perspektive eines unvoreingenommenen Kindes. Sprachlich schlicht und leicht verständlich erzählt er von seiner persönlichen Entwicklung im Deutschland der 1930er Jahre. Durch seine Unbefangenheit und Offenheit, seine kindliche und naive Perspektive gelingt ihm eine authentische und insbesondere für Kinder sehr ansprechende Schilderung der politischen Ereignisse, die die Absurdität und Perversität der nationalsozialistischen Verbrechen verdeutlicht, ohne anklagend oder moralisierend zu wirken. 

Seine ersten sexuellen Erfahrungen, die in späteren Teilen des Romans Raum finden, verdeutlichen seine Sehnsucht nach Sicherheit und Geborgenheit. Sie spiegeln aber auch seine persönliche Entwicklung wider, die sich ebenso in seiner Ausdrucksweise, seinen Gefühlen und Gedanken wiederfindet. 

Im ersten Teil des Romans erfährt der Leser von Eugens früher Kindheit, die kaum von politischen Veränderungen bestimmt ist. Der Autor erzählt von zahlreichen persönlichen Erfahrungen, die teilweise recht spannungsarm und für die zentrale Romanhandlung unbedeutend sind. Hier wäre eine differenziertere Betrachtung und Herausarbeitung wichtiger Schlüsselereignisse wünschenswert. 

Gleiches gilt für die Kapitel, in denen der Autor die Ziele der Widerstandsgruppe thematisiert. Hier gibt es einige handlungsarme, langatmige Passagen, in denen er viele neue Personen namentlich in die Romanhandlung einbezieht und die Aufgaben einzelner Mitglieder vorstellt. Dies erschwert das Textverständnis.  

Als sehr ansprechend erweist sich der Schlussteil des Romans. Eugen wird von der SS verhaftet und von seiner Familie getrennt. Sehr nüchtern und sachlich beschreibt er die menschenunwürdigen Bedingungen und die unbeschreiblichen Demütigungen, denen er in verschiedenen Gefängnissen täglich ausgesetzt ist. Außerdem beschränkt er sich nicht auf seine persönlichen Erfahrungen, sondern bezieht viele Einzelschicksale von Opfern der Gewaltherrschaft, die er während seiner Gefangenschaft kennen lernte, mit in seine Schilderungen ein. So vermittelt er dem Leser eine beeindruckende und erschreckende Vorstellung von der Brutalität, Immoralität und den willkürlichen Verbrechen, denen nicht nur Juden ausgesetzt waren. 

Der Roman wird von einer übersichtlichen und jugendgerechten Zeittafel sowie zahlreichen Privatfotos ergänzt, die die von Eugen Herman-Friede geschilderten Ereignisse noch anschaulicher und greifbarer machen. Ein insbesondere zum Ende hin überzeugender Roman, der einer jungen Leserschaft die wertvollen Zeitzeugenberichte eines Überlebenden altersgerecht vermittelt. 

(Betreut von Karin Kasprowicz) 

 

 

Empfohlene Zitierweise

Eugen Herman-Friede: Abgetaucht! Als U-Boot im Widerstand, Hildesheim: Gerstenberg Verlag 2004, 256 Seiten, ISBN 3-8067-5072-6 , EUR 14,90, gelesen von Eva Asselmann. lesepunkte 1 (2006), Nr. 1, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/4297/

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Erstellt: 09.10.2006

Zuletzt geändert: 11.10.2006