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K. M. Grant: Die goldene Stadt, Ravensburg: Ravensburger Buchverlag 2005, 352 Seiten, ISBN 3-473-34469-9, EUR 14,95.
gelesen von Jannis Fischer, 9. Klasse
Liebfrauenschule Köln

„Die goldene Stadt“ ist ein Jugendroman des englischen Schriftstellers K.M. Grant und erschien nach der Übersetzung ins Deutsche von Gerald Jung und Katharina Orgaß 2005 im Ravensburger Buchverlag, nachdem er bereits im Jahr 2004 in England unter dem Namen „Blood Red Horse“ veröffentlicht worden war.
Das Buch erzählt die Geschichte des sechszehnjährigen William de Granville. Der Sohn von Sir Thomas de Granville, einem reichen Adligen und Getreuen des Königs, lebt zusammen mit seinem älteren Bruder Gavin, mit dem er meist streitet, und Ellie, die vor vielen Jahren nach dem Tod ihrer Eltern als reiche Erbin bei den de Granvilles aufgenommen wurde, in der idyllischen Landschaft von Hartslove, in der Burg seines Vaters. Seine größte Leidenschaft sind Pferde. Als sein Vater ihm nach langjährigem Flehen endlich den Wunsch nach einem Streitross gewährt und er sich „Hosanna“ erwählt, einen kleinen Fuchs-Hengst, der mit seiner Klugheit, seinem schönen rot leuchtenden Fell und seinem außerordentlichen Talent sofort das Herz des Jungen erobert, ist er überglücklich. Er folgt 1190 n. Chr. mit seinem Vater und Bruder dem Aufruf von Richard Löwenherz zum Kreuzzug ins Heilige Land.
Das Grauen des Krieges, in dem sein Vater stirbt und Gavin seinen Arm verliert, ernüchtert ihn jedoch sehr und der einzige Halt, den er oft finden kann, ist sein Pferd, das auch für die anderen Kreuzritter durch ein besonderes Gemüt und dem auffallend weißen Stern auf der Stirn zu einer Art Glückssymbol wird. Bei einer Schlacht fällt das Pferd jedoch in die Hände des gleichaltrigen Sarazenenjungen Kamil, der schnell ähnliche Gefühle für Hosanna entwickelt und schließlich zur zweiten Hauptfigur des Buches wird. Als dieser noch ein Kind war, sind seine Eltern von Christen ermordet worden und seitdem trägt er einen enormen Rachedurst und Hass in sich, über den er mit Hilfe von Hosanna hinweg kommt. Das Buch beschreibt so, wie zwei Jungen unterschiedlicher und miteinander verfeindeter Völker in einem schrecklichen Krieg durch die Liebe zu einem Pferd allen Hass vergessen können und schließlich zueinander finden.
„Die goldene Stadt“ von K.M. Grant ist sicherlich unter mehreren Lese-Aspekten zu betrachten. Zunächst einmal ist das Buch sehr spannend geschrieben. Besonders Schlachten und Jagden wirken durch die detaillierte Beschreibung und die sehr verständliche und anschauliche Sprache, die ein flüssiges und „entspanntes“ Lesen erlaubt, sehr fesselnd. Durch ständige Gefühlsdarstellung der jeweiligen Charaktere entsteht eine bildliche Nähe zu der dargestellten Situation. Die Gestaltung der Vordergrundhandlung ist dem Autor auf diese Weise sehr gut gelungen, jedoch scheint es, als würde er sich zu sehr auf sie fixieren, denn er lässt Hintergrundinformationen, die dem Leser beispielsweise genauere Kenntnisse und damit ein Gefühl für die historischen Verhältnisse und Lebensbedingungen der unterschiedlichen Völker und ihrem Glauben vermitteln würden, außer Acht. Den Rahmen und den erhellenden Hintergrund für die von Grant erwählte Thematik muss der Leser leider vermissen. Außerdem schweift Grant zum glücklichen Ende seines Buches etwas ins Naive, Unrealistische, Märchenhafte ab, so dass es einen „Beigeschmack“ der Kindlichkeit bekommt. Diesen Eindruck gewinnt der Leser auch manchmal im Hinblick auf den Sprachstil des Autors, wenn er z.B. für eine ernsthafte Drohung seines Burgvogtes die Worte „…sonst ziehe ich dir das Fell über die Ohren…“, verwendet.
„Die goldene Stadt“ basiert auf keiner wahren Geschichte und verfügt leider nicht über zusätzliches Material, obwohl beispielsweise eine Karte des Weges, den die Kreuzfahrer zurücklegen, zur Orientierung sehr nützlich wäre , die man beim Lesen manchmal zu verlieren droht.
Insgesamt empfand ich das Buch zwar als unterhaltend und zum Teil auch sehr spannend, doch meine wirkliche Begeisterung fand es nicht, was allerdings daran lag, dass mich die Thematik nicht so sehr interessierte und ich außerdem fand, dass diese auf eine nicht einmal besonders anspruchsvolle Weise aufgearbeitet wurde. Ich hatte z.B. nicht ansatzweise das Gefühl, mich wirklich in der Zeit des Mittelalters zu befinden, da eine detaillierte Hintergrundbeschreibung einfach fehlte, wie ich sie von anderen Büchern durchaus kenne, die in dieser Zeit spielen, z.B. aus „Das Geheimnis der weißen Mönche“ von R.M. Schroeder.
(Betreut von Karin Kasprowicz)
Empfohlene Zitierweise
K. M. Grant: Die goldene Stadt, Ravensburg: Ravensburger Buchverlag 2005,gelesen von Jannis Fischer. Probeausgabe (2006), Nr. 0, in: lesepunkte, URL: http://www.lesepunkte.de/no_cache/persistent/artikel/3544/
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Erstellt: 03.05.2006
Zuletzt geändert: 03.05.2006




